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Stirb langsam (1988)

Eine Kritik von (Bewertung des Films: 10 / 10)
eingetragen am 09.04.2002, seitdem 2612 Mal gelesen



1988 verirrte ich mich in einen in Deutschland zunächst kaum wahrgenommenen Actionfilm namens "Stirb langsam" und mußte feststellen, daß von diesem Tag an in punkto Action ganz neu maßgenommen werden mußte.

Was aber macht denn "Die hard" zu so einem herausragenden Beispiel seiner Zunft? Schließlich hat er das Genre ja nicht begründet. Trotzdem ist wegweisend für eine ganze Flut von Epigonen gewesen, die das hier aufgestellte Muster alle mehr schlecht als recht nachgeahmt haben.

Da wäre zunächst die Konstellation Gut gegen Böse, deren Verhältnis hier keinesfalls als ausgeglichen bezeichnet werden kann. Wir haben einen Guten, der sich gegen eine ganze Horde von Bösen zur Wehr setzen muß und das auch noch auf einem Terrain, daß er nicht kennt. Das macht ihn zum Vorbild für alle Einzelkämpferstories, die hier auch noch auf begrenztem Raum (hier: ein abgeriegeltes Hochhaus) hochkonzentriert abgewickelt wird.

Willis prägt den Film nicht nur wegen der gnadenlosen Härte, die in jedem der vorfallenden Fights und Shootouts durchscheint, sondern vor allem wegen seiner Menschlichkeit. Willis sieht man, anders als seinen Vorläufern Stallone und Schwarenegger, die gewisse Übermenschlichkeit ihrer Aufgaben und die Fähigkeit zur Bewältigung dieser, nicht sofort an.
Wie hart dieser Mann sein kann, der unter Einsatz seines Lebens für Frau und Geiseln kämpft, entwickelt sich erst im Lauf des Film nach und nach. Dabei ist nicht nur Härte und Feuerkraft, sondern auch Einfallsreichtum, Improvisation und Intuition wegen nackter Verzweiflung angesagt.

Dagegen steht die ausweglose Situation des "Lone Rangers". Die Terroristen sind nicht nur zahlenmäßig überlegen, sie haben auch die überlegene Feuerkraft. Sie sind kampfstark und zu allem entschlossen. In der Gruppe gibt es nicht einen angreifbaren Schwachpunkt, außer der Tatsache, daß sie McClane ständig unterschätzen. Angeführt, und das ist eine weitere Stärke des Films, werden sie von einem Mastermind mit so viel Charisma, daß er in jeder seiner Szenen dieselbe an sich reißt. Alan Rickman gibt den Gruber mit so viel diabolischem Vergnügen, daß es eine wahre Freude, die absolute Definition des Bösen, eiskalt, durchtrieben, hochintelligent, von mörderischem Charme und dazu dämonisch beherrscht.

Verstärkt wird die Situation noch durch Negativeinflüsse von außen. Zwar hat McClane in einem Streifenpolizisten bald einen Ansprechpartner und Freund gefunden, aber sonst ist er ohne Rückhalt. Seine Aktionen werden nicht gebilligt, wie die ganzen anrückenden Behörden (ein starker Minuspunkt des Films) ziemlich borniert, ignorant oder dumm gezeichnet sind. Noch schlimmer ist der spätere Einsatz des FBI in Form zwei schießwütiger Kindsköpfe (aka Vietnamveteranen), der geradezu eine Parodie darstellt.

Als finale Zutat folgen noch diverse Überraschungen und Extras, die dem Film zusätzliche Würze geben. Die beständige Bedrohung, daß seine Exfrau als solche erkannt werden könnte, treibt zusätzlich an. Die Begegnung mit Gruber im Gebäude bringt zusätzlichen Suspense, da McClane diesen nicht sofort als den Gegner erkennt. Der überraschende Plan, der sich erst im Verlauf des Films McClane und damit dem Zuschauer langsam präsentiert. Die auf so ziemlich jede Eventualität vorbereiteten Terroristen, die immer neue und größere Firepower nachschieben.

Das resultiert in zahlreichen "ewigen" Szenen, die Geschichte gemacht haben. McClanes Lauf durch die Glasscherben mit nackten Füßen (und die nachfolgende Selbstoperation der blutigen Masse). Der Plastiksprengstoff im Fahrstuhlschacht und seine Wirkung. Die halsbrecherische Kletterei im Fahrstuhlschacht und den angrenzenden Röhren. Der Sprung am Feuerwehrschlauch vom Hochhausdach. Der Leichensturz auf den Streifenwagen. All diese Szenen, gemeinsam mit diversen denkwürdigen Onelinern haben Geschichte gemacht.

Sämtliche Übermenschlichkeiten werden durch die Verletzlichkeit McClanes (der am Ende wenig mehr als ein Trümmerbündel ist, der sich kaum auf den Beinen halten kann) wieder aufgewogen. Regisseur McTiernan montiert geschickt ruhige auf dramatische Szenen, dreht die Geschwindigkeit rauf und wieder runter und baut den Film mit kontinuierlichen Höhepunkten gen Klimax auf.

Im nachhinein wirken heute einige Szenen zwar technisch inzwischen leicht rückständig (vor allem die Explosionen sind leicht durchsichtig als Nachbesserung zu erkennen), aber solche Fehler kapitulieren vor der Power, die der Film auch 15 Jahre später immer noch hat.
It's a rush - enjoy it! (10/10)


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