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Flamenco Surealisto [Kurzfilm] (2007)

Eine Kritik von
eingetragen am 23.04.2008, seitdem 1066 Mal gelesen



Filme in Spielfilm-Länge haben manchmal den Nachteil, daß zuviele Nebenhandlungen die eigentliche Story künstlich aufblähen und daß man sich im schlimmsten Falle, nämlich wenn der Film nicht gefällt, bis zum vorhersehbaren Happy-End langweilt. Oder man schaltet einfach ab und widmet sich anderen Dingen.
Bei Kurzfilmen dagegen wird auf alles Überflüssige verzichtet, man konzentriert sich auf das Wesentliche und spart vielleicht sogar bei den Dialogen. Der Film ist schneller zu Ende und man hat Zeit gewonnen.

Der Kurzfilm "Flamenco Surealisto" entstand durch Studenten im Rahmen ihres Vordiploms. Später gründete sich daraus die Produktionsfirma RATTENSchaf. Als Hauptdarsteller konnten die "Profis" Ellenie Salvo González und Klaus Nierhoff sowie Peer Augustinski als Erzähler gewonnen werden.

Regie führten Katja Klüting und Kai Stänicke. Ihr Erstlings-Werk hat aber schon einen Nachteil: der Film ist zu kurz! Man kann einfach nicht genug bekommen von dieser schrillen Komödie. Für einen 13-Minüter hat dieser Film nämlich erstaunlich viel Handlung. Aber wie schreibt man nun eine Kritik über einen Kurzfilm, ohne zuviel zu verraten?

Bei Hubert Blum, gespielt von Klaus Nierhoff, wird Diabetes festgestellt. Seine spanische Pflegekraft mit dem lieblichen Namen Concepciòn Anita Maria Jimenez Sanchez Perez de la Cruz (Ellenie Salvo González) sieht verteufelt gut aus. Klar, daß sich Hubert sofort in sie verliebt. Concepciòn hat nur einen Nachteil: sie ist lesbisch und liebt ihre russische Freundin Natalia Pawlowa (Annika Blendl). Hubert gibt aber nicht auf, verkleidet sich als Frau und versucht als Lizzy, Concepciòns Herz zu erobern. Fortan verfolgt er seine Auserwählte überall hin und bringt ihr Leben durcheinander. Nach einem Auftritt als Flamenco-Tänzerin flüchtet Concepciòn wieder mal vor Lizzy, bis sie beschließt, ihn/sie zur Rede zu stellen. Es kommt zum Show-Down mit überraschendem Ausgang...

Leicht und locker verwirklichten die "RATTENSchafe" ihren ersten Film. Durch überraschende Wendungen in der Handlung und unter Zuhilfenahme von Trickelementen entstand ein richtig kleines Kunstwerk, daß sich mit einem nichtalltäglichen Thema auseinandersetzt: Was passiert eigentlich, wenn sich ein Hetero in eine Lesbe verliebt?
Störendes Beiwerk gibt es in diesem Film nicht, von Anfang an wird mit Tempo auf das unerwartete Finale hingearbeitet. Die Dialoge sind kurz und knapp gehalten, dafür wird meist wird gekreischt, was das Zeug hält - nämlich immer dann, wenn Lizzy bei Concepciòn auftaucht. Allerdings nervt dieses Kreischen nicht wie in manchen Horrorschinken, sondern unterstützt humorvoll die jeweilige Szene.

Die ungekrönte Kurzfilm-Königin Ellenie Salvo González ("Flamenco Surealisto" ist schon ihr 10. Kurzfilm in ihrer noch kurzen Karriere) zeigt einmal mehr ihre Wandlungsfähigkeit. Als Halb-Chilenin ist sie ohnehin die Idealbesetzung der feurigen Spanierin Concepciòn. Wieviel Temperament und Leidenschaft in ihr steckt, zeigt sie in der Szene, als sie Hubert zur Rede stellt und ihn dabei auf spanisch beschimpft (die deutsche Übersetzung läuft übrigens als Laufband unten durchs Bild und es ist ein Vergnügen, diesen nicht ganz jugendfreien Wortlauf mitzuverfolgen!).

Klaus Nierhoff ist die Freude, mal eine Frau zu spielen, sichtbar anzusehen - keine "Mrs. Doubtfire", sondern eine richtig schrille Tunte, überspitzt dargestellt und trotzdem auch irgendwie liebenswürdig.

Umrahmt wird die Story von heißen Flamenco-Rhythmen. Michèle Lama, Profi-Flamenco-Tänzerin, doubelt Ellenie Salvo González in ihren Tanz-Szenen, Francisco Lama spielt dazu die Gitarre.

Man kann den RATTENSchafen nur wünschen, daß sie mit ihrem Konzept Erfolg haben und noch viele Ideen filmisch umsetzen. Man darf vorallem auf den ersten Film in Spielfilm-Länge gespannt sein. Ihn anzuschauen, wird sicherlich im Vergleich zum Hollywood-Einheitsbrei gut und sinnvoll genutzte Zeit....


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