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Ozone (1995)

Eine Kritik von (Bewertung des Films: 8 / 10)
eingetragen am 27.02.2016, seitdem 252 Mal gelesen



"My best memory is just making it at all, and it was just... it was certainly the one movie out of any of the other movies that I've made, where I just did not give a rat's ass what anybody thought about what I was doing, I was just doing it for me, and that's it, that was my sole motivation."
J.R. Bookwalter in Paying for Your Past Sins: The Ozone Story (2003)

Mit seinem vielversprechenden Deb├╝tfilm The Dead Next Door (1989) ging der am 16. August 1966 in Akron, Ohio, geborene J.R. Bookwalter auf Nummer Sicher. Diese auf Super-8-Film gedrehte, stark vom Spirit der beliebten Dead-Reihe von George A. Romero gepr├Ągte Low-Budget-Zombie-Sause ist flott, blutig, unterhaltsam, bissig und sehr kurzweilig. Das kam gut an, zumal der Markt damals noch nicht ann├Ąhernd so mit wandelnden Leichen ├╝berschwemmt war wie er es heutzutage ist. Nach dem recht gelungenen Folgewerk Robot Ninja (1989) beging Bookwalter dann, wie er selbst zugibt, einen gro├čen Fehler. Anstatt weiter die Filme zu drehen, die ihm am Herzen lagen, lie├č er sich von der Gesellschaft Cinema Home Video als Auftragsfilmer anheuern und kurbelte (nebst diversen Produktionst├Ątigkeiten) f├╝r wenig Geld auf die Schnelle Zombie Cop (1991), Kingdom of the Vampire (1991), Maximum Impact (1992), Humanoids from Atlantis (1992) und Galaxy of the Dinosaurs (1992) f├╝r das lukrative Videothekengesch├Ąft runter. Als n├Ąchstes standen ein Blaxploitation-Flick und ein Western auf dem Programm, die er Back-to-Back drehen sollte, und da zog er schlie├člich desillusioniert die Rei├čleine. Stattdessen kehrte er nach Ohio zur├╝ck, nahm sich vor, ein "gutes", unterhaltsames No-Budget-Movie auf die Beine zu stellen und somit sich selbst (aber bestimmt auch allen anderen, die ihn bereits abgeschrieben hatten) zu beweisen, da├č er es immer noch drauf hat. Das zusammen mit David A. Wagner geschriebene Ergebnis hei├čt Ozone.

Ein Junkie (Jason Andrew Norton) holt sich bei seinem Dealer Sam DeBartolo (James L. Edwards) neuen Stoff, um seine Bed├╝rfnisse zu befriedigen. DeBartolo ├╝berreicht ihm die mit dem Wort Ozone beschriftete Ampulle mit einem schmierigen Grinsen und den Worten "This stuff will blow your mind". Er hat nicht zu viel versprochen, wie der S├╝chtige bald darauf feststellen wird. In seiner heruntergekommenen Bleibe pflanzt er sich in freudiger Erwartung auf die alte Couch, tr├Âpfelt den neuen Stoff auf einen dreckigen L├Âffel, erhitzt das pechschwarze Zeug, f├╝llt damit eine Spritze und injiziert es sich schlie├člich in seinen Arm. Die Wirkung l├Ą├čt nicht lange auf sich warten. Der Mann beginnt unkontrolliert zu zittern, sein K├Ârper verkrampft sich, die Haut wirft Blasen, Blutgef├Ą├če platzen auf, und letztendlich zerfetzt es ihm im wahrsten Sinne des Wortes den Sch├Ądel. Die beiden Polizisten Eddie Boone (James Black, Detention) und Mike Weitz (Tom Hoover) haben DeBartolo bereits im Visier, doch der Zugriff auf seinen Handlanger Richter (Bill Morrison) ger├Ąt zum Fiasko. Nicht nur gelingt es Richter, sich aus dem Staub zu machen, er schafft es vorher auch noch, Boone eine Dosis Ozone in den K├Ârper zu jagen. Au├čerdem wird Weitz beim Durchsuchen eines leerstehenden Wohnblocks von zombiehaften Junkies ├╝berw├Ąltig, schwer verletzt und verschleppt. Die Suche nach seinem verschwundenen Partner wird f├╝r Boone zu einer alptraumhaften Odyssee, die kein Ende zu nehmen scheint.

Welche filmbezogenen S├╝nden J.R. Bookwalter auch immer begangen haben mag, mit Ozone seien ihm alle verziehen. Ozone ist nicht nur mein absoluter Lieblingsfilm aus Bookwalters Oeuvre, er ist auch eines meiner liebsten Guilty Pleasures aus den 1990er-Jahren. Man merkt, da├č Bookwalter hier kr├Ąftig auf den Putz haute, ohne R├╝cksicht auf Verluste und ohne irgendwelche Kompromisse einzugehen. Ozone ist rohes, ambitioniertes, krudes, wildes, leidenschaftliches, pures Anti-Mainstream-Kino, vor dem man nur anerkennend den Hut ziehen kann. Was Bookwalter & Co hier f├╝r sage und schreibe 3.500 US$ (in Worten: dreitausendf├╝nfhundert amerikanische Dollar) auf Videofilm gebannt haben, ist einfach nur geil und f├╝r No-Budget-Verh├Ąltnisse ph├Ąnomenal gut gemacht. Die Kameraarbeit inklusive diverser Dolly-Kamerafahrten ist beeindruckend, der Schnitt ist gekonnt gesetzt, und Jens C. M├Âllers Soundtrack ist ebenfalls fantastisch. Der von Matthew Jason Walsh (Bloodletting) komponierte, saustarke Schlu├čsong Into the Black steht dem aber in Nichts nach. In den Bereichen Schauspiel, Actionchoreographie und Spezialeffekte mu├č man nat├╝rlich Abstriche in Kauf nehmen, obwohl sich das Ergebnis absolut sehen lassen kann. Mit seinen f├╝nfundsiebzig Minuten (ohne Abspann) hat Ozone auch exakt die richtige L├Ąnge, um seine schr├Ąge Geschichte ohne Durchh├Ąnger ├╝ber die Runden zu bringen. Und was f├╝r eine weirde, durchgeknallte Pulp-Horror-Story das ist! Gespickt mit zahlreichen Hommagen an popul├Ąre Horrorklassiker begleiten wir unseren schwarzen Helden durch ein alptraumhaftes Szenario, da├č immer bizarrere und bedrohlichere Formen annimmt.

Sieht man mal von Eddie Boones gr├Ą├člichen Tr├Ąumen bzw. Halluzinationen ab (in einer tollen Sequenz macht er z. B. den Schmelzmann!), so mu├č er sich st├Ąndig mit DeBartolos Anh├Ąngern herumschlagen, die einfach nicht tot bleiben wollen. Er landet in einer Arena im Untergrund, wo er einen Kampf auf Leben und Tod bestreiten mu├č, wohnt der Geburt eines schleimigen Mutantenbabys bei, und steht schlie├člich dem so fetten wie h├Ą├člichen und abartigen "Drug Lord" Auge in Auge gegen├╝ber, der - auf einem Stuhl thronend - im Hintergrund die F├Ąden zieht. Als "gut" w├╝rde ich diesen spottbilligen Body-Horror-Schocker zwar nicht bezeichnen, daf├╝r hat der Streifen zu viele Defizite in den Bereichen Drehbuch, Dramaturgie und Figurenzeichnung, aber er bietet genug irre Ideen, blutige und/oder schleimige Effekte und einen sperrigen Underground-Charme, um den abenteuerlustigen B-Movie-Aficionado nachhaltig zu verz├╝cken. Im Gegensatz zu den katastrophal getricksten Explosionen aus dem Computer sollten die drolligen Morphingsequenzen das Fanherz h├Âher schlagen lassen. Da├č manche Hommagen ├╝ber das Ziel hinausschie├čen (die "Cenobites") und es manchmal arg trashig zugeht (man achte auf den Parkplatz, wo beinahe eine Hektik herrscht wie in einer Gro├čstadt zur Rush Hour), tut dem Riesenspa├č, den der Film bereitet, keinen Abbruch. J.R. Bookwalter ist mit Ozone ein herzhaft-geiles St├╝ck Indie-Horrorkino gelungen, welches mit Engagement, Kreativit├Ąt, K├Ânnen und seiner rauhen Fuck-You-Attit├╝de seine Mikrobudget-Grenzen sowas von sprengt. Wie meinte DeBartolo so sch├Ân treffend? This stuff will blow your mind. Oh, ja, das tut es.


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