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Dead Bang - Kurzer Prozeß (1989)

Eine Kritik von (Bewertung des Films: 7 / 10)
eingetragen am 22.10.2006, seitdem 1289 Mal gelesen



Während sich das Ende von „Miami Vice“ längst andeutete beziehungsweise beschlossene Sache war, versuchten sich Don Johnson („Born Yesterday“, „Tin Cup“) und Partner Philip Michael Thomas („Black Fist“, „Miami Shakedown“) neu zu orientieren, was beiden bekanntlich nie gelang. Thomas fasste nie wieder Fuß und Johnson konnte lediglich viele Jahre später mit „Nash Bridges“, in vielen Belangen schon eine Parodie auf sein Image, noch einmal überzeugen.
Sich von Sonny Crockett frei zu strampeln, gelingt ihm hier auch nur halbwegs, aber immerhin kann ein Routinier wie John Frankenheimer („French Connection II“, „Ronin“) mit erstklassigen Actionszenen und etwas Humor selbst die konventionellste Geschichte noch attraktiv verpacken.

Johnsons Jerry Beck weist nicht nur viele Parallelen zu Sonny Crockett auf, sondern verfügt gleichzeitig noch über die wichtigsten Attribute eines ausgebrannten Großstadtcops (vornehmlich in L.A.), wie sie der amerikanischen Actionthriller in den Achtzigern zumeist hervorbrachte.
Von seiner Frau lebt er getrennt, seine Kinder darf er nur sehen wenn der Richter es erlaubt. Zudem hängt er an der Flasche, lebt von Fastfood, flucht nach Kräften und wohnt in einer heruntergekommenen Bude am Flughafen. Aufgrund seines zertrümmerten Privatlebens stürzt er sich an Weihnachten obsessiv in einen doppelten Mordfall, bei dem auch ein Polizist ums Leben kam. Sein fehlendes Taktgefühl an Tatorten bringt ihm dann auch Beschwerden seiner Kollegen ein und auch sein Vorgesetzter ist nicht gut auf ihn zu sprechen, weiß allerdings was Beck leistet und lässt ihn gewähren. Selbst die Entführung eines Bewährungshelfers rechtfertigt er vorbehaltlos als Mittel zum Zweck.

Don Johnson strengt sich sichtlich an diesem Idealtypus zu entsprechen und hat alsbald die Lacher auf seiner Seite, wenn er nach einer Verfolgungsjagd per pedes den Verdächtigen erschöpft vollkotzt oder auf seiner unkonventionelle Weise den Polizeipsychiater von seiner Diensttauglichkeit überzeugen muss.
Sein persönliches Drama bleibt hingegen eine Fassade, die seinen Zustand ein wenig fundiert, aber nicht in sein Innerstes vordringt. Weder seiner zerrütteten Familiensituation noch dem One-Night-Stand mit Linda Kimble (Penelope Ann Miller, „Carlito's Way“, „The Relic“) wird mehr Zeit als nötig gewidmet. Eine plastische Figur wird dieser somit Jerry Beck nicht, aber das war wohl auch nie Frankenheimers Intention.

Denn der konzentriert sich einmal wieder auf das, was er am besten kann. Obwohl er insbesondere mit „French Connection II“ und „Ronin“ früher wie später aufzeigte, zu was für grandiosen Inszenierungen er eigentlich fähig ist, garantiert er hier zumindest für stete Spannung mit guten Actioneinlagen, in denen Beck unaufhaltsam seinen Ungepflogenheiten freien Lauf lässt, indem er jenseits seines Kompetenzbereichs Jagd auf eine straff durchorganisierte Nazi-Brut macht, die bis zu einer eigenen Religion so richtig verbrämt ihrem arischen Gedankengut frönt.

So eine rechtsradikale, schwerst bewaffnete Gegenpartei zieht natürlich vorzüglich als Reizobjekt. Beck lässt sich auch die Butter vom Brot nehmen und erklärt die Angelegenheit schnell zu einer persönlichen Sache. Also jagt er erst den Doppelmörder und dann seine Bande quer durch die Staaten, bis im nach und nach die Lichter aufgehen, was für eine riesige Organisation mitten in Amerika unbehelligt ihr Unwesen treibt.

Vom heißen Kalifornien geht es mit wirklich tollen Shootouts bis ins kühle Oklahoma, denn diese Gang hat allerhand gröbstes Gerät im Gepäck und weiß damit umzugehen, wohingegen die lokale Polizei nicht über Revolver oder Shotguns hinauskommt, was dann zu einseitigen Ergebnissen führt, aber Beck nicht von seinem Vorhaben abbringt. Blutige Schießereien, allerhand Tote, Explosionen und verbrannte Erde hinterlassen die regelmäßigen Konfrontationen genauso wie Blechschaden. Frankenheimer arbeitete auf diesem Terrain zwar schon versierter, aber den Actionfan werden diese Sequenzen allemal begeistern. Vor allem das Finale unter Tage in einem Stollensystem schaut wirklich klasse aus, auch wenn der eigentlich überflüssige Schlusstwist zum Schluss noch eine Überraschung erzwingen möchte, die der Film im Grunde gar nicht nötig hat.

Ganz witzig ist in dieser Beziehung übrigens William Forsythe („Extreme Prejudice“, „Firestorm“), der ganz ungewohnt und seriös den FBI-Agenten Arthur Kressler spielt. Nur halbwegs mit dem Vorgehen des dickschädeligen Cops einverstanden, hält er ihm den Rücken frei, lässt ihn aber auch die Drecksarbeit machen und zeigt sich von dem abgewrackten, unflätigen Gesetzeshüter regelmäßig angewidert. Das Drehbuch hätte mit den beiden gegensätzlichen Typen eigentlich mehr spielen müssen, lässt aber alle Chancen verstreichen, was etwas schade ist.

Nichtsdestotrotz schaut er immer in den richtigen Momenten vorbei, um kleinere Plotschwächen zu überbrücken und Beck den entscheidenden Schubs zu geben, damit er wieder in die richtige Bahn zurückfindet. Denn seine Gegner sind nicht gerade zimperlich und haben überall Freunde. Von denen geht auch stets eine gewisse Faszination aus, weil man zumindest in unseren Breitengeraden schon staunt, was diese Gemeinschaft ohne behelligt zu werden auf die Beine stellen kann.

Dem Freund altmodischer Actionfilme wird diese soweit effektive Anwendung bekannter Genremotive jedenfalls munden. „Dead Bang“ erfindet den Actionthriller sicherlich nicht neu, aber er macht aufgrund seiner simplen Art Spaß. Vor allem Don Johnson reserviert sich ein paar ganz herrliche Momente, die allein schon ein Grund sind, sich diesen Streifen zumindest einmal anzuschauen.


Fazit:
Obwohl ich seine raue Bildsprache vermisse, liefert John Frankenheimer auch mit „Dead Bang“ wieder einen unterhaltsamen Actionthriller ab, der innerhalb seines Genres sicherlich keinen besonderen Stellenwert genießt, jedoch alles Wichtige beinhaltet, was einen guten Actionthriller der alten Schule ausmacht. Der Gute entpuppt sich als selbstzerstörerischer Cop ohne Aussicht auf Besserung, seine Gegner könnten als rassistische Nazi-Plage kaum besser gewählt werden und als Zuckerguss gibt es neben dosierten Humor auch noch gute Actioneinlagen. Letztlich fehlen nur der Feinschliff, ein wenig Drive und mehr versierte Momente Frankenheimers. Doch mit der ohne großartige Umwege erzählten Story und dem abgewrackten Don Johnson in tollen Szenen macht „Dead Bang“ angenehm viel Spaß. Wer sich in diesem Genre heimisch fühlt, der wird auch hier auf seinen Kosten kommen. Ein paar ins Nichts führende Dialoge und Handlungsstränge fallen somit auch nur passionierten Erbsenzählern weiter auf. Old school and I love it.


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