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Host, The (2006)

Eine Kritik von (Bewertung des Films: 9 / 10)
eingetragen am 10.04.2007, seitdem 1555 Mal gelesen



Die Einleitung im Film basiert auf einer wahren Begebenheit. Im Februar 2000 wurden auf Anordnung des in einer US-Basis angestellten Bestatters Albert McFarland 120 Liter Formaldehyd in das Kanalisationssystem Seouls geschüttet, die dann ihren Weg in den Han-Fluss fand. Dies, schon an sich ein Skandal, löste noch mehr Proteste aus, als das US-Militär die Aushändigung McFarlands an ein koreanisches Gericht verweigerte. Die Bevölkerung war entrüstet über die Unfähigkeit des eigenen Staatsapparates, auf koreanischem Boden begangene Verbrechen zu verfolgen und zu verurteilen. Der Vorgang fand schließlich 2005 ein Ende, nachdem McFarland dann doch von einem koreanischem Gericht verurteilt wurde, wobei er jedoch nie eine Strafe verbüßen musste.

Nach „Barking dogs never bite“ und dem vorzüglichen „Memories of Murder“ wartete man gespannt auf den nächsten Streich des 37-jährigen Joon-ho Bong, und um es kurz zu machen: Das Warten hat sich gelohnt!

„The Host“ ist mit ca. 100 Mio. US-Dollar der erfolgreichste Film aller Zeiten in Korea und annähernd jeder 3. Koreaner hat diesen Film im Kino gesehen. Vieles an diesem Monsterfilm ist ungewöhnlich, ja teilweise seltsam, aber es fügen sich alle Elemente wunderbar zusammen und zurück bleibt das Gefühl, einen wahrlich tollen Film gesehen zu haben.

Ungewöhnlich, dass nicht mit der üblichen Erwartungshaltung des Zuschauers gespielt wird, wie wohl das Monster aussieht. Nein, nach nicht einmal 15 Minuten ist das Biest in voller Pracht zu bewundern. Der erste Auftritt der Kreatur bei Tageslicht und inmitten der Einführung in die Geschichte wirkt völlig surreal - und bedrohlicher, weil die Situation eigentlich so alltäglich ist. Ein cooler Einstieg!

Der große Unterschied gegenüber vielen B-Movies mit ähnlicher Geschichte liegt bei „The Host“ in der weiteren Entwicklung der Charaktere und der Vermischung vieler Genres. Es gibt keine strahlenden Helden oder Spezialeinheiten der Armee, die das Monster zur Strecke bringen wollen, sondern eine Familie, die am sozialen Rand der Gesellschaft steht und aus Verzweiflung das Schicksal selbst in die Hand nimmt. Die Charakterzeichnung ist sowieso gelungen. Kang-du als typischer Loser, der keine andere Wahl hat, als über seinen Schatten zu springen, wenn er seine Tochter retten will. Ebenso sein Bruder, der zwar von Kang-du wenig hält, sich aber nicht eingestehen kann, dass er trotz Studium ohne Arbeit gesellschaftlich nicht besser steht.

Überhaupt übt der Film auf zynische, unterschwellige Weise Kritik an Gesellschaft, System und Militär. Regisseur und Drehbuchschreiber Joon-ho Bong zeigt die Teilnahmslosigkeit und das Desinteresse des Staates gegenüber seinem Volk, ohne den gefürchteten moralischen Zeigefinger zu benutzen. Die über den gesamten Film eingestreuten schwarzhumorigen Einlagen sind etwas absurd, fügen sich aber nahtlos in den Genremix von Science-Fiction, Drama und Komödie mit sozialkritischer Tendenz ein. Dabei verliert der Regisseur nie den Überblick und die Spannung wird über die gesamte Laufzeit hoch gehalten.


ACHTUNG SPOILER:

Die Szene, wo der Großvater aufgrund eines Fehlers Kang-du’s stirbt, treibt einem die Tränen in die Augen. Ergreifend auch, dass das Mädchen, welches heldenhaft den ganzen Film über in der Höhle des Biestes ums Überleben kämpft, entgegen aller Monsterfilmregeln am Ende stirbt.

SPOILER ENDE.

Kang-du wird von einem meiner Lieblingsschauspieler Südkoreas verkörpert. Kang-ho Song, diesmal mit längst aus der Mode gekommenen blondgefärbten Strähnen, spielt wie immer sehr gut. Man hat sowieso manchmal das Gefühl, dass es in Südkorea nur eine Handvoll Schauspieler gibt. Es tauchen irgendwie immer nur die gleichen 30 bis 40 Leute in den Hauptrollen auf. So auch in „The Host“. Die gesamte restliche Familie, bestehend aus Hiebong Byeon ( „Crying Fist“, „Another Public Enemy“), Hae-il Park ( „Memories of Murder“ ), Du-na Bae ( „Sympathy for Mr.Vengeance“, „Ring Virus“ ) und Neuling Ah-sung Ko, liefert eine überzeugende Vorstellung ab und trägt den gesamten Film. Jeder von ihnen bekommt genug Screentime, um nicht als blasser Nebencharakter unterzugehen.

Aber letztendlich steht und fällt ein Monsterfilm mit seinen visuellen Tricks und da haben die Jungs der Effektschmiede „The Orphanage“ ( „Sin City“, „Hellboy“ ) ganze Arbeit geleistet. Das ursprüngliche Design der Kreatur stammt von WETA ( „Herr der Ringe“ ) aber nach Differenzen hat „The Orphanage“ die Arbeit an den Effekten übernommen. Das wie eine verunglückte Kaulquappe aussehende Vieh ist großartig animiert.

Lediglich in den Szenen mit dem brennendem Biest sieht man die digitale Herkunft aus dem Rechner. Das unbeholfene Gehen an Land und die flüssigen, schwingenden Bewegungen entlang der Brücken dagegen sehen sehr realistisch aus und lassen das Wesen weniger „überböse“ erscheinen.

Wer jedoch ein Actionspektakel wie „Aliens – Die Rückkehr“ oder eine Effekthascherei wie Emmerichs „Godzilla“ erwartet, liegt falsch. Wir haben es hier mit einem Monsterilm mit Grips zu tun, der auf mehreren Ebenen funktioniert und für mich zu einem der besten Filme 2006 zählt.

Einfach groĂźartiges Kino!


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