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Host, The (2006)

Eine Kritik von (Bewertung des Films: 5 / 10)
eingetragen am 02.02.2007, seitdem 858 Mal gelesen



Tja, manchmal kann es selbst einem erfahrenen Filmkritiker (egal ob nun aus dem Hobby- oder dem Profibereich) schwer fallen, zu einem Film eine geeignete Besprechung zu schreiben. Meist macht man sich ja schon beim gucken des Films so seine Gedanken, wie man das gerade Gesehene am besten in Worte fassen kann, damit es die interessierten Leser auch verstehen und nachvollziehen k├Ânnen, ohne ins allzu Oberfl├Ąchliche zu rutschen. Als bestes pers├Ânliches Beispiel w├╝rde ich da "Uhrwerk Orange" anbringen wollen, zu dem ich bestimmt schon mindestens f├╝nfmal versucht habe ein Review zu verfassen, mir dies aber nie wirklich gegl├╝ckt ist. ├ähnlich ist es mir nun auch mit "The Host" ergangen, allerdings nicht, weil ich nicht schaffen w├╝rde, irgendwelche Genialit├Ąten des Films ordentlich zu verpacken, sondern einfach weil "The Host" ein Film ist, bei dem man einfach nicht so richtig wei├č, was man damit anfangen soll.

"The Host" d├╝rfte wohl so ziemlich der unentschlossenste Genre-Mischmasch sein, den das Kino in letzter Zeit so gezeigt hat. Das er in seinem Heimatland S├╝dkorea ein Megaerfolg war, wird hier in westlichen Gefilden wohl nur schwer begreifbar sein. Schon die Geschichte l├Ąsst nicht so recht erahnen, worum es nun eigentlich geht. Im Grunde geht es wohl um eine Schlamperei mit Chemikalien, aus dessen Ergebnis sich eine merkw├╝rdige Mutation bildet, die von nun im Hanfluss von S├╝dkorea haust und die Anwohner bedroht. Immer mehr Menschen fallen dem Biest zum Opfer, welches seine Opfer aber nicht allesamt verschlingt, sondern einige von ihnen in einer H├Âhle aufbewahrt. Als das Biest sich dann allerdings an der Tochter eines verwahrlosten Kiosk-Besitzer vergreift, macht dieser sich, zusammen mit seinem Vater und seinen zwei Geschwistern, auf die Suche nach dem Biest. Doch nicht nur das Monster regt die Sorgen der Menschen an, auch ein angebliches Virus, verschreckt die Bev├Âlkerung. Nun hei├čt es also das Biest zu bek├Ąmpfen, bevor das Virus endg├╝ltig ausbrechen kann... Horror, Trash, Drama oder Katastrophe, mit was es der Zuschauer hier zu tun bekommt, ist kaum zu ergr├╝nden, denn eigentlich hat die Geschichte wirklich von allem etwas zu bieten. Anfangs sieht alles noch nach einem m├Ąchtigen Trash-Spektakel aus, zum Ende hin wird es dann aber d├╝ster dramatisch und beinah schwappt das ganze Treiben schon in ein Katastrophenfilm um. Logik, Sinn und Verstand sind dabei kaum auszumachen, auch wenn es durchaus einige sozialkritische Untert├Âne gibt, welche aber meist spur- und bedeutungslos im Sande versieben. Somit sollte man sich vor allem von dieser Erwartung fernhalten und zusehen, dass man das Ganze als reinen Unterhaltungsfilm ansehen kann. Doch selbst das ist nicht wirklich leicht.

Denn hier werden nicht nur massig Genres aufeinander losgelassen, was ja nun eigentlich noch nicht wirklich schlimm sein m├╝sste, sondern sie werden leider auch viel zu lieblos durch einander gewirbelt, ohne das der Streifen dabei so recht den passenden Rhythmus finden will. Die erste Stunde ist eigentlich fast schon Comedy pur, da viele Albernheiten ausgepackt werden, die aber durchaus Spa├č machen und fast schon in Richtung Black-Comedy gehen. So ist es z. Bsp. einfach k├Âstlich, wenn die Anwohner das merkw├╝rdige Biest mit allerlei Dosen und Essensresten f├╝ttern, wenn die Hauptfiguren von ein Fettn├Ąpfchen ins N├Ąchste treten oder der Beauftragte des Seuchenkommandos pl├Âtzlich mal so mir nichts, dir nichts auf die Fresse f├Ąllt, nur um danach h├╝bsch stramm zwischen den Trauernden zu stehen, als ob nichts gewesen w├Ąre. Ja, in diesen Momenten lacht das ganze Publikum, selbst wenn es irgendwo naiv wirken mag. H├Âhepunkt des Comedy-Parts ist dabei eine Szene, in der einige Passanten an einer Bushaltestelle stehen und gerade die Nachricht durchgegeben wird, dass das Virus wohl schon an einem leichten Husten zu erkennen sei. Als dann pl├Âtzlich einer von ihnen anf├Ąngt zu husten und kurz darauf in eine Pf├╝tze spuckt, entfernen sich die Passanten nat├╝rlich von ihm. Nur um im n├Ąchsten Moment ├╝ber und ├╝ber mit dem Pf├╝tzenwasser vollgespritzt zu werden, da der Bus mit Karacho durch diese hindurch brettert. Hier wird fast schon auf satirische Art und Weise die ├╝berall verbreitete Panikmache an den Pranger gestellt und man gr├Âllt vor Lachen.

Doch nach guter einer Stunde Film ist dann langsam Schluss mit lustig und der Film verwandelt sich auf einmal in ein Drama der heftigsten Sorte, welches sogar nicht davor zur├╝ck schreckt, Katastrophenstimmung zu verbreiten. Die Lacher der ersten H├Ąlfte blitzen nur noch ab und an durch, eine dr├╝ckende Stimmung macht sich breiter, als wie es sich der Zuschauer je gew├╝nscht h├Ątte. Denn eigentlich hat er sich doch bis jetzt wunderbar am├╝siert, doch mit einem Mal soll er nun wohl einen Druck auf die Tr├Ąnendr├╝se versp├╝ren, welcher aber absolut nicht wirken mag, da man einen derartigen Genre-Umschwung einfach nicht erwartet hat. Man k├Ânnte es fast mit dem Bruch zwischen Kill Bill 1 & 2 vergleichen, wobei dieser aber wunderbar die Balance zwischen den unterschiedlichen Genres halten kann und deshalb trotzdem ein genialer Film im Ganzen geworden ist. Hier nun allerdings will man sich einfach mit dem Bruch nicht anfreunden. Man will den spa├čigen Teil wieder zur├╝ckhaben und nicht unbedingt in Katastrophenstimmung versetzt werden. Die Extreme der einzelnen Genres werden hier einfach viel zu stark ausgereizt, weshalb sie sich in diesem Film einfach nur bei├čen und gegenseitig auf die Zehen treten. Und das ist, nach dem anf├Ąnglichen Potenzial, einfach schade.

Dazu kommt zudem die Tatsache, das der Film einfach nicht genug Stoff bietet, um 120 Minuten ausreichend f├╝llen zu k├Ânnen. Zwar werden durchaus viele unterschiedliche Ideen und Handlungsstr├Ąnge aufgegriffen, doch kaum einer wird wirklich zu Ende gef├╝hrt. An vielen Stellen, vor allem in der zweiten Filmh├Ąlfte, herrscht regelrecht Stillstand, was das Weitertreiben der Handlung angeht. Immer wieder macht sich der Eindruck breit, dass man alles m├Âglichst sch├Ân auf L├Ąnge ziehen wollte, weil die Macher gemerkt haben, dass es einfach zu wenig ist, was das Drehbuch f├╝r zwei Stunden Film bieten k├Ânnte. Auch wenn sich wirkliche Langeweile deshalb nicht unbedingt breitmacht, so ist es aber doch immer wieder einfach zu Kaugummiartig, was sich da auf der Leinwand tut. Vor allem am Schluss wird immer wieder noch etwas drauf gelegt, damit man auch ja die Spielzeit voll kriegt. Schade eigentlich, denn h├Ątte man sich darauf konzentriert einen 90-Min├╝ter zu machen, dann h├Ątte es durchaus noch klappen k├Ânnen, wenn auch mit Einschr├Ąnkungen. So allerdings nicht!

Positiv ist hingegen allerdings die Inszenierung des ganzen "Drumherum" anzumerken, welche sp├╝rbar auf Atmosph├Ąre geb├╝gelt wurde. Die Kulissenauswahl ist z. Bsp. einfach wunderbar trist gehalten worden, was dem Film durchgehend eine knackige Atmosph├Ąre verleihen kann. Die Auswahl der Farbfilter, die Arbeiten hinter der Kamera, sowie der knackige Score sind einiges wert und zeugen durchaus von K├Ânnen und dem Versuch, doch noch das Beste aus dem langatmigen Mischmasch herauszuholen. Auch wenn dadurch die Fehler des Films nicht wett gemacht werden k├Ânnen, so ist wenigstens auf optischer und akustischer Basis einiges auf der Haben-Seite zu verbuchen. Zudem ist auch das Monster ordentlich getrickst worden. Gut so!

Zu den Darstellern selbst ist es allerdings wieder recht schwer, die passenden Worte zu finden, da man den gr├Â├čten Teil der Schauspieler noch nie gesehen hat und wohl auch nicht so schnell wieder sehen wird, wenn man sich jetzt nicht wirklich f├╝r das Filmland S├╝dkorea interessiert. Meiner Meinung nach haben aber alle ihre Sache soweit ganz gut gemacht, auch wenn die Figuren selbst hier und da doch etwas farblos gezeichnet worden und deshalb nicht wirklich sonderlich schwer zu performieren sind. F├╝r einen Film dieser Art reicht es aber durchaus aus.

Fazit: Sorgfaltslos zusammengesetzter Genre-Mix aus Comedy, Horror, Trash, Drama und Katastrophenfilm, der leider keinerlei Balance findet und einen furchtbaren Rhythmus an den Tag legt, der einfach nicht gelingen will. Lacht man sich in der ersten H├Ąlfte noch durchaus schief, so ist der vollkommen ├╝bertriebene Drama-Katastrophen-Part in der zweiten H├Ąlfte nicht nur v├Âllig unpassend zum gerade Gesehenen, sondern wurde zudem auch viel zu sehr in die L├Ąnge gezogen, ohne dabei aber wirklich etwas Glaubw├╝rdiges zu Stande zu bringen. Auch wenn die Umsetzung des Ganzen, aufgrund der wunderbar atmosph├Ąrisch wirkenden Kulissen, der tollen Auswahl der eingesetzten Farbfilter, sowie dem brachial guten Score, irgendwo noch durchgehend gefallen kann, so ist der Inhalt einfach nicht mehr wert, als ein paar gute Lacher und einem nett getricksten Monster, die aber durch den kn├╝ppeldicken Dramatikpart schnell wieder zu nichte gemacht werden. Einzeln h├Ątten vielleicht beide Filmh├Ąlften gut funktioniert, doch aneinander getacktert, wirkt das Ganze leider ziemlich kaputt. Schade eigentlich!

Wertung: 5/10 Punkte


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