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Dragon Lord (1982)

Eine Kritik von (Bewertung des Films: 5 / 10)
eingetragen am 10.12.2005, seitdem 640 Mal gelesen



Jackie Chans dritte Regiearbeit wurde 1983 mit dem Hong Kong Filmaward für die beste Actionchoreografie ausgezeichnet. Das mag auch mit einem wunderlichen Rekord zusammenhängen, der den Perfektionismus Chans unter Beweis stellt: Eine gerade mal 2 Sekunden lange Szene beanspruchte volle 1600 Takes, womit Chan den eigenen Rekord aus der Fächerszene des “Dragon Lord”-Prequels “Meister aller Klassen” schlug. Nur ist diese Choreografie - und selbst sie ist eher Geschmackssache - der einzige wirklich überragende Aspekt, mit dem sich “Dragon Lord” rühmen kann. Als Geschichtenerzähler bleibt Jackie Chan zumindest hier noch ein Schüler, der grün hinter den Ohren ist.

Das über weite Strecken als Buddy-Movie (Jackie Chan als “Dragon”, Mars als “Cowboy”) aufgezogene Werk beginnt wahrlich spektakulär mit einer Szene, der sich scheinbar auch Panom Yeerums Durchbruch “Ong-Bak” bedient hat; Vier Mannschaften mit Dutzenden von Mitspielern, darunter auch Chan, versuchen, eine Pyramide zu erklimmen, um ein auf der Spitze liegendes goldenes Ei zu erhaschen und es in einen Sack mit den Teamfarben zu stecken. Dem Massenauflauf hält das Gerüst aus Bambusstöcken und Leinentüchern nicht stand; die Pyramide bricht einschließlich der vielen Mitspieler zusammen. Es folgt ein aggressiver Kampf auf dem staubigen Boden, der einem Footballspiel gleicht, bis es dem Team von Dragon schlussendlich gelingt, das Ei einzusacken.

Schon diese ersten Minuten zeigen, was man actiontechnisch im Folgenden zu erwarten hat. Stunts stehen den Martial Arts voran, trockene Härte und Realismus sind die höchsten Prioritäten und verleihen einen Kontrast zu der poetischen Leichtigkeit und Schönheit einer Choreografie, wie sie jüngst seit “Tiger & Dragon” wieder angestrebt wurde. Die spektakulärsten Szenen des Films sind folgerichtig nur zu einem Drittel Martial Arts in Kampfchoreografien zwischen zwei oder mehr Personen; das Gros der Action liegt auf zwei verwinkelten Massenszenen, einmal der angesprochenen Einleitungssequenz und zu anderem vielleicht dem choreografischen Höhepunkt des Films. Die Rede ist von einem so genannten Footbag- oder Hacky-Sack-Spiel, bei dem ein kleines Säckchen ohne Hilfe der Hände und Arme hochgehalten und versucht werden muss, es in das gegnerische Tor zu bugsieren. Dramaturgisch eher plump und auf dem Niveau der japanischen Kindertrickserie “Kickers”, versteckt Chan in dem scheinbar undurchdringlichen Gewühl der Teams immer wieder kleine, feine und höchst raffinierte Tricks, die mit einer solchen Leichtigkeit dargestellt werden, dass man am liebsten gleich selbst mitspielen möchte - da die 1600-Takes-Szene jedoch diesem Footbag-Spiel entstammt, darf man davon ausgehen, dass hinter diesem herrlich anzusehenden Spiel eine Menge Arbeit steckte.

Über weite Strecken jedoch bleibt “Dragon Lord” sehr bodenständig und verzichtet auf akrobatische Künste der Schauspieler, um sie im komödiantischen Rahmen schauspielern zu lassen. Es gibt zwei Rahmenhandlungen, die sich gegen Ende verstricken sollen. Da wären zunächst die Abenteuer von Dragon und Cowboy, zweien Jungspunden, die scheinbar nichts besseres zu tun haben, als den ganzen Tag durchs Dorf zu traben und sich um eine Frau zu streiten. Eingeflochten wird genretypisch ein Vater-Sohn-Konflikt, der darauf basiert, dass unser Dragon ein unartiger Junge ist, der keine Lust hat, die von seinem Vater gepredigten Geschichten zu lernen - typischerweise scheinen hier wieder Generationenkonflikte durch in Bezug darauf, dass die Jugend nicht mehr dazu bereit ist, sich mit der Tradition der eigenen Kultur auseinanderzusetzen; was die Filmhandlung betrifft, hat dieser Handlungsstrang, in dem sich übrigens auch die meisten nicht deutsch synchronisierten Stellen befinden, jedoch keine weitere Bedeutung, weshalb man kritisch über seinen Sinn nachdenken muss.
Chan wirkt in seinem Auftritten noch unausgelernt und dehnbar, während er von teilweise souveräneren und teilweise dilettantischeren Akteuren umrundet wird. Sein Buddy-Partner, gespielt von Mars, beherrscht zumindest das klassische Overacting, bei dessen Darstellung ihm auch sein eckiges Gesicht eine Hilfe ist; eine Meute von keifenden Weibern komplettiert die Garde und ist darauf bedacht, die frechen Strolche, die um sie werben, mit Eiern und Tomaten zu bewerfen.

Offenbar hat sich Chan die Geschichte so gedacht, dass der eigentlich wichtige Plot um den Diebstahl von Dynastieschätzen wie ein Donnerschlag in dieses Allerwelts-Dorftreiben einschlägt und es abrupt unterbricht - doch das Vorhaben will nicht gelingen. Zu isoliert bleiben die Handlungsstränge voneinander, zu sehr erzählt Chan die duale Story nebeneinander. Beinahe zufällig werden Dragon und Cowboy in die Diebstahlsache einbezogen, so dass von interdisziplinärer Verstrickung nicht wirklich die Rede sein kann.

Das wiederum stuntlastige Finale beendet alle Versuche, eine stimmige Geschichte zu erzählen, versöhnlich. Eine Scheune dient als Austragungsort des Duells, in dessen Verlauf bildlich gesprochen mächtig viele Knochen zu Bruch gehen. Anstatt jedoch ein Konzentrat von ausbalancierten choreografischen Schritten zu erstellen, werden immer wieder auch Sequenzen eingesetzt, die weniger auf das Spiel zwischen Angriff und Konter bedacht sind, sondern vielmehr auf zunächst plump wirkende Stunts. Dies ist auch mit Geschmackssache gemeint, denn die Akteure fallen teilweise sehr tief ohne Schutzvorrichtungen, sie klammern sich wie Wrestler aneinander und zerbrechen mit ihrer Körpermasse Holzbalken - nicht unbedingt das, was die Bezeichnung “Martial Arts” suggeriert. Tatsächlich ist das Finale in seiner Darstellung jedoch aller Ehren wert, und es ist erfrischend, in einem Eastern mal ein leicht abweichendes Konzept zu finden.

Für das Prädikat “gut” fehlt jedoch ganz einfach eine fesselnde Geschichte oder zumindest ein adäquater Ersatz für eine solche. Ein Großteil der abgedrehten Szenen ist für den Handlungsverlauf einfach nicht zwingend notwendig - ein Punkt, der in den Actionszenen - von denen es drei Kernpunkte und einige kleinere Sequenzen gibt - nicht von Bedeutung sein mag; wenn man sich aber auf reine Comedy verlässt, schon. Und davon gibt es zu viel, um sie schlichtweg “im Freien” agieren zu lassen.


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