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30 Days of Night (2007)

Eine Kritik von (Bewertung des Films: 7 / 10)
eingetragen am 30.04.2008, seitdem 599 Mal gelesen



Mit dem diskussionswürdigen Psychothriller "Hard Candy" schuf David Slade wohl einen der interessantesten Filme des Jahres 2005. "30 Days Of Night" ist nun sein Versuch, im Horrorgenre Fuß zu fassen.

Die Geschichte ist schnell erzählt: die Kleinstadt Barrow in Alaska steht im Winter vor einer 30 tägigen Sonnenfinsternis. Während Sheriff Eben (Josh Hartnett) mysteriöse Funde macht (u.a. stößt er auf verbrannte Mobilfunktelefone), versucht seine Noch-Ehefrau Stella (Melissa George) die Stadt zu verlassen. Jedoch ohne Erfolg: sie verpasst ihren Flug und muss sich daraufhin mit dem Gedanken arrangieren, den folgenden Monat in Barrow zu verbringen. Zu diesem Zeitpunkt ahnt sie noch nicht, dass ihr und den restlichen Bewohnern der Stadt noch das Schlimmste bevorsteht. Denn eine blutrünstige Vampirbrut ist direkt auf dem Weg zu ihnen...

Eine originelle Story ist ja schon mal die halbe Miete für einen Horrorfilm. Und wenn dann auch noch Umsetzung und Darsteller überzeugen können, steht dem Sehvergnügen nicht mehr allzu viel im Wege. Nun, eine gute Ausgangsidee hat "30 Days Of Night" zweifellos. Die Autoren Steve Niles (verantwortlich für die als Vorlage dienende Graphic-Novel), Stuart Beattie und Brian Nelson (schrieb "Hard Candy") haben jedoch ein recht löchriges Drehbuch abgeliefert, welches Logik in jenem Maße meidet wie die hier auftretenden Blutsauger das Tageslicht. Auch mit Klischees wird recht reichhaltig verfahren. Sei es eine Ehekrise zwischen den Protagonisten, die im Angesicht der Gefahr natürlich schnell hintenangestellt werden muss oder die Aktionen diverser Nebenfiguren, die oftmals allzu leicht den Kopf verlieren (was sich durchaus mehrdeutig verstehen lässt). Von etlichen "plotholes" (so wird z.B. ausgespart wie sich die rund zehn Überlebenden vom Diner bis zum etliche Meter entfernten Haus mit dem versteckten Dachboden schleichen können, ohne entdeckt zu werden) ganz zu schweigen. Auch die Dialoge geben oftmals Anlass zur Kritik, gestaltet sich ein Großtel von ihnen doch nach dem Credo, die Charaktere genau das sagen zu lassen, was sie in dem jeweiligen Moment denken oder aber sie überflüssige Kommentare zu bestimmten Situationen abliefern zu lassen. Die Dialogschwächen machen selbst vor den Vampiren nicht halt, die sich zwar in eigener Sprache verständigen, aber dafür (mittels Untertiteln für den Zuschauer ersichtlich) bedeutungsschwangeren Tinnef daherreden, der allerhöchsten ihre eigene Überlegenheit gegenüber den Menschen demonstriert. Nur hätte man dies auch auf weniger platte Weise erreichen können. Schade, dass die Hintergründe für die Brut zudem gänzlich im Dunkeln bleiben. Da dürfte man wohl achtlos so einiges an Potential versiebt haben!

Glücklicherweise hat "30 Days of Night" jedoch noch einiges im Ärmel, um den Genrefreund einigermaßen zufriedenzustellen. Zunächst einmal ist da die Atmosphäre zu nennen, die streckenweise wirklich messerscharf geraten ist und den Zuschauer schon mit den ersten Bildern des Films ins Frösteln geraten lässt. Tatsächlich fühlt man sich streckenweise an John Carpenters "Das Ding aus einer anderen Welt" erinnert, wobei sich die Assoziationen mit Carpenter noch weiter treiben lassen, schickt der seine Charaktere in Filmen wie "Assault- Anschlag bei Nacht", "Fürsten der Dunkelheit" oder wie zuletzt in der albernen Trash-Gurke "Ghosts Of Mars" immer wieder gern in ähnlich ausweglose Belagerungsszenarien. Anhand der stimmigen Atmo, kann man David Slade jedenfalls bescheinigen, dass er seine Hausaufgaben gemacht hat. Dabei dürften wohl auch die Werke Stephen Kings eine entscheidende Rolle gespielt haben, erinnern die Einwohner Barrows doch ein ums andere Mal an Charaktere, die auch einem Roman des Meisters entsprungen sein könnten.

Die Schauspieler mühen sich redlich, das Beste aus dem Skript herauszuholen. So zeigt sich Josh Hartnett, der ja seinen Durchbruch mit "Halloween H 20" hatte, sichtlich gereift und somit in der Lage, den Part des Kleinstadtsheriffs angemessen auszufüllen, was ich ihm, um ehrlich zu sein, nicht wirklich zugetraut habe. Melissa George gibt ebenfalls eine ordentliche Vorstellung ab, auch wenn sie oft kaum mehr zu tun hat, als ängstlich drein zu schauen. Auch sie verfügt über Genreerfahrung, konnte bereits dem "Amityville Horror" von 2005 entrinnen und war zudem Teil der eher glücklosen "Turistas", die es in Brasilien mit skrupellosen Organhändlern zu tun bekamen. Danny Huston gibt den Anführer der Vampire und schafft es einiges an Charisma aus der doch recht eindimensionalen Rolle zu pressen. Selbiges lässt sich auch über Ben Foster sagen, der kaum wiederzuerkennen ist und gleich zehn Jahre älter wirkt, aber noch vor Halbzeit ins Gras beißen muss.

Apropos: beißen! Dies geschieht hier gehäuft und sehr drastisch. Wobei die Effektschmiede in Sachen Splatter ohnehin die harte Schiene fährt, was zu Szenen führt, die dem Gorehound die Freudentränen in die Augen treiben dürften. Klugerweise verschießen die Macher ihr Pulver trotz hohem Bodycount und viel Gewalt jedoch nicht, was ja leicht zu einer Übersättigung des Zuschauers hätte führen können. Stattdessen geschieht so manche Untat auch im Off oder wird lediglich angedeutet, was die derberen Momente dann natürlich um einiges effekttvoller gestaltet.

Fazit: "30 Days Of Night" ist nicht der Knaller der Saison, aber immerhin ein ordentlicher Schocker mit souveräner Spannungskurve geworden. Wer über einige Schwächen (darunter ein zu kurzer und noch dazu unlogischer Showdown) hinwegsehen kann, bekommt einen teils recht adrenalinhaltigen Streifen (Stichwort: Angriff der Vampire auf Ebens Wagen) geliefert, der das Genre beileibe nicht neu erfindet, aber für gute Durchschnittsunterhaltung sorgen kann. Eine hervorragende Kameraarbeit und der tolle Score von Brian Reitzell sind zusätzliche Pluspunkte.
Holprig, aber durchaus effektiv und zudem schön düster!
Knappe 7/10 Punkten


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