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Wrestler - Ruhm. Liebe. Schmerz., The (2008)

Eine Kritik von (Bewertung des Films: 8 / 10)
eingetragen am 27.01.2009, seitdem 1204 Mal gelesen



The Wrestler


Inhalt
Randy "The Ram" Robinson, seines Zeichens Wrestlers, 80er Jahre Superstar der Szene und Liebling aller Trailer Park Kids, Vater, mehr physisch als psychischer Invalide und doch gebrochener Mensch. Seine besten Zeiten lange hinter sich, den Kopf immer noch erhoben, körperlich schwach, aber geistig stark fightet Randy als sein Alter Ego "The Ram" seinen Weg in Richtung Pension. Der Film begleitet den vielmehr alten als alternden Star weder auf seinem Aufstieg noch auf seinem Fall, sondern auf seinem Ausstieg, welcher unerwartet schnell nach einem Herzversagen auf den Hühnen wartet. Zwischen Packerjobs und der Wursttheke behält der scheinbar ewige Optimist seinen Humor - doch mit der Erkenntnis dass er jegliche Schmerzen in seinem Leben, durch sein Fehlverhalten seiner Liebe, der Stipperin Cassidy, und seiner Tocher Stephanie gegenüber, ausserhalb des Ringes erfahren hat ist seine Rückkehr in den Ring beschlossen. Mit kaputtem Herzen, aber ungebrochenem Willen setzt er zum letzten Ram Jam an...


Meinung
Aronofsky. "Requiem for a Dream" und "The Fountain" - ein bissche "Pi" auch noch. Zwei Meisterwerke und ein halbes, aber drei visuelle Sahnestücke, akustisch mit feinsten Scores unterlegt und auf tiefgehender Symbolik und Aussage aufgebaut. "The Wrestler" dann das volle Kontrastprogramm, schon laut Trailer dumpf, visuell eher ein "Pusher" als die Evolution von "The Fountain". Wenn man aber eben jene drei Filme in eine Reihe stellt, dann haben sie eines gemeinsam: sie haben Substanz, viel weitreichender als die Optik und der Sound, von welchen man sich aber zugegebenermaßen sehr gerne den Film versüßen hat lassen. Und über diese Reihe an Filmen hinweg besaß diese Substanz eines nicht: Konstanz, auch wenn der lose Zusammenhang sicher auf der Darstellung der Grenzerfahrungen "Paranoia", "Abhängigkeit" und "Tod" beruht. Das ist also der wahre Maßstab, an dem sich The Wrestler messen muss: Substanz und Innovation.

Vielleicht mag die 80er Jahre Heavy Metal Musik nicht ganz so grazil sein wie ein Streichorchester in "The Fountain", ihren Zweck erfüllt sie aber genauso zuverlässig in Kombination mit, mal wieder, feinsten Scores, melancholisch und eingehend. Erster Punkt: erfüllt, mit kleinen Abstrichen.
Ich mache es kurz: auch die Optik lasse ich mal halb unter den Tisch fallen in dem ich die reine Zweckmässigkeit bewerte. Fazit: super, so schnell geht es - einfache, stumm folgende Kameraarbeit als exzellent bewerten, wenn man nur die Zweckmäßigkeit betrachtet. Der Film handelt von einem "broken piece of meat", wie sich der Wrestler ungeschminkt in Selbstkritik beschreibt, warum soll die Kameraarbeit dann voll schnieker, bunt-hipper Stilmittel stecken? Zweiter Punkt: sehr gut erfüllt.
Damit wären die beiden ersten Punkte, obwohl völlig atypisch gewählt für Aronofsky, vollkommen zweckmäßig und daher exzellent. Wie schon beschrieben, auch wenn die Filmographie das bisher nahezu verlangt hat, so war das nicht der Kern des Schaffens bisher, sondern die Substanz. Und hier kommt "The Wrestler" nun nicht mehr ganz so einfach davon. Der Film handelt von einer Person, einer einfachen Person, die nicht viel vom Leben erwartet. Die vielleicht seine besten Jahre schon hinter sich hat, aber darum geht es nicht. Der Film handelt von einer guten Person. Einem optimistischen Menschen, der sich einer Sache verschrieben hat, der für das Publikum lebt, aber sein Dasein kritisch hinterfragt und sich dennoch seinem Schicksal als Marionette des einfachen Menschen hingibt. Substanz, das bedeutet auch dass sie von Schauspielern getragen wird und hier kommt Mickey Rourke ins Spiel. Mickey IST "The Ram", er wurde für diese Rolle geschaffen. Hat er schon bei "Spun" bewiesen, den eiskalten Unterschichtsdealer zu spielen, sicher auch in "Sin City" überzeugt, so wirkt er hier wie von der Leine losgelassen. Quasi eine neue Version seines "Spun" Charakters mit Tiefe, mit Gefühlen. In dieser Hinsicht geht wohl doch ein Meisterwerkspunkt an Aronofsky und seine Wahl. Ansonsten beweist "The Ram" jede Menge Wortwitz und stellt seine Klasse wohl sehr beeindruckend dar: gut-dumm und leicht instrumentalisierbar. Aber ich glaube ich entferne mich damit schon zu weit vom Kern. Kurz und knapp sei darauf hingeführt, woran es "The Wrestler" zum Meisterwerk fehlt: den Beziehungen. Auch wenn ich Aronofsky unterstelle hier eher ein Charakter- und kein Beziehungsportrait anvisiert zu haben, so muss er sich doch mit den besten seines Faches messen und da gibt es in der Hinsicht eben doch mehr zu bieten als die zugegebenermaßen einfache Plot- und Bezieungskonstellation "fuck-up - Versöhnung - fucks up again" (und das auch noch gleichermaßen bei beiden zentralen Charakteren: Cassidy, der Stripperin und Stephanie seiner Tochter), die schließlich in der Climax endet.
Schwamm drüber, ich bin bekennender Aronofsky Fanboy und der Showdown inklusive Auflösung ist pure Magie. Gänsehaut pur, wenn Randy sich langsam auf den Seilen zum vielleicht letzten "Ram Jam" hochrappelt...


Fazit
Noch bin ich mir nicht wirklich sicher über das Grundthema bei Aronofsky's neuestem Streich. The Wrestler ist sicher nicht sein Lebenswerk, aber dennoch eine begrüßenswerte, Boden-nahe Rückker nach einem hoffentlich in Symbolik nicht mehr weiter überbotenem "The Fountain". Eines IST aber sicher und das ist, dass Aronofsky einer dieser Filme gelungen ist, die nicht in abgehobener, mit künstlerisch verquollenem Metablick, respektloser Weise einfache Menschen als schlecht abstempeln. Vielmehr, und das ist mir Gold wert, hat er einen sensiblen Charakter geschaffen, der nicht intelligenter als er ist dargestellt wird nur um des guten Willens, sondern einfach nur wie er ist: als guter Mensch, einsichtig, aber dennoch nur eine Marionette seiner Rolle für die er sich lange Zeit zuvor entschieden hat und aus der er nun nicht mehr fliehen kann. Aronofsky zeigt unverblümt gesellschaftlich gescholtene Milieus ohne sie abzuwerten: nudity und striptease im Stripclub war wohl noch nie familiärer als hier, Leben im Trailerpark und soziales Zusammensein mit Trailerpark Kids hatte noch nie mehr Respekt bekommen als durch diesen Film. Ganz groß.
Fazit: wundervoll, aber nicht meisterlich - mit viel Substanz und in der Kontinuität der bisherigen Filmographie konsequent innovativ.


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