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13 Geister (2001)

Eine Kritik von (Bewertung des Films: 3 / 10)
eingetragen am 01.03.2006, seitdem 1897 Mal gelesen



Bevor Steve Beck mit "Ghost Ship" einen nicht nur durch seine genialen Spezialeffekte beeindruckenden und angemessen düsteren Horrorfilm schuf, drehte er unter anderem "13 Ghosts", einen Film, der ein sehr leidiges Genre bedient: Den Nerv-Horror. Dieses Genre versucht den Zuschauer durch schnelle Schnitte, ständige Verfolgungsjagden, schrilles Geschrei, aufdringlich eingesetzte Geräuscheffekte und ähnliches mehr fertigzumachen, statt ihn mit gruseliger Atmosphäre und intensivem Spannungsaufbau zu fesseln. Manche Leute scheinen ersteres zu mögen, ich bevorzuge eher letztere Art von Filmen und war daher mit Steve Becks Werk nicht allzu gut bedient.
Es gibt mehrere Faktoren an diesem Film, die ihn einem versauen können. Zunächst mal die Figuren: Da haben wir den undurchschaubaren Onkel, der tote Seelen einfängt. Warum, weiß man zunächst nicht. Aber durch die unübersehbare Parallele zum alten "Ghostbusters"-Klamauk hält man seine Taten erst mal für gut. Jedenfalls gibt er am Anfang des Films effektvoll den Löffel ab, um am Ende eine unerklärte Wiederkunft zu feiern. Dann die mit ihm verwandte Familie mit dem alleinerziehenden Vater, der schnittigen Tochter und dem Bengel von Sohn, der nur Unsinn im Kopf hat. Dazu wird noch die humorige afroamerikanische Haushälterin geliefert. GÄHN, das hatten wir ja noch nie. Dann noch zwei übereifrige Geisterjäger, und los kann's gehen. Nun zu den Schauspielern. F. Murray Abraham gibt hier mal nicht den Salieri, obwohl andere Figuren einem hier schon ein wenig den Eindruck vermitteln, daß der Film was mit "Salieri" zu tun hat. Könnt ihr mir folgen? Wenn nicht, auch egal. Der Heile-Familien-Vater und Witwer mit dem dämlichen Rollennamen "Arthur Kriticos" ist schon mal ein gutes Beispiel dafür, weil er von seiner schwitzigen Erscheinung her viel eher an einen schmierigen Mafioso aus einer italienischen - äh, Erwachsenenproduktion als an einen Heile-Familien-Vater erinnert. Shannon Elizabeth vermag durch ihren unbestreitbaren Schauwert, der hier jedoch unverantwortlicherweise kaum ausgewertet wird, den Film ein wenig ansehbarer zu machen, aber viel richtet sie nicht aus. Nun aber zum Sohnemann. Also der geht ja wohl gar nicht. Da habe ich mir ja noch lieber die kleine Kröte aus "Die Rückkehr der Zombies" angeschaut, das Monster hatte wenigstens noch was. Aber der hier präsentierte Hosenmatz sieht aus wie aus einem Karstadt-Kindermodenkatalog entsprungen, nur noch deutlich schlimmer. Von der hochaufgerichteten Haarwolle bis zur Korallenkette stimmt einfach alles, und fertig ist der 10-jährige Nachwuchszuhälter. Seine Lautäußerungen erschöpfen sich im wesentlichen in "WOOOW", "COOOOOL" (erste Hälfte des Films) und "DADDY, HILFE!" (zweite Hälfte des Films. Bah, was für eine ungenießbare Familie, deren kitschige kleine Idylle einem natürlich in typisch amerikanischer Schmalz-Manier um die Ohren geschlagen wird, bis alles klebt. Eigentlich geht es im ganzen Film hauptsächlich darum, daß die Porno-Family bloß nicht noch eines weiteren nervigen Mitglieds beraubt wird. Mutti wurde nämlich bei einem Brand "abgefackelt", wie Sohnemann zu verkünden weiß. Leider gibt es für die Äußerung keine Tracht Prügel. Die arme schwarze Haushälterin muß natürlich als "Comic Relief" herhalten, wobei die ihr ins Drehbuch geschriebenen Flachwitze alles andere als komisch sind, sondern sich hauptsächlich damit befassen, daß sie nach bestandenem Geister-Abenteuer entweder Gehaltserhöhung verlangen oder kündigen wird. Haha, ich brech ab vor Lachen. Auch die Geisterjäger inklusive des einen Spinners aus "Scream" tragen mit hysterischem Geschrei zum Nerv-Faktor der ganzen Posse ihr erhebliches Scherflein bei. Komplettiert wird der Reigen von einem Dutzend aus Latex zusammengeklebter Geister, da haben wir z. B. den Silikon-Geist, den Alete-Geist und sogar die Afro-Variante von Pinhead. Gruselig sind die nicht gerade, können aber wohl für das eine oder andere verhaltene Glucksen sorgen.
Akustisch ist der Film leider alles andere als ein Vergnügen, da ständig hysterisch herumgeschrien wird. In den Kreischpausen sind dann lächerlich verfremdete Geisterstimmen zu hören, oder auch schlechte Musik. Nicht mal mit Hip-Hop (naja, der Sohn hört das bestimmt) wird man hier verschont.
Die Optik des ganzen Films ist auch abgesehen von den größtenteils unsympathischen Schauspielern sehr durchwachsen. Das Geisterhaus besteht aus häßlichen Metall-Glas-Konstruktionen, in denen fette Kabelballen traurig von der Decke baumeln. In seinem Zentrum befindet sich ein schlecht animiertes CGI-Räderwerk nebst einigen scharfkantigen Reifen, die bei Aktivierung fies aus dem Boden hervorschnellen. Vorsicht, es besteht die Gefahr eines "Pit-and-the-Pendulum"-Effekts. Wenn man die ziellos, aber stets schlechtgelaunt allüberall herumschlurfenden Geister sehen will, muß man eine ultraheiße Brille aufsetzen, wie sie der eine oder andere vielleicht aus dem Chemieunterricht kennt. Diese Dinger schaffen es doch tatsächlich, Papi und Sohnemann noch idiotischer aussehen zu lassen, als sie es so schon tun, na bravo.
Fehlt nur noch der ultraböse Zauber, der in lächerlichstes Pseudolatein ("ocularis infernum", alles klar...) gekleidet und irgendwie durch die mit allem möglichen beschriebenen Glaswände illustriert sowie von dem wundersamerweise wieder auferstandenen F. M. Abraham in Richtung der Vollendung gebracht wird. Ob es tatsächlich klappt, verrate ich mal nicht, um die Spannung - GÄÄÄHN - nicht zunichte zu machen. Werden die bösen Gummigeister Papis Familie was zuleide tun? Vielleicht könnt ihr euch die Antwort denken.
Kommen wir zum einzig positiven Aspekt des Films, den wenigen, aber dafür sehr gelungenen Blutigkeiten. Besonders eine Szene gibt es, den man als Bewunderer guter Spezialeffekte eigentlich fast gesehen haben muß. Aber dazu an dieser Stelle nicht mehr. Sie kommt jedenfalls so früh, daß man bis zu den nächsten guten Szenen, die ziemlich am Schluß sind, das eine oder andere erledigen kann. Zum Beispiel die Katze füttern. Oder Freunde anrufen. Oder aus dem Fenster schauen. Aber für diese Zeit besser den Ton abdrehen. Der nervt nämlich.


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