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30 Days of Night (2007)

Eine Kritik von (Bewertung des Films: 3 / 10)
eingetragen am 25.10.2007, seitdem 3891 Mal gelesen



Eine Gruppe von Vampiren belagert die verbliebenen Einwohner des nördlichst gelegenen Städtchens der Vereinigten Staaten, weil dort aufgrund der Nordcaplage 30 Tage lang nicht die Sonne aufgeht – und die Menschen sind in der Defensive…

…das klingt doch prima, sollte man meinen.
Ein interessantes Setting im ewigen Schnee, rotes Blut auf weißem Schnee, Verteidiger gegen Angreifer gemäß den ureigensten Western-Motiven von der Fort-Verteidigung.
Dazu versprach der Trailer einen actionreichen und spannenden Film – leider ist davon weit und breit nichts zu entdecken.

Fangen wir positiv an, die ersten 20 Minuten bauen das Setting relativ atmosphärisch auf: ein geheimnisvoller Wanderer von einem Schiff, verbrannte Telefone, ermordete Schlittenhunde; eine Stadt, die sich langsam leert am letzten Sonnentag vor einem Monat Dunkelheit.
Doch kaum wird die Bedrohung halbwegs konkret, fällt der Film auseinander.

Natürlich wird es bedrohlich, natürlich schlagen die Blutsauger, die wie berauschte Schlächter vorgehen baldigst zu und zwar recht graphisch, aber was man dann an Spannungsaufbau erwarten könnte, tritt einfach nicht ein. Weder David Slade auf dem Regiestuhl, noch die Darsteller können etwas gegen das geschwätzige und mehr als episodische Skript tun, das offenbar von drei Autoren so oft umgeschrieben wurde, bis gar nichts mehr ging.

Denn anstatt eine Steigerung des Tempos und ein Ansteigen der Spannungskurve, tritt der Film ständig Wasser, sobald etwas mal passiert ist. Offenbar galt als oberster Plot-Point, das die Überlebenden die 30 Tage durchhalten müssen und das tut der Story leider gar nicht gut.
Daraus resultiert nämlich nur ein reizloses Versteckspiel innerhalb der Stadt, da die Verteidiger nun so gar keine Waffe oder Gegenmittel gegen die Vampire entwickeln können.
Das bedeutet, ständige hilflose Defensive, während der Zuschauer natürlich darauf setzt, das die Getriebenen nun irgendwann einmal zurückschlagen. Nur: das passiert einfach nicht.

Natürlich gibt es gewisse Gegenwehrversuche, vorzugsweise wenn wieder mal jemand Vorsichtshinweise nicht beachtet oder Lockvögel durch die Straßen getrieben werden, doch enden diese entweder im Lächerlichen (die Sache mit der Höhensonne) oder sie wirken relativ beliebig eingestreut, damit überhaupt mal etwas passiert.
Die wohl actionreichste Sequenz mit einer Grabenfräse passiert irgendwo auf halben Wege zweckbefreit, um dann im Nichts zu enden.

Nicht, das es nicht heftigst splattert, es gibt zerrissene Kehlen galore und die Axt feiert auch Triumphe, aber auf Horroreinschübe folgen immer wieder Dramasequenzen, die bisweilen an Beliebigkeit oder Plattheit kaum zu ertragen sind.
Das ergibt einen unebenen, holprigen Film, der nie das liefert, was man erwarten dürfte und der einen auch relativ kalt lässt, da das Drehbuch kaum mehr als Pappdeckelcharaktere oder hintergrundslose Gesichter liefert, um die man sich in der Belagerungssituation auch nicht einen Deut sorgt.

Da passt es hervorragend, dass der gar jugendlich wirkende Sheriff von dem Emo-Brötchen Josh Hartnett gespielt wird, der hier total deplatziert wirkt und Melissa George („Alias“, „Mulholland Drive“) als getrenntes Eheweib kommt mit ihrem Make-Up in Alaska auch nur bedingt überzeugend rüber.

Recht interessant auf den ersten Blick die Vampire, ein Haufen reißzahniger Gothic-Lookalikes, die irgendein Gehacke absondern und recht osteuropäisch wirken. Leider gehen einem die Zerstörungsphrasen, das Augenrollen und Zähnefletschen, der dämliche Blick und das Rumgestehe irgendwann auf den Keks, spätetens wenn zum fünfzigsten Mal das durchdringende Vampirkreischen an der individuellen Migräne sägt.

Was sonst noch bleibt, sind reichlich Logikfehler oder sinnfreie Aktionen und eine Musik, die grundsätzlich recht gut wäre, aber entweder dann im Hintergrund donnert, wenn die Vampire kreischen oder eingesetzt wird, wenn es nun mal überhaupt nicht zum Bild passt.

Da kann die atmosphärischste Ausstattung nichts ausrichten, die stete Defensive und Flucht, die mangelhafte Gegenwehr und viele fragwürdige Aktionen mindern den Reiz für den Zuschauer deutlich.
Und überhaupt nicht zurecht sind die Autoren offenbar mit dem größten Reiz für die Geschichte gekommen, nämlich der Zeitvorgabe. 30 Tage Nacht sind natürlich für den Zuschauer nicht genau einzuordnen und so erscheinen an unterschiedlichen Stellen in der Handlung so hilfreiche Einblendungen wie 7., 18. oder 27.Tag, damit man nicht ganz die Orientierung verliert, aber immerhin einordnen kann, das sich unsere Jungs und Mädels anscheinend seit einer Woche ohne Essen auf einem Dachboden verstecken und gewisse Leute es vier Wochen unentdeckt in der Stadt aushalten.

Die zeitliche Einordnung wirkt beliebig und willkürlich und man ist froh, wenn der Morgen dämmert, denn man ist die logischen Fehler müde (z.B. wird betont, das es nur noch fünf Personen sind, bei Sonnenaufgang, der auch noch an derselben Stelle wie der Sonnenuntergang stattfindet, krabbeln plötzlich fast 10 Leute auf der Straße rum. Aber das ist nur einer von vielen Aussetzern in einem Patchworkskript, das wohl ein Plädoyer für den Kampf um die Familie und das Verhalten in Ausnahmesituationen sein sollte, aber genau dieses beliebte Western- und Actionmotiv nur platt und lächerlich rüberbringt.

Schade um die verpasste Chance. (3/10)


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