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13 Geister (2001)

Eine Kritik von (Bewertung des Films: 4 / 10)
eingetragen am 01.02.2002, seitdem 1111 Mal gelesen



Nein, besser als der erste Streich der Dark-Castle-Produktionen zu Halloween ("House on Haunted Hill"), ist der Nachfolger "13 Geister" definitiv nicht. Allerdings ist er auch nicht bodenlos schlecht. Tatsache ist aber, da√ü man bei Ansicht st√§ndig das Gef√ľhl hat, da√ü hier eine gro√üe Chance schn√∂de verschenkt wurde.

Offensichtlichste Minuspunkte: Drehbuch, Schnitt und Regie! Ebenfalls oft unpassend: die Schauspieler.
Dabei verspricht die Pr√§misse so einiges: ein monstr√∂ses Haus wie ein Uhrwerk gebaut, ein Dutzend gefangene mordl√ľsterne Geister und ein spezieller Plan rund um eine Erbschaft, der dahinter steckt.
Doch von Anfang an verfängt sich das Skript metertief in Konventionen und Klischees, wenn es nicht gerade an logischen Fehlern festklebt. Die Startsequenz auf dem Schrottplatz ist dabei schon amateurhaft genug. Wäre ein Fest gewesen, wenn man das Einfangen eines Geistes mehr oder weniger stumm zum Mitraten bekommen hätte, doch hier wird einem mehrfach alles erzählt, was man sich eh denken kann oder gleich darauf sehen wird. Bei der Gelegenheit treffen auch alle Schwächen zusammen. Die Kamera wirbelt, der Schnitt arbeitet hektisch und wenn wir Details wollen, sind die gerade nicht da. Dazu ein dämonischer F.Murray Abraham (erfreuliche Ausnahme vom Schauspielereinerlei) und ein hemmungslos chargierender und endlos grimassierender Matthew Lillard ("Scream"), der sich um Kopf und Kragen redet und jegliche Atmosphäre flöten gehen läßt.
Tendenz also: simpel, grell und laut.

Alsdann f√ľhrt uns das Drehbuch an unsere lieben Hauptdarsteller. Ein sch√∂ner Kameraschwenktrick macht einen R√ľckblick unn√∂tig, doch bei allen guten Ideen, sind die akustischen R√ľckblenden bereits so kitschig, da√ü man Mom geradezu sehnlich aus dem Totenreich zur√ľckerwartet, auf das das nicht der End-Gag ist (ist er nicht!). Die Familie ist sozial ein wenig heruntergekommen, kann sich aber immer noch eine schwarze Haushaltshilfe leisten (?), die aber mehr als fr√∂hliche Rap-Schickse daherkommt (??), nicht mal kochen kann (???) und von Hausarbeit wohl auch nicht so viel h√§lt, wie ein Rundblick im trauten Heim verr√§t. Die Familie an sich ist so gut und so porentiefrein, da√ü davon keiner sterben kann - das w√§re so s√ľ√ülich, das k√∂nnte keiner vertragen.

Eine Erbschaft bringt uns dann bald an den Ort des Geschehens, das d√ľstere Haus, in dem die Geister eingesperrt sind und nach einem perfiden Plan freigelassen werden. Dramaturgisch ist das schlapp gemacht, denn gewisse Plotwendungen sind leicht vorhersehbar und es gibt auch zu wenig Leute im Haus, die als potentielle Opfer herhalten k√∂nnten. Unser liebe Familie mit Weichsp√ľldaddy, Herzallerliebstt√∂chterlein, dem kleinen Bratzen und der Quotenschwarzen k√∂nnen wir vergessen. Also bleiben nur noch ein Anwalt und ein, zwei Empathen bzw. Parapsychologen, die als Opfer herhalten k√∂nnen. Bis es soweit ist, ertragen wir aber zun√§chst flotte Wechsel von Zeitlupenaufnahmen einer sich Wasser ins Gesicht spritzenden S.Elizabeth und ruckthaftem Schnitten einer nackten Verst√ľmmelten, die Spannung produzieren sollen, wo nie welche war.

Und so tauchen die Geister fortan mal hier, mal dort auf; es gibt eine Menge Rennerei, etwas Hektik und immer wieder mal eine kleine Überraschung. Was es nicht gibt, sind Steigerungen. Es fehlt an Dramatik. Die Regie hält immer denselbe Level an Speed und steigert ihn fast nie. Auch wird nicht zuerst Atmosphäre aufgebaut, um dann auf Action zu setzen. Tatsächlich wird mehr als den halben Film im Haus herumgelaufen, wobei stets irgendwer gesucht wird und Personen Brillen tauschen, damit sie auch mal die Geister sehen, die sie gleich umbringen könnten.

Warum die Geister das tun und wie sie so m√∂rderisch sein k√∂nnen, bleibt leider ungekl√§rt, ebenso wie der Mumpitz mit dem schwarzen Tierkreis und der von einem M√∂nch ersonnende H√∂llen-Machine aus allen m√∂glichen Vorlagen zusammengeklaut sind. Ausbleiben tut nach all der anstrengenden Rennerei auch noch ein H√∂hepunkt, denn das "Auge der H√∂lle", da√ü hier wohl beschworen werden sollten, konnte wohl f√ľr das Budget nicht mehr umgesetzt werden k√∂nnen, weswegen es ausfiel. Daf√ľr bekommen wir einen relativ schnellen und schnittigen, leider aber einfallslosen Showdown vorgesetzt.

Bliebe also nur, sich an den F/X zu delektieren. Leider ist der Gore hier gerade im Urlaub. Ein heftiger (und hervorragender) Splattergag relativ fr√ľh im Film macht Geschmack auf mehr, doch dann mu√ü man Ewigkeiten warten, bis wieder mal jemand ins Gras bei√üt. Das ist besonders √§rgerlich, wenn man bedenkt, da√ü die Schauspieler manchmal wirklich nerven. Tony Shalhoub ist zwar wieder mal sehr sympathisch, aber einfach zu lieb und clean, um nicht √§tzend zu sein. Shannon Elizabeth beweist wieder einmal, da√ü sie zwar Bein zeigen, aber nicht schauspielern kann und dar√ľber hinaus ein Zahnpastagrinsen bei manchen auch debil wirkt. Der kleine Junge ist das typisch √ľberfl√ľssige Blag (h√§tte man uns nicht was √Ąlteres vorsetzen k√∂nnen) und die Haushaltshilfe ein nettes Klischee pur. Lillard ruppelt und zuppelt wie wild und Embeth Davidz ("The Hole") wirkt wie ein wildgewordener Handfeger, nur nicht wie eine Okkultismus-Expertin.

Mit diesen Kollegen ertr√§gt man also die gar nicht wilde und recht unblutige Hatz, die aber wenigstens optisch manchmal √ľberzeugen kann. Wahrlich gelungen sicherlich die Geister, die in ihrer Widerlichkeit alle einen Wahnsinnseindruck hinterlassen, aber in ihrer Anzahl als Einzelne glatt zu kurz kommen. Leider erschafft der Schnitt einen furchtbaren, ruckhaften Stakkato-Stil, wenn es darum geht, sie ins Bild zu setzen. Ewig und immer d√ľrfen sie hinter Scheiben "Buh" machen, wenn gerade einer davor steht und an Gangenden drohend den Weg abschneiden. Derlei optische Hektik macht das Sehvergn√ľgen nicht gerade gr√∂√üer, was schade ist, da das Haus an sich eine skurile Konstruktion ist, an der man sich kaum sattsehen kann.

Fassen wir also zusammen: Die Kamera konnte keine richtige Atmosph√§re einfangen, hat aber an sich einiges Reizvolles aufzunehmen. Der Schnitt arbeitet mit kleinen Schocks, f√§hrt aber sonst kaum mit Besonderheiten auf, sondern ist unpassend ruckhaft und wird schnell langweilig und erm√ľdend. Die Storykonstruktion ist bla√ü und die Darsteller h√∂chstens zweckm√§√üig. Die Effekte sind sch√∂n, aber zu sparsam eingesetzt. Der Ton des Films reicht von schnulzig bis grell, von albern bis wortverliebt - was uneinheitlich ist. Dazu ein schw√§chelnder H√∂hepunkt, Konstruktionsfehler, keine richtige Aufl√∂sung und ein klebriger Schlu√ü ohne Aha-Erlebnis.
Was sagt uns das? Schnell in die Videothek und "Haunted Hill" noch mal gucken. Der hat auch seine Schwächen, aber die fallen in allen Kategorien deutlich geringer aus.
"13 Geister" verursacht zwar keine Schmerzen, aber man kann keine Entscheidung f√§llen bez√ľglich des Grundes, warum man diesen Film wirklich gern haben soll. (4/10)


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