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Wasting Away (2007)

Eine Kritik von (Bewertung des Films: 7 / 10)
eingetragen am 13.08.2017, seitdem 20 Mal gelesen



„Ich fühle mich nicht wie ein Zombie!“ – „Idioten fühlen sich auch nicht dumm, aber sie sind es!“

Der US-amerikanische Regisseur Matthew Kohnen debütierte 2007 mit der Low-Budget-Zombiekomödie „Wasting Away“ mit der er einen nur scheinbar neuen Ansatz verfolgte: Zombies als durchaus „menschliche“, empfindsame Wesen darzustellen. Dies tat zweifelsohne bereits Subgenre-Papst George A. Romero; gleichwohl treibt Kohnen es auf die Spitze: Er erzählt den Film weitestgehend aus Zombie-Sicht.

„Wir sind Zombies – Zombies rennen nicht!“

Die jugendliche Clique bestehend aus Cindy (Betsy Beutler, „Der Feind in Dir“), Mike (Matthew Davis, „Düstere Legenden 2“), Vanessa (Julianna Robinson) und Tim ( Michael Grant Terry, „(Traum)Job gesucht“) verzehrt ein Speiseeis, das ohne ihr Wissen mit einer geheimen Substanz des US-Militärs kontaminiert wurde. Dadurch mutieren sie zu Zombies, spüren und sehen im Gegensatz zur Normalbevölkerung diese Veränderungen jedoch nicht. Motorik, Sprache etc. sind bei ihnen extrem verlangsamt, wodurch Nichtzombifizierte auf sie in Überschallgeschwindigkeit zu agieren scheinen und unverständliches, hochfrequentes Kauderwelsch von sich geben. Gleichzeitig erschrecken sich diese naturgemäß vor den Zombies, wodurch sich der Clique der Eindruck erweckt, alle um sie herum seien verrückt geworden und ihrerseits mutiert…

Matthew Kohnen und sein Co-Autor Sean Kohnen zitieren zu Beginn fleißig den Zombiekomödien-Klassiker „Return of the Living Dead“, wenn ein Fass mit Zombifizierungssubstanz angerollt wird und ahnungslose Jugendliche verseucht. Fortan geht „Wasting Away“, wenn auch mit manch augenzwinkernder Anspielung auf das Genre und seine Werke (so wird „Land of the Dead“ frecherweise als „schwuler Film“ bezeichnet), eigene Wege und lebt viel – und über weite Strecken gar nicht schlecht – von Situationskomik, die sich aus den paradoxen Gegebenheiten und den damit einhergehenden Missverständnissen speist. Wer möchte, darf im Subtext gern Betrachtungen des gesellschaftlichen Verhältnisses zu Außenseitern – und umgekehrt – herauslesen. Leider sind nicht nur unsere Zombiefreunde, sondern auch die Mitglieder der Normalgesellschaft stark karikierend überzeichnet worden, was etwas schade ist, da der Film ansonsten sicherlich noch besser funktioniert hätte, jedoch natürlich auch schwieriger umzusetzen gewesen wäre. So aber ist der Humor bisweilen leider etwas flach und bleiben die Charaktere austauschbar.

Die Handlung wird schließlich durch zwei Einschnitte vorangetrieben: Zum einem mit dem Auftauchen des ebenfalls zombifizierten Soldaten Nick Steele (Colby French, „Sleeping Dogs Lie“), der zumindest so viel von den Militärexperimenten weiß, dass mittels des Serums Supersoldaten geschaffen werden sollten, sich sowie die Clique aber naiverweise für eben diese hält und nicht in Betracht zieht, dass das Experiment missglückt ist, stattdessen gar die Nichtinfizierten für die Mutanten hält, die es als Supersoldat zu bekämpfen gelte. Zum anderen mit der späten Erkenntnis um den tatsächlichen Zustand, der Bewusstwerdung des Untoten-Daseins. „Wasting Away“ rückt stark in Richtung einer Militär-Pathos-Persiflage, was angenehm kritische Töne gegenüber den Action- und Kriegsfilm-Genres anschlägt. Das Militär mischt sich ebenfalls in die Handlung ein, verfolgt die Zombies und nimmt Steele gefangen. Selbstverständlich wird aber auch geschossen, geblutet, gesplattert und gespeist, wenngleich ich nicht ganz verstanden habe, weshalb (im Gegensatz zum o.g. ROTLD) lediglich einer der Zombies menschliches Gehirn auf seinen Speiseplan gesetzt hat.

Um zu verdeutlichen, welche Sichtweise die Kamera jeweils einfängt, zeigt Kohnen lediglich die Zombie-Perspektive in Farbe, während er die der Nichtinfizierten in Schwarzweiß getaucht hat. Ob dies unbedingt nötig gewesen wäre, sei dahingestellt, nach kurzer Eingewöhnung stört es jedoch auch nicht. Sein geringes Budget sieht man „Wasting Away“ mal mehr, mal weniger deutlich an, Schauspieler, Maske und Spezialeffektabteilung halten jedoch im Rahmen ihrer Möglichkeit dagegen. Eine Interpretationsmöglichkeit hat sich mir als Hobby-Trinker übrigens regelrecht aufgedrängt: Die Allegorie auf übermäßigen Alkoholkonsum (symbolisiert durch das Speiseeis) und die Folgen: Man wird in seiner Motorik, Sprache usw. immer eingeschränkter, bemerkt dies jedoch zunächst nicht, hält sich tendenziell ebenfalls für übermächtig und versteht die Nichtkonsumenten einfach nicht mehr. Dieser Eindruck wird dadurch verstärkt, dass Betrunkene auf die Zombies als Ihresgleichen wirken, was u.a. in den köstlichen Szenen in einer Bowlingbahn kulminiert, wo sich Betrunkene und Zombies zunächst munter vermischen.

Doch ganz gleich, was man aus „Wasting Away“ herauszulesen gedenkt oder eben auch nicht: So wie hier hat man Zombies noch nie gesehen und auch, wenn Kohnens Regie-Debüt nicht gänzlich geglückt ist, schon gar nicht zu den großen Zombie-Komödienklassikern aufschließen kann, bin ich für diesen gute Unterhaltung bietenden Lichtblick innerhalb eines verdammt impulsarm gewordenen Genres dankbar. Hörenswert: Der Soundtrack mit den Newton Brothers, Camper Van Beethoven und dem Random Task Collective.


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