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Cradle Will Fall - Baby Blues (2008)

Eine Kritik von (Bewertung des Films: 7 / 10)
eingetragen am 02.10.2009, seitdem 1410 Mal gelesen



Da untertreibt man selbst noch beim Originaltitel „Baby Blues“, denn dieser Begriff umschreibt lediglich ein postpartales Stimmungstief, also leichte mentale Schwankungen der Mutter nach einer Geburt.
Hier geht es bereits um eine tief verwurzelte Psychose, die eine Mutter dazu treibt, ihre vier Kinder umbringen zu wollen und das, - so klingt nicht nur die Prämisse – ist nervenaufreibender Stoff, der leider viel zu häufig Wirklichkeit wird.

Eine zeitliche Einordnung findet nicht statt, doch es muss Anfang der Achtziger sein, als man beiläufig Atari-Spiele erwähnt. Abgelegen in einem kleinen Farmhaus lebt eine Mutter (Colleen Porch) mit ihren vier Kindern, während Dad als Trucker die meiste Zeit außer Haus ist. Der etwa zehnjährige Jimmy (Ridge Canipe), der Älteste unter den Geschwistern, wird von Dad zum stellvertretenden Hausherrn ernannt, ohne die Vorzeichen um den Zustand seiner Frau wahrzunehmen. Eines Abends findet Jimmy den Säugling tot auf dem Bett und ist von nun an auf sich allein gestellt, um seine Geschwister vor der durchdrehenden Mutter zu schützen…

Es gibt diese Fälle, in denen Kinder ihre eigene Mom nicht wieder erkennen, da Stimmungsschwankungen oder Depressionen nach einer Geburt durchaus vorkommen können und gerade, wenn der einzigen Bezugsperson nicht bedingungslos vertraut werden kann, bekommen Kids bereits einen Knacks weg.
Hier geht man gleich mehrere Schritte weiter und zeichnet eine Frau, die ohne erkennbaren Hintergrund immer mehr die Fassung verliert, wozu der desinteressierte Ehemann gewiss einen großen Anteil beiträgt.
Es ist diese aufgedrängte Routine, mit der alles seinen Weg gehen soll, da ist ein Loch in der Hose des Truckers fast schon die größte Sorge.

Zeitgleich muss die Mutter ihre berufliche Zukunft hinten anstellen und alles zusammen lässt irgendwann die Bombe platzen. Nun sind wir jedoch im Horrorfilm und da tischt man uns direkt mal ein paar Gänge mehr psychotisches Verhalten auf.

Im Grunde verfolgt man ein Katz – und Maus Spiel auf dem Farmgelände und dem Haus und bringt Zwischenschnitte zu Dad, der es eventuell noch rechtzeitig schaffen könnte, bevor am Ende alle tot sind. So versteckt man sich im beliebten Maisfeld, in der hintersten Ecke des Hühnerstalls um einer schwingenden Machete auszuweichen, versucht das Funkgerät einzuschalten und es eventuell bis zum Nachbarn zu schaffen.
Dabei ist das Tempo enorm, die düster-schwammige Farbgebung effektiv abgestimmt und die Kamera grundsolide, um sämtliche Spannungsmomente angemessen festzuhalten.

Die Darsteller wurden gut besetzt, Colleen Porch erinnert ein wenig an Angelina Jolie und ihre Figur in „Durchgeknallt“, agiert in manchen Szenen jedoch etwas überzogen.
Ridge Canipe ist als Jimmy hingegen in jeder Einstellung glaubhaft, dem nimmt man Angst, erschüttertes Grundvertrauen und gleichzeitigen Überlebenswillen jederzeit ab.
Auch die übrigen Mimen spielen grundsolide.

Was der Sache am Ende ein ganzes Stück Glaubwürdigkeit kostet, sind die finalen Szenen, die auf jedweder Basis unlogisch sind, selbst wenn man die grundlegende Einstellung des entsprechenden Charakters berücksichtigt, - die Konstellation der letzten Minuten kann so erst gar nicht zustande kommen, um das Kind jetzt nicht komplett beim Namen zu nennen.
Macht nicht den Film kaputt, schmälert allerdings den Gesamteindruck.

Und dieser ist, ein wenig entgegen einiger Erwartungen, ein fieses Stück Horror-Thriller mit reichlich spannenden Szenen und einer beklemmend garstigen Atmosphäre auf wenig Hoffnung.
Kinder auf der Flucht vor ihrer eigenen Mutter, - klingt erstmal beliebig, wurde aber effektiv und auf den Punkt umgesetzt.
Etwas mehr Tiefe und Raum für feinfühlige Momente wären zwar dem oft vorherrschenden Holzhammer gegenüber von Vorteil gewesen, doch mitreißend gestaltet sich das Paket allemal.
7 von 10


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