Ansicht eines Reviews

Ben X (2007)

Eine Kritik von (Bewertung des Films: 7 / 10)
eingetragen am 04.05.2008, seitdem 1780 Mal gelesen



Vorwort: Ben X, ein Film der Anfangs in eine Richtung geht, die einen
das schlimmste vermuten lässt, dann aber doch noch einen anderen, sehr
schönen und unglaublich überraschenden Weg einschlägt. Auch ein Film,
der nicht für jedermann gemacht ist und der wahrlich kein
Kassenschlager werden wird. Abermals ein Film, der dies jedoch durchaus
verdient hätte.

Inhalt: Ben ist ein junger Mann, der jedoch kein
gewöhnliches Leben führt. Denn seid frühster Kindheit wissen alle: Er
ist nicht normal. Aber das ist nur, was die anderen sagen. Er versteht
gar nicht, wie man normaler sein kann.
So geht er in eine normale
Schule, hat sehr gute Noten und versucht doch ständig, das Verhalten
der anderen „Normalen“ so gut es geht nachzuahmen. Jedoch fällt ihm
dies nicht so einfach wie den besagten „normalen“ Menschen . Er hat
eine Form des Autismus.
Natürlich könnte er ein relativ normales
Leben führen. Währen da nicht seine Mitschüler, die jede Gelegenheit
nutzen, den „Zurückgebliebenen“ zu quälen. Das alles gipfelt darin,
dass er vor der gesamten Klasse die Hose verliert.
Ben verliert sich
aufgrund seiner Probleme immer mehr in einer Onlinewelt. In der Welt
des Spiels „Archlord“ ist er Ben X, ein Level 80 Krieger, der von
allen, weltweit, respektiert wird. Ihm zur Seite steht die „Heilerin“
Scarlite. Doch sie ist nicht nur online seine Heilerin.
Ben verliert
den Mut am Leben, da die Szene seines unfreiwilligen Strips im Internet
zu sehen ist. Ständig wird er von Bogaert und Desmedt verfolgt und
weiter gequält.
Doch irgendwann reicht es Ben. Völlig weltfremdt und verloren in der Onlinewelt will er Rache nehmen.
Doch dann kommt alles anders, als er es denkt...

Meine
Meinung: Absichtlich halte ich mich mit dem Inhalt recht kurz. Denn
erst nach dieser Szene beginnt der Film, wirklich gut zu werden.
Zumindest gilt dies für mich. Denn zu Beginn des Films hatte ich die
Befürchtung, dass der Film eine Richtung einschlägt, die auch gerne in
den Medien aufgenommen wird und mir schon viele Sendungen fürs Leben
versaut haben.
Denn zu Beginn des Films ist die einzig logische
Lösung, dass Ben irgendwann amoklaufend durch die Schule zieht. Dass
dies im Endeffekt nicht der Fall ist, ist der Grund, warum ich im
Nachhinein den Film doch ziemlich gut fand.
Die Geschichte entfaltet
sich zwar recht langsam, aber dafür ist sie gespikt mit dem
Gefühlsleben und den Gedanken eines realistisch dargestellten Autisten,
die schon nah an den legendären Rainman kommt. Wenn sie diese nicht
sogar übersteigt.
Einziger Wehrmutstropen ist die etwas zu krasse
und überzogene Darstellung der „Quäler“, die Ben niemals in Ruhe lassen
wollen. Die beiden sind ein wenig zu sehr nach Schema F aufgebaut, was
ich eher als störend empfand. Auch die schon besagte krankhafte
Wahrnehmung der Umwelt entstanden durch das Spielen eines
Computerspiels fand ich wenig sympatisch, wenn sie auch wahrscheinlich
bei einem Autisten durchaus möglich wäre (soweit gehen meine
medizinischen Kenntnisse nicht, als dass ich das beurteilen könnte)
Schauspielerisch
ist der Film grandios gespielt. Greg Timmermans spielt den Ben so
unglaublich großartig, dass man schon wirklich denkt, dass dieser junge
Mann wirklich Autismus haben muss. Der Vergleich zu Dustin Hoffman in
Rain Man ist absolut zulässig, allerdings hätte ich eine solch große
Leistung nicht in einem kleinen Indi-Movie erwartet. Man kann sich
wirklich in das Leben dieses Autisten hineinversetzten, die Gedanken
und Gefühle, die er Äußert sind unglaublich bildhaft und die meisten
Handlungen kann man hinter diesem Hintergrund auch deutlich verstehen.
Das
Ende und der vorhergehende Weg dahin haben mich auch sehr überrascht.
Hatte ich doch alles erwartet, aber das, was dann wirklich passierte,
war einfach grandios. Allein die Symbolik, als Ben vor dem Licht des
Projektors steht ist einfach nicht zu überbieten und kann in kaum einem
Hollywood-Film gefunden werden.
Die Nebenrollen sind hier zwar nicht
sonderlich überzeugend, mal abgesehen von Scarlite, Bens Begleiterin im
Spiel, verkörpert durch Laura Verlinden und Marijke Pinoy, die Bens
Mutter spielt. Der Rest ist einfach zu stereotyp um wirklich ernst
rüber zu kommen. Dies schadet dem Film allerdings nicht so viel, da die
Rolle von Ben den Film komplett zu tragen versteht.
Technisch waren
einige innovative Ideen dabei. So geht Ben oft durch das Leben und
sieht die Welt als Teil des Spiels, wo er der Held ist. Diese Szenen
werden mir aber ein wenig zu oft strapaziert, zumal sie sich einige
male widerholen.
Auch die Tatsache, dass man ständig auf die Münder
der Schauspieler schaltet ist zwar durchaus eine gute Idee, nervt aber
irgendwann, auch wenn dies vielleicht sogar das Ziel war. Man hätte es
ein wenig seltener einsetzen sollen, meiner Meinung nach.
Zwar ist
der Weg der Geschichtenerzählung, der hier gewählt wurde, nicht
wirklich neu, aber wirkt durchaus passend. Die Erzählweise als
Halb-Biografisch und Halb-Dokumentarisch ist gelungen und ist ein
klarer Pluspunkt des Films.

Fazit: Sicher ein Film, den viele
nicht sehen werden, da er einfach wenig interessant klingt. Aber wenn
man ihn sieht, ist man spätestens nach dem Film überzeugt, dass es
keine vergeudete Zeit war. Jeder, der diesen Film sieht, kann einige
Dinge entdecken, die auch in seinem Wesen liegen und so wird der Film
deutlich zu einem pädagogisch wertvollen Stück. Das gezeigte schockt
zwar niemals wirklich, jedoch ist man im nachhinein geschockt, wenn man
entdeckt, dass man selbst auch zu der Gruppe der Qüaler gehört hat. Der
Film wird aber leider dennoch, und wenn nur hier in Deutschland, in der
Versenkung verschwinden. Schade eigentlich.

7 Punkte


Surprise me!
"Surprise me!" BETA
Lassen Sie sich überraschen! Wir führen Sie zu einem zufälligen Treffer zu einem Thema Ihrer Wahl... Wollen Sie eine andere Kritik von "NJack" lesen? Oder ein anderes Review zu "Ben X (2007)"?


Zur Übersichtsseite des Films
Liste aller lokalen Reviews von NJack

Zurück


Copyright © 1999-2017 OFDb.de - Die Online-Filmdatenbank
Alle Rechte vorbehalten.
Nutzungsbedingungen · Werben · Impressum
Hosted by Net-Build



Quicksearch






User-Center

Benutzername: 
Paßwort:
Login nur für diese Sitzung:

·

792 Besucher online


SSL  SSL-gesicherte
Verbindung aktiv


Abonnement


Abonnement - Bitte erst anmelden
Melden Sie sich bitte an, um Abonnements vornehmen zu können



Neue Reviews


Star Trek - Der Film (1979)
Bolt - Ein Hund für alle Fälle (2008)
Star Wars: Die letzten Jedi (2017)
Haunting at Foster Cabin (2014)
Husk - Erntezeit! (2011)



News


Unser News-Bereich wurde überarbeitet und wird in Kürze weiter ausgebaut werden, damit Sie stets aktuell über alle Neuigkeiten rund um die Welt des Films informiert sind.

» Zum neuen News-Bereich