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Wild Search (1989)

Eine Kritik von (Bewertung des Films: 8 / 10)
eingetragen am 18.07.2005, seitdem 666 Mal gelesen



Als Sergeant Lau Mew - Mew [ Chow Yun Fat ] von seinem Informanten von einem Waffendeal erfährt und mit seinem Partner Nam [ Tommy Wong ] dort auftaucht, geht sofort eine wilde Schiesserei los. Die Gangster können entkommen, nur eine Frau wurde tödlich getroffen, daneben hockt ihre kleine Tochter Ka - Ka. Da die Wohnung nur angemietet wurde, geht man der Heimatadresse nach und landet in einem ländlichen Dorf; Lee [ Ku Feng ],der Vater der Toten und ihre Schwester Chei [ Cherie Chung ] wissen von nichts. Lau nimmt Chei trotzdem mit in die Stadt, erstens um Ka - Ka abzuholen und zweitens um den Vater des Kindes aufzusuchen, den wohltätigen Geschäftsmann Mr. Hung [ Paul Chun Pui ]. Dieser stellt sich zwar dumm, schickt aber seinen Killer Bullet [ Roy Cheung ] auf den Cop los...

Wild Search ist grob gesagt die HK Variante von Peter Weir's Der einzige Zeuge [ 1985 ]. Damit würde man der ersten Eigenproduktion von Ringo Lam aber Unrecht tun, das Drehbuch von Lam's Bruder Nam Yin geht genügend eigene Wege um sich klar von einer Kopie abzuheben. Lam's Regie selber trägt den Film dann sogar sicherer als das amerikanische Vorbild übers Ziel und lässt sich als einer seiner besten und gleichzeitig persönlichsten Arbeiten festhalten.
Die dritte Zusammenarbeit zwischen Regisseur und seinem Star Chow Yun Fat ist eine äusserst gelungene Mischung aus Cop - Thriller, Liebesfilm und Familiendrama, die die verschiedenen Genres kunstvoll ineinander verwebt und daraus ein sowohl spannendes als auch ergreifendes Ergebnis schafft, dass seine Wirkung vor allem aus der Natürlichkeit der Inszenierung bezieht.
Sowohl die Kriminal- als auch besonders die Liebesgeschichte werden sorgfältig aufgebaut und ohne Übertreibungen oder reine Effekthascherei inszeniert, die ruhige Erzählung bekommt genügend Griff durch die fast spürbar übermittelten Emotionen der Charaktere, ohne dabei zu dick aufzutragen.

Dabei verliert man anders als beim Vorbild nie den eigentlichen Ausgangspunkt aus den Augen; wo man sich dort zwischendurch ganz aufs Landleben abschottete und den Cop in der fremden Umgebung beobachtete und erst zum Showdown wieder kurz überblendete, gelingt Wild Search die Abmischung viel flüssiger. Chei wird in den Fall miteinbezogen, obwohl sie zum Unwillen von Lau nicht wirklich zur Mitarbeit Lust hat und selbst dann nicht wirklich die Hilfe ist, die er sich erhofft und er auch dementsprechend ruppig mit ihr umgeht.
Dafür vertritt er sie gegenüber dem Vater des Kindes, der eindeutig Dreck am Stecken hat und sich durch Lau gezwungenermassen 1 Million als Unterhalt für die nichtanerkannte Kleine aus den Rippen geschnitten sieht und auf seine eigene Art reagiert.

Trotzdem stehen die dramatischen Verwicklungen zwischen den Personen
stärker im Mittelpunkt als die reine Aufklärung, besonders das komplizierte und festgefahrene Familienleben von Chei sorgt für Probleme. Ihr Vater gibt der nunmehr Toten die Schuld am Selbstmord seiner Frau und hat sein eigenes Kind verstossen, genausowenig kann er mit dem "Bastard" Ka - Ka anfangen. Ihr fremdgehender und eigentlich geschiedener Ehemann Ah Leung will unbedingt zurück zu ihr und nestet sich dann auch schon mal ohne zu Fragen in ihrem Heim ein, was die zarte Annäherung zwischen ihr und dem Großstadtcop natürlich nicht einfacher macht. Dabei wird ein Porträt der klar verschiedenen Umgebungen von urbaner Gewalttätigkeit und provinziell vorgegebener Gemeinschaft auch gegen den eigenen Willen aufgezeichnet, dass einen auch mitnimmt und berührt, besonders im ersten Umgang zwischen Grossvater und Enkel sogar traurig und wütend stimmt.

Auf Action wurde dabei natürlich nicht gänzlich verzichtet, derartige Szenen sind wie von Lam gewohnt und hier natürlich auch angebracht naturalistisch und ohne Exzesse gefilmt worden, und wirken dann durch ihre geschickte Eingliederung in die Narration ebenso wie durch ihren rauhen Stil.
Der feurige Showdown hält dann ungewohnt vom Pessimisten Lam erfreulicherweise kein tragisches Ende bereit; auch vorher sorgen kleinere Auflockerungen des Geschehens vor allem durch den hier grossartigen Tommy Wong trotz der vielen düsteren Bilder für Erleichterungen.
Zu den Darstellern braucht man übrigens nichts sagen, mögen einige der Darsteller [ Chun, Cheung ] Standardrollen innehabe, so passt das Ensemble dennoch exakt und agiert durchgängig glaubhaft.

Ein wirklich guter, und leider oft übersehener Film, der fast perfekt zwischen Spannung und Melancholie pendelt.


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