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Beim ersten Mal (2007)

Eine Kritik von (Bewertung des Films: 8 / 10)
eingetragen am 18.08.2007, seitdem 2275 Mal gelesen



Alison Scott (Katherine Heigl) ist ein klassisches Karrieregirl. Die hübsche Blondine ist voll engagiert, immer topp angezogen und ordnet alles ihrem Aufstieg beim Fernsehen unter, der gerade so richtig ins Rollen kommt. Soeben hat sie vom Management erfahren, dass sie ab sofort vor der Kamera stehen wird. Für Freunde oder gar eine Beziehung gibt es da natürlich keinen Platz und so trifft es sich gut, dass sie bei ihrer großen Schwester Debbie (Leslie Mann) in deren schicker Luxusvilla lebt, so dass sich die beiden attraktiven Blondinen auf zur angesagten Disco machen, wo sie vom Türsteher - natürlich ohne sich in der Schlange anstellen zu müssen - sofort reingelassen werden.

Ben (Seth Rogen) mußte sich natürlich in der Schlange anstellen, bevor er mit seinen Kumpels in die Disco kam, denn seine Vita verfügt über weniger strahlende Details. Der dickliche und etwas ungepflegte Kanadier hängt mit seinen Kifferkumpels in einer WG ab und beschäftigt sich vor allem damit, Filme anzusehen, um festzustellen, wann welche Schauspielerin nackte Tatsachen vorzeigt. Diese Informationen sammeln sie für eine Web-Side, mit der sie einmal groß rauskommen wollen.

Zufällig begegnen sich Ben und Alison an diesem Abend, finden sich sympathisch und verbringen schwer alkoholisiert eine Nacht miteinander. Am nächsten Morgen ist Alison die Sache äußerst peinlich, weswegen sie den armen Ben, der keinerlei Geheimnis um seine Situation macht, schnell beim gemeinsamen Frühstück allein lässt und auch keine Anstalten macht, diese Beziehung auszuweiten.

Bis sie beginnt die Abfalleimer im TV-Studio vollzukotzen und sich dem Fakt stellen muß, daß sie im zweiten Monat schwanger ist - ganz offensichtlich von Ben. Nach einigem Hin und Her entscheidet sie sich, Ben anzurufen und gesteht ihm ihren Zustand...

Wie kann man eine solche Konstellation umsetzen ?
Als alberne Komödie ? - Als ernsthaftes Drama ? - Oder als fast dokumentarische Beschreibung einer solchen Situation ?

Regisseur Judd Apatow, der bisher eher für irre Komödien bekannt war ("Ricky Bobby" ,"Jungfrau,40, männlich, sucht..."), entschied sich für alles zusammen und lag damit genau richtig. Denn in kaum einer menschlichen Situation liegt der alltägliche Irrsinn so nahe am Alltagsdrama. Das kann man schon in einer der ersten Szenen erkennen, als Alison ihre beiden kleinen Nichten zur Schule bringt. Deren Streitigkeiten und der Stress, den sie damit beim Fahrer erzeugen, ist völlig real, aber gleichzeitig komisch. Und als Alison sich entscheidet, dass Kind zu bekommen und mit Ben eine Beziehung zu versuchen, entsteht die Komik von selbst.

Alleine die fast dokumentarisch zu nennenden Erfahrungen, die die Beiden bei der Suche nach dem richtigen Gynäkologen machen, sind irre. Durch die extreme körperliche Nähe und das Vertrauen, dass in einer solchen Situation quasi in Sekunden aufgebaut werden muß, entstehen Momente, bei denen der Zuschauer genau weiß, wie unangenehm diese für die Protagonisten sind, aber gleichzeitig kann man sich der Komik nicht entziehen. Das ist auch dem Fakt zu verdanken, dass Apatow in seiner Inszenierung immer locker bleibt und jegliche Wertung oder moralische Zeigefinger vermeidet. Und das ist gar nicht so leicht bei einem Thema, dass normalerweise die wildesten Grabenkämpfe hervorbringt ,weil Jeder eine andere Meinung davon hat, welche die richtige Art ist ,zu gebären.

Apatow konzentriert sich mehr auf die menschlichen Seiten und ordnet unserem Liebespaar noch zwei weitere Ebenen hinzu - die Freunde von Ben und die Familie von Alisons Schwester Debbie. Während Bens Mitbewohner das hohe Lied des verantwortungsfreien Lebens singen und sich für keinen noch so flachen Witz und viele wunderbare Anspielungen zu schade sind, ist Schwester Debbie ein Kontrollfreak, die mit Perfektionsdrang ihre zwei kleinen Töchter und ihren Ehemann Pete (Paul Rudd) erzieht.

Auch hier gelingt die Symbiose aus albernem Witz und Alltagsirrsinn wieder sehr gut, die verdeutlicht, zu welch idiotischen Verhaltensweisen erwachsene Menschen greifen, um sich nur ein wenig eigenen Freiraum zu gönnen oder diesen zu verhindern. Apatow zeigt dabei auch immer wieder Einblicke in den amerikanischen Alltag, wie zum Beispiel die Interneteintragungen von Sexual-Straftätern oder die Beichte des Türstehers, die durchaus kritisch zu verstehen sind, aber er bleibt seinem insgesamt lockeren Stil treu und hat kein Interesse daran, solche Aspekte zu vertiefen.

Wie bei allen realistischen Themen teilt sich das Publikum in Menschen, die schon ähnliche Erfahrungen machten oder denen, die das Ganze bisher nur in der Theorie kennen. Genauso sind die vielen Anspielungen für Freaks, die von Bens Kumpels gemacht werden, auch nicht Jedermanns Sache. Aus der Sicht des Reszensenten kann nur soviel gesagt werden, dass er sich an keinen so unterhaltenden Film erinnert, der diese Situation des Kinderkriegens genauer in seiner Stimmung und auch in vielen Details erfasst hätte. Gerade auch die manchmal merkwürdigen Schreianfälle, Überreaktionen oder euphorischen Anfälle sind in ihrer Art nahezu dokumentarisch, können aber auf den unbedarften Betrachter ein unrealistisches oder auch kitschiges Bild abgeben.

Das bedeutet keineswegs, dass der Film diese Selbsterfahrung voraussetzt, denn dafür bemüht er sich viel zu sehr, auch die negativen Aspekte und Abhängigkeiten aufzuzeigen, so dass "Beim ersten Mal" keineswegs als Plädoyer dafür zu verstehen ist, unbedingt Kinder für sein persönliches Glück zu benötigen. Man kann das Kino nach diesem Film auch durchaus mit einem Aufatmen darüber verlassen, dass der Kelch an Einem (bisher) vorüber gegangen ist. Amüsant und abwechslungsreich bleibt "Beim ersten Mal" für sämtliche Sichtweisen...

Regisseur Judd Apatow erkauft diesen Eindruck allerdings dadurch, dass er insgesamt wenig konkret wird. So lässt er keinen wichtigen Aspekt aus, wodurch sich auch die lange Laufzeit begründet, aber belässt es meist dabei, die Probleme anzureissen. Echte Lösungsvorschläge, alternative Lebensformen oder zu Ende gedachte Konflikte werden hier nicht angeboten, denn dafür konzentriert sich Apatow zu sehr auf die komischen Aspekte des Lebens - egal ob gewollt oder ungewollt. Sein Stil bleibt über die gesamte Laufzeit konsequent und man kann dem Film getrost eine gewisse Oberflächlichkeit vorwerfen, aber ich bin ihm dankbar dafür, denn ich weiß, dass man bei diesem Thema, wenn man es nur ein wenig ernster betrachtet, sofort auf die Ideologieschiene abdriftet.

Fazit : Amüsanter Film über das unfreiwillige Kinderkriegen, dem es gelingt realistische Aspekte zu zeigen und dabei trotzdem locker und ohne moralischen Zeigefinger zu bleiben.

Dabei entsteht der Humor immer aus der Inszenierung heraus und ist eine sehr schöne Mischung aus freakigem Witz und unfreiwillig komischen Alltagssituationen. "Beim ersten Mal" ist auf Grund einer - trotz vorhandener Ernsthaftigkeit - fehlenden Tiefe nicht unbedingt innovativ, aber nichtdestotrotz für einen vergnüglichen Abend zu empfehlen (8/10).


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