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Berlin Calling (2008)

Eine Kritik von (Bewertung des Films: 5 / 10)
eingetragen am 11.03.2011, seitdem 1175 Mal gelesen



Oh oh, es wird mal wieder Zeit sich unbeliebt zu machen. Berlin Calling ist wieder ein mal ein deutscher Film, der bei sämtlichen Film-Fans hoch gefeiert wird. In erster Linie kommt der Film als reiner Musikfilm daher und als Solcher macht er vielleicht sogar alles richtig. Doch für mich war das große Problem die künstlich erzeugte Tragik drumherum. Wir bekommen einen drogensüchtigen DJ (Paul Kalkbrenner als DJ Ikarus) geboten, der durch seine ganzen Drogeneskapaden irgendwann in einer Art Irrenanstalt landet. Körperlich und seelisch ist er total am Ende, nur die Liebe zur Elektromusik hält ihn noch am Leben. Verzweifelt versucht der Film zu übermitteln, wie tief "DJ Ikarus" in seiner Musik versunken ist, doch leider leistet er dabei keinerlei Überzeugungsarbeit. Zunächst war es, aus meiner Sicht, ein gewaltiger Fehler, dass Paul Kalkbrenner quasi sich selbst spielt. Man merkt sofort, dass Herr Kalkbrenner mit der Schauspielerei eigentlich nicht wirklich viel am Hut hat. Auch die Nebendarsteller, mit Ausnahme von Corinna Harfouch als strenge Ärztin, wirken zum größten Teil sehr blass und bedeutungslos. Besonders Mathilde, die Freundin von "DJ Ikarus", war eine äußerst nervige Figur, was nicht zuletzt an der eindimensionalen Performance der Schauspielerin lag. Ich nahm ihr die Rolle zu keiner Stunde ab, ich fragte mich nur, was ihre Figur verkörpern sollte? Der starke Halt für den DJ? Dazu geht der Film viel zu wenig auf die Beziehung ein. Dafür bekommt man nur zu sehen, wie Kalkbrenners Freundin des öfteren mal blank zieht, vor allem dann wenn es total unpassend ist. Das ist auch so einer der Aspekte, weshalb mir der Film nicht gefiel. Was genau bekommen wir nochmal zu sehen? Einen drogensüchtigen DJ, Sex, Musik, nochmal Sex, wieder Musik, blanke Brüste, wieder Musik, Ausraster vom DJ, Leben in der Anstalt, Sex (diesmal sogar einen Dreier), blanke Brüste, Musik, Ausraster vom DJ und am Ende ein absolut zähes Finale, welches sich dahinzieht wie Kautschuk. Besonders bei der Phase in der Irrenanstalt war ich doch ganz schön erschrocken, wie viel sich der Film hier doch beim Meilenstein "Einer flog über das Kuckucksnest" bedient. Die Rebellion gegen das Personal, der stumme Patient, das Therapiegespräch und nicht zuletzt das Einschleusen der Prostituierten und der Beinahe-Sex mit den Patienten. Es ist wirklich schade, denn der Film hätte durchaus für mich ein grandioses Meisterwerk werden können, wenn er versucht hätte eigene Wege zu gehen. So sticht nur ein wenig die Musik hervor, da diese Musikrichtung bisher kaum Beachtung in Filmen bekommen hat. Aber auch die Musik wirkte auf mich nach einiger Zeit zu eintönig und nervig. Ok, die Musik hat ihre Anhänger und das ist wirklich Geschmackssache. Aber wäre der Film dann nicht besser dran gewesen als reine Doku über Paul Kalkbrenner? Dann wäre auch die, viel zu häufig in Erscheinung tretende, Musik nicht so nervig für mich gewesen, zumal sie meist in den unpassendsten Momenten eintritt. Zudem hätte ich mir gewünscht, dass man viel mehr Zeit in seine Rehabilitation steckt. Man bekommt kein genaues Bild davon, wie Kalkbrenner die Kurve kriegt. Ja ok, die Musik hält ihm am Leben und er krallt sich mit Allem was er hat an sein Album, doch soll das wirklich ausreichen für eine glaubwürdige Entwicklung? Wenn ja, hätte ich mir viel mehr Charaktertiefe gewünscht. Man hätte zudem die Gedankengänge von Kalkbrenner deutlicher zeigen sollen, von mir aus auch in rauschenden Bildern. Dem Zuschauer hätte gezeigt werden sollen, wie "DJ Ikarus" durch seine Schizophrenie, die Welt mit seinen Augen sieht. Aus dieser Sicht hätte ich den Film viel nachvollziehbarer empfunden. So plätschert der Film die ganze Zeit vor sich hin, kümmert sich kaum um die Charaktere und lässt lieber nur andauern die Musik sprechen (und zeigt immer wieder mal belanglose Sexszenen, die zur Story rein gar nichts beitragen). Es ist schwierig diesen Film zu empfehlen, da er so oder so schon von den Meisten hochgelobt wird. Ich würde eher sagen, es handelt sich hierbei um einen typischen "Love It or Hate It Movie". Jeder sollte sich den Film vielleicht 1x anschauen und dann selbst urteilen. Mein Geschmack traf er, aufgrund der mangelnde Story-Tiefe und der zu plumpen Charaktertiefe, leider nicht. Wie ein Musikfilm es, aus meiner Sicht, richtig macht zeigen die Filme "Ray" und "Walk the Line", wo sämtliche Überzeugungsarbeit aufgeht.


Fazit : Überbewertetes deutsches Werk, das unglaublich viel Potenzial nicht nutzt. Den Hype um diesen Film kann ich somit nicht ganz nachvollziehen. Da bin ich aus Deutschland deutlich Besseres gewohnt. Allerdings auch viel viel Schlechteres.


5/10


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