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30 Days of Night (2007)

Eine Kritik von (Bewertung des Films: 5 / 10)
eingetragen am 05.09.2010, seitdem 423 Mal gelesen



Sie haben eine wirkliche gute, frische Idee für einen Horrorfilm der mal nicht den gängigen Klischees entspricht? Und dann überlegen sie sich, wie man diese gute, frische Idee mal so richig schön scheiße umsetzen könnte, damit das alles eben doch den gängigen Klischees entspricht?
Einfach mal 30 Days of Night einlegen und sie wissen was sie tun müssen.

Barrow ist das nördlichste Kaff von Alaska. Während der Polarnacht verlässt ein Großteil der Bevölkerung den kleinen Ort, da dieser nun für 30 Tage in vollkommener Dunkelheit liegt. Ein gute Entscheidung wie sich bald zeigt, denn schon kurz bevor die Sonne untergeht passieren erste merkwürdige Dinge. Die Schlittenhunde des Ortes werden verstümmelt aufgefunden, Mobiltelefone liegen verbrannt im Schnee und Sheriff Eben (wer hat bloß Josh Hartnett für die Rolle besetzt) verhaftet einen verwahrlosten Mann, der immer wieder betont das Ende aller sei nahe. Kaum ist die Sonne untergegangen scheinen die Vorhersagen wahr zu werden, denn eine Gruppe extrem aggressiver Vampire fällt über das Dorf her, kappt alle Strohmleitungen und metzelt jeden nieder der sich nicht in Sicherheit bringen kann. Eben, seine von ihm getrennte Frau Stella (Melissa George) und eine Handvoll anerer Personen können sich zunächst noch verschanzen und versuchen nun die 30 Tage bis zum Sonnenaufgang zu überleben...

Das klingt anfänglich ja wirklich hochinteressant und die erste halbe Stunde ist auch schön spannend geraten. Das Setting im ewigen Eis ist tatsächlich mal was anderes, die Bilder vom langsamen Untergang der Sonne sind schön düster und der namenlose Fremde sorgt mit seinem Gerede zunächst noch für gruselige Atmosphäre.

Leider wird der Film mit zunehmender Laufzeit immer schwächer. Die Angriffe der Vampire sind zwar wirklich derbe inszeniert, das Blut fließt literweise, Körperteile werden abgerissen und auch Kinder müssen dran glauben.
Alles andere ist dann aber eher weniger toll. Ein riesiges Ärgernis ist der Zeitfaktor. Von 30 Tagen ist hier nichts zu sehen. Würde nicht ganze drei Mal völlig zufällig der angebliche Tag eingeblendet werden, könnte man glauben die ganze Geschichte geht in einer einzigen Nacht von statten. Hartnett hat am Ende zwar ein paar Haare mehr im Gesicht, aber ganz besonders Stella sieht am letzten Tag genauso frisch gestylelt aus wie am ersten. Arg unglaubwürdig angsichts des Szenarios. Auch geht die Gruppe erst nach sieben Tagen auf Nahrungssuche. Wie sie bis dahin auf dem Dachboden eines leeren Hauses überlebt haben bleibt fraglich. Ebenfalls interessant wäre zu wissen, was die Vampire eigentlich die ganze Zeit über so machen. Auf den Dächern der Häuser stehen und warten? Warum sieht das Blut in ihren Gesichtern immer so frisch aus, als hätten sie gerade erst gefressen? Und wo kommen sie eigentlich her, was hat es mit ihnen auf sich?
In dem Zusammenhang stört auch das insgesamt stark holprige Voranschreiten der Geschichte. Es gibt immer wieder Sprünge in der Erzählung, die Fragezeichen beim Zuschauer hinterlassen (Der Angriff auf die drei Arbeiter der Ölfirma wird mittendrin unterbrochen und 2 Szenen später ist eine von ihnen plötzlich im Restaurant mit der Gruppe der Überlebenden. Wie aber dahingekommen und den Angriff überlebt?).

Nicht nur deshalb ist die Spannung in der zweiten Filmhälfte nahe Null. Klar, die obligatorischen Schocks über die Tonspur gibts natürlich zu hauf, aber erzählerisch ist das einfach nichts. Da die Gruppe der Überlebenden gar nicht erst versucht gegen die Vampire vorzugehen (außer der extrem lächerlichen Idee mit  der Lampe von Omas Grasspflanzen), beschränken sich deren Aktionen auf ausharren und die üblichen "Kleine-Gruppe-in-Belagerungssituation-Klischees" zu überstehen (die eine Hälfte will natürlich nicht so wie die andere, warum bist du hier der Boss und nicht ich, usw.).
Dazu noch der über allem schwebende, aber inhaltlich auch nur oberflächlich angerissene Konflikt der Frau, die nicht mehr rechtzeitig weggekommen ist und nun Seite an Seite mit ihrem Noch-Ehemann kämpfen muss. Natürlich muss auch wieder ein Schlauberger versuchen auf eigene Faust durch den Schnee zu entkommen (wohin eigentlich?), und einer der für die Gruppe wertvollsten Kämpfer opfert sich in einer saudämlichen Harakiriaktion vollkommen unnötig selbst (sieht zugegebenermaßen ganz schick aus, ist aber wie gesagt recht sinnfrei). Macht aber auch eigentlich nichts, denn von den Figuren kennt man im besten Fall den Namen. Inhaltliche Tiefe bedeutet hier nämlich zu Wissen, dass Stella und Ebben getrennt leben. Punkt. Aus. Ende.

Alles fokussiert sich einzig auf das Schlachtfest der Vampire. Okay, wie schon erwähnt macht das wirklich was her und ein paar tolle Aufnahmen (die Kamerafahrt über die Stadt bei der ersten Attacke) sind auch dabei, aber dass ist insgesamt einfach viel zu wenig um die Schwächen des Drehbuchs aufzufangen, geschweige denn die ganze Chose noch über das Mittelmaß zu heben.

So retten einzig die wirklich gelungene Inszenierung, ein ordentliches erstes Drittel und der große Splatteranteil dieses Machwerk vor dem Totalausfall. Das Drehbuch ist zum Kopfschütteln, das Ende katastropahl daneben (würde mich mal interessieren, ob das in der Comicvorlage auch so ist) und so setzt man dann eben eine eigentlich gute Ausgangssituation volkommen in den Sand, oder besser Schnee. Total verschenkt. (4,5/10)


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