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30 Days of Night (2007)

Eine Kritik von (Bewertung des Films: 9 / 10)
eingetragen am 07.01.2008, seitdem 978 Mal gelesen



Wenn Blade ein richtiger Mann wäre hätte er Barrow verteidigt anstatt sich mit Sidekicks zu umgeben und einen schwulen Draculaverschnitt zu verkloppen

Die dreiteilige Miniserie 30 Days of Night hat dem Autoren-Zeichner-Duo Steve Niles und Ben Templesmith im Jahre 2002 in den USA vor allem wegen ihrer optischen Einzigartigkeit zum Durchbruch im Comicbereich verholfen. Auch die Grundgeschichte einer Vampirbedrohung in einem kleinen Nest mitten in der Arktis in dem es für einen ganzen Monat kein Sonnenlicht gibt, traf genau den Nerv der Zeit und weckte das Interesse der Fangemeinde.


Ich muss hierbei gestehen, dass 30 Days of Night eines der wenigen Graphic Novel ist die ich nicht verschlungen habe, da mich die eigenwilligen Bilder und die ausschließlich düsteren Schwarzweißzeichnungen des Originals nicht von den Socken gerissen haben. Trotzdem hat sich die nihilistische Story in mein Gedächtnis gebrannt.


Somit war ich durchaus begeistert als ich vor etlichen Monaten im Internet über den Trailer der Realverfilmung dieses Comics gestolpert bin. Optisch beeindruckend, anscheinend blutig und mutig besetzt, hat mich dieser Appetizer somit auf das fertige Werk neugierig werden lassen.


Nun ist es endlich soweit. David Slades „30 days of Night“, dass von Sam Raimi („Spiderman“, „Evil Dead“) produziert wurde, ist in den deutschsprachigen Kinos angelaufen und beginnt sofort mit einer sensationellen Einstellung des arktischen Eismeeres. Die Kamera folgt einem Fremden durch das ewige Eis bis zu einer verschneiten Kleinstadt, in der ob der angehenden 30-tägigen Finsternis allgemeine Aufbruchsstimmung herrscht. Der örtliche Sheriff (Josh Hartnett) sieht sich mit einigen zuerst unerklärlichen Ereignissen konfrontiert. Der lokale Hubschrauber wird zerstört, die Schlittenhunde brutal ermordet, ein Lagerfeuer mit Sattelitentelefonen veranstaltet und die Stromversorgung gekappt. Bevor er noch seine Probleme mit seiner Ex-Freundin (Melissa George) klären kann bricht auch schon die ewige Nacht über das Städtchen herein und die blutrünstige (Vampir-)Geschichte nimmt ihren Lauf.


Was „30 Days of Night“ aus dem Einheitsbrei anderer Verfilmungen dieses Genres hebt ist die unglaubliche Aggressivität und Brutalität die die Vampire an den Tag legen. Hier gibt es keinen Platz für romantische Verführungen vor dem Biss in den Hals, keine ebenmäßigen Gesichter und perfekten Körper, die sich nach Sonnenuntergang aus einem Sarg aus rotem Samt erheben und auch keine mystischen Rauchwolken die das Verschwinden der Untoten begleiten. Es gibt nur tierische Gewalt, erschütternde Aggressivität und hässlichen Blutdurst. Logische Folge dessen ist somit auch die Tatsache, dass die Vampire sich keiner bekannten menschlichen Sprache bedienen sondern lediglich gutturale Laute und hässliches Knacken von sich geben um sich untereinander zu verständigen. Einem Rudel wilder Wölfe nicht unähnlich. Die zwei typischen spitzen Eckzähne klassischer Vampirgeschichten mussten ebenfalls (vorlagengetreu) einem ganzen Gebiss spitzer Zähne weichen.


Die Brutalität ist plastisch aber realistisch. Für eventuell anfallende Enthauptungen werden durchaus auch vier Schläge benötigt und Kopfschüsse Kosten das Opfer zumindest die Hälfte des Selbigen. Die Vampire machen des weitern keine Gefangenen, außer sie benötigen einen schreienden Lockvogel um die menschlichen Opfer zu zermürben und aus ihren Verstecken zu locken.


Ein in vielen Kritiken erwähnter Schwachpunkt des Films soll seine fehlende Einführung und Erklärung der Hinter- und Beweggründe der Vampire sein.
Meiner Meinung nach ist das jedoch ein Pluspunkt. Warum sich mit unwichtigen Nebenhandlungen aufhalten, um zu erklären aus welchem Grund einige brutale Wesen ihrem animalischen Blutdurst nachgehen, wenn man auch einfach gleich zur Sache kommen kann. Spielberg musste auch seinen „Weißen Hai“ nicht ethnographisch und stammbaumtechnisch einführen um ihn Menschen verspeisen und am Ende ins Gras (oder besser in eine Sauerstoffflasche) beißen zu lassen.

Einen weiteren interessanten Kritikpunkt habe ich in einer moviemaze.de-Review gelesen. `Die Bewohner von Barrow wissen offenbar instinktiv wie sie sich gegen Vampire wehren müssen’.
Das entspricht jedoch nicht im Geringsten der Wahrheit, da die ersten wirklichen Reaktionen auf die Angreifer erst nach einigen Tagen erfolgen und lediglich von Einzelpersonen ausgeführt werden. Ich meine, nachdem mehr als 100 Menschen abgeschlachtet wurden und Kugeln in den Körper keinen Effekt gezeigt haben, ist die nächste logische Konsequenz wohl der Angriff auf den Kopf. Irgendwann muss der Lerneffekt ja (im Gegensatz zu der Spezialeinheit in „Resident Evil“, die jeweils drei Magazine verschießen bevor sie mal auf den Kopf zielen) eintreten. Und wenn menschenähnliche Wesen spitze Zähne haben und ganz offensichtlich Blut trinken ist der Gedanke einen Vampir vor sich zu haben wohl auch relativ nahe liegend. Josh Hartnetts Charakter ist weiters auch nicht wirklich begeistert als ein Plan in Richtung Kampf mit der Sonnenlichtlampe einer Kifferin gegen die Angreifer aufkommt. Somit kann von sofortiger zielführender Gegenwehr keine Rede sein.

Auch für die Charakterisierung der Lämmer (Einwohner des Dorfes) bleibt in der 113 Minuten langen Comicverfilmung keine Zeit. Einige kleinere Probleme werden am Rande angesprochen jedoch von der gegenwärtigen Gefahr des plötzlichen und schmerzhaften Todes in den Hintergrund gedrängt.


Josh Hartnett in der Rolle des Ordnungshüters ist durchaus gewöhnungsbedürftig und ab und an blitzt auch seine Teeniekomödienseite durch, aber im Großen und Ganzen füllt er die Rolle passend aus. Außerdem: Wer sagt denn eigentlich, dass Helden immer gleich (aufgetakelt oder abgefuckt) aussehen und sich stereotypisch verhalten müssen?


Die unglaubliche Optik des Films weiß am meisten zu begeistern. Ob blutige Kämpfe, explodierende Autos, weite Landschaftsaufnahmen oder epische Sonnenuntergänge; alle Aufnahmen ziehen den Betrachter unweigerlich in ihren Bann. Das gestochen scharfe Bild ist eine Freude für jeden Cineasten und die sich ständig mitten im (blutigen) Geschehen befindende Kamera eine Offenbarung für Gorefans.


Natürlich kann man in vielen Einstellungen Slades Herkunft aus dem Musikvideogenre erkennen und auf storytechnische Geistesblitze ewig warten, aber das mindert den positiven Eindruck dieses Werkes nicht im Geringsten. In 113 Minuten gibt es keine einzige langweilige Sequenz und keinen auch noch so geringen Durchhänger. Auf übertriebenen Klamauk (wie zum Beispiel bei „Blade 3“) und unpassende Ironie wird durchgehend verzichtet. Zwischenzeitliche amüsante Szenen werden sofort von Angst, Panik und Erschöpfung überschattet.


In einigen Einstellungen erinnert „30 Days of Night“ an Slades verstörenden Vorgängerfilm „Hard Candy“. Doch wo mir bei der Pädophilenhatz das moralinsaure Ende etwas aufgestoßen hat, bietet „30 Days“ genau den Schluss, den ich mir von jedem vernünftigen Horrorfilm erwarten würde.
Das besagte Ende überzeugt vor allem durch die genial umgesetzte und überaus passend musikalisch untermalte Schlusseinstellung.

Fazit:
Für mich ist „30 Days of Night“ sicherlich der wichtigste Vampirfilm seit Jahren. Brutal, ungeschminkt, entmystifizierend und packend. Überdies überzeugt David Slades Vampirfilm mit einer genialen Optik, toller Musik und sensationellen Kamerafahrten.

Nachsatz:
Für Personen die mit reißenden Bestien, hektoliterweise Blut im Schnee, (teilweise) übermäßig brutalen Szenen und Musikvideoästhetik nichts anfangen können ist der Streifen ziemlich sicher nicht geeignet.


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