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Dead Bang - Kurzer Prozeß (1989)

Eine Kritik von (Bewertung des Films: 5 / 10)
eingetragen am 07.01.2010, seitdem 616 Mal gelesen



Ein Blick zurück in die auslaufenden 80er Jahre:
Die Erfolgs-TV-Serie "Miami Vice" verliert langsam aber sicher enorm an Zuschauerzahlen und ist im Begriff sich statisch tot zu laufen und die Darsteller, die Ikonen geworden sind, suchen nach neuen Herausforderungen oder, noch besser, überhaupt nach Jobs in denen sie sich profilieren können.
Don Johnson macht den ersten Schritt und man kann richtiggehend erahnen, wie er in der Story um den reellen Cop Jerry Beck, der auch die Story zu "Dead Bang" lieferte, eine gewisse Charakterrolle sah, die man mit mehr Tiefe und Leben erfüllen konnte, ohne die Fans gleich komplett vor den Kopf zu stoßen, denn schlußendlich ist es die einsame Jagd eines Polizisten auf eine Gruppe von Neonazi-Verschwörern mitten in Amerika.
Auf dem Regiestuhl der Altmeister John Frankenheimer, der in dem Genre bereits wunderbare Charakterstudien inszeniert hatte, sei es nun in "French Connection 2", "Seconds", "I walk the Line" oder dem Martial-Arts-Drama "The Challenge". Man hatte ein ganz heißes Eisen in den Händen und Johnson eine sichtliche Möglichkeit zum Absprung in Richtung Hollywood.

Das Ergebnis war, zwei Jahrzehnte rückwirkend betrachtet, ernüchternd - und trug auch nicht unbedingt zum Erfolg des Films bei, der mehr als mäßig ausfiel. Da hilft auch kein Don Johnson, im Ledermantel mit Pumpgun posierend, denn der eher rohe Chic der Werbung kommt im Film leider so gut wie nie rüber.
Die Erfolgsstory Jerry Becks ist nämlich im Wesentlichen eine sehr Menschliche: die des eigentlich hervorragenden, aber wegen seiner jobaffinen Kompromisslosigkeit bezüglich sämtlicher Institutionen gescheiterten Cops, der gegen alle Widerstände ermittelt. Doch wo Typen wie Eastwoods Harry Callahan sich gegen den Staatsapparat brachial durchsetzten und der Zweck die Mittel letztendlich zynisch heiligte, hat man bei "Dead Bang" das Gefühl, einer fernsehkompatiblen Soap Opera beizuwohnen.

Der Beginn, mit dem rassistisch motivierten Angriff auf einen Ladenbesitzer und dem Mord an einem Polizisten, ist noch ganz stimmig, doch dann tritt Johnson auf und alles andere in den Hintergrund. Von nun an reibt sich unser Held an den alltäglichen bis polizeilich klischeehaften Problemchen auf, mit denen diese Filme nun mal gespickt sind: eine gescheiterte Ehe; die Kinder, die man zu selten sieht; die Weihnachtspause, die er einfach durcharbeitet. In dieser hadert er dann mit einem unwilligen Bewährungshelfer, mischt mäßig ein paar Rocker auf und blockt sich fortan den Weg für die Spurensuche frei, die ihn immer weiter in die Tiefen des amerikanischen Kontinents führt, ohne Rücksicht auf sich oder die damit verbundenen Verluste.
Wenn das nun annähernd aufregend ausfallen würde, schlüge man sich gern auf seine Seite, aber das hier ist eher ein Sonny Crockett der ersten Vice-Staffel, als er noch verheiratet war und so etwas wie ein Privatleben hatte. Dazu sind die Widrigkeiten des Lebens auch nur bedingt kinotauglich. In Oklahoma mangelt es ihm an einem Mantel; ein eingeschalteter FBI-Agent erweist sich als bibeltreuer Pedant und schließlich landet er bei einem Woody Allen ähnelnden Psychiater, bei dem er er sich verscherzt, weil er, und das ist wirklich keine dolle Pointe, wie Woody Allen aussieht und Beck zum Lachen reizt.

All das hält den Film nur auf, während man die Nazi-Verschwörung stets aus dem Fokus zu verlieren droht - auch wirken Freikirchen, die der arischen Ideologie huldigen heute kaum noch so spektakulär, wie es im Film dargestellt werden soll, doch Frankenheimer, schon längst nicht mehr in sonderlicher Regieform, macht auch kaum etwas aus dem kontroversen Thema.
Erst ganz zum Schluß kommt so etwas wie Stimmung auf, wenn Beck am Versammlungsort schließlich den Mörder vom Beginn ausfindig macht und man eine Pointe geboten bekommt, die man sich übrigens dank der Synchronstimmen schon vor anderthalb Stunden hätte denken können und die nur durch einige Schußwechsel aufgelockert werden, die aber keineswegs sonderlich spektakulär sind.
Darüber hinaus wirkt ein Neonazinest, das man mit einer rein farbigen Polizeitruppe aushebt, auch nur mehr wie ein breitgesessenes Klischee. Und das die Lorbeeren andere einsacken, ist bei diesem pflichtersoffenen Verlierer mit Marke auch nur folgerichtig, nicht mal interessant.

So bemüht alles wirkt, der Film ist in seinen Kernelementen immer eine Spur zu bieder, die Gegner zu klein, der Komplikationen zu gewollt, die Nebenfiguren immer hart an einer Parodie, aber das Versagen ist dann doch der Verdienst der Hauptfigur, die zwar gemeinhin sympathisch gespielt wird, die aber nur wenig Durchsetzungskraft an den Tag legt. Johnson spielt gut, beachtlich sogar, aber das Drehbuch läßt ihn mit zu vielen belanglosen Streckszenen und zu wenig Plot allein und so hangelt er sich durch eine Liebesszene, ein paar Fettnäpfchen und diverse verlorene Kleingefechte, bricht aber nie richtig aus. Realistisch im Wesentlichen, aber für das Kino eine Nummer zu klein und schon gar nicht das, was der deutsche Titelzusatz an selbstjustiziären Vigilantentum uns glauben machen will.
Der Bulle ist hier meistens Mensch, aber für solche Dinge verlangt es nach noch mehr individueller charakterlicher Tiefe und einem komprimierteren Plot, der hier dargestellte Feldzug hat einfach zu wenig Ecken und Kanten - ein guter Charakter für das Fernsehen, doch gerade das wollte Johnson vermutlich hiermit umgehen. (5/10)


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