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Wrestler - Ruhm. Liebe. Schmerz., The (2008)

Eine Kritik von (Bewertung des Films: 9 / 10)
eingetragen am 27.02.2009, seitdem 818 Mal gelesen



Das Leben hinter/ in den Seilen

The Wrestler – Ruhm. Liebe. Schmerz. (2008):
Randy (Mickey Rourke) ist ein ausgebrannter, ehemaliger Wrestling-Star. Außerhalb der Arenen scheint das Leben nicht viel für ihn übrig zu haben. Er ist ein Kämpfer für das Publikum ... und bereit den Preis dafür zu bezahlen.


Inhalt: Randy „The Ram“ Robinson (Mickey Rourke) hat den Zenit seiner Karriere vor 20 Jahren überschritten. Heute steht er vor dem Scherbenhaufen seines Lebens: Der ehemalige Profi-Wrestler tingelt nur noch durch Mehrzweckhallen, sein Körper ist gezeichnet vom jahrelangen Raubbau, finanziell lebt er am Existenzminimum. Das bisschen Geld vom Wrestling reicht ihm noch nicht mal für den Arzneimittelmix, den er für die Muskeln und gegen die Schmerzen braucht. Es ist das Leben im Ring, das ihn nicht loslässt. Dafür hat er alles geopfert: seine Gesundheit; seine Tochter. Doch nach einem fulminanten Kampf, der den Beginn seines Comebacks verspricht, bricht Randy in der Umkleide zusammen: Herzinfarkt. Im Krankenhaus wird ihm ein Bypass gelegt. Medizinisch ist seine Karriere beendet. In seiner Verzweiflung sucht er die einzige Person auf mit der er reden kann. Die Stripperin Cassady (Marisa Tomei) hat ein offenes Ohr für ihren Kunden Randy. Ihre Situation ähnelt sogar ein wenig der Seinigen. Jüngere Kolleginnen verdrängen sie von der Bühne, zu Hause wartet ein Sohn und ihr Traum ist eine Eigentumswohnung weit weg von hier. Obwohl sie strikt Privatleben und Job trennt, hilft sie dem Wrestling-Aussteiger den Kontakt zu seiner Tochter (Evan Rachel Wood) wieder herzustellen. Nach dem ersten Tiefschlag erfüllt Randy ein zweites Wiedersehen mit Hoffnung. Nähe zur Tochter, ein privates Treffen mit Cassady und ein Wochenendjob an der Delikatessentheke – er hätte nie gedacht, wie viel Leben außerhalb der Seile auf ihn wartet. Doch Randy kennt den Fall nach dem Aufstieg. Cassady zieht sich zurück. Sie möchte, kann aber nicht, mit einem Kunden etwas anfangen. Randy versetzt seine Tochter – die letzten Bande zwischen den Beiden sind zerrissen, es gibt kein Zurück mehr. Selbst in seinem neuen Job findet er keinen Halt. Als ein Kunde ihn als „The Ram“ erkennt, schmeißt er hin. Trotz aller Schmerzen und Bedenken, am Ende bleibt ihm nur eins: Der Ring und das Publikum.

Review: In allen Werken von Darren Aronofski scheitern Figuren an sich selbst. Sie stecken in der Krise, sind zum Scheitern verurteilt, hoffen auf den Traum, die Liebe, die Unsterblichkeit – doch am Ende stellt sich alles als Utopie heraus. Die Liebe verpasst und utopisch, der Traum bleibt weit entfernt und der Köper versagt, ist krank oder altert. Darren Aronofski besticht bei seinen Filmen auf zweierlei Ebenen: „Pi“, „Requiem For A Dream“ und „The Fountain“ erzählt er in hoch stilisierter Weise, er schockt und stockt den Fluss durch Techno-Stakkato-Cuts und montiert seine Filme auf höchster Ebene der Erzählkunst. Dabei – und das ist das Besondere an Aronofski – sind diese Stilmittel nie Selbstzweck, sondern immer Träger der Geschichte, immer dramaturgisches Mittel. Virtuos geht er mit Bild, Ton und Erzählstruktur um, was ihn aus meiner Sicht zu einem der Filmemacher unserer Zeit macht. Aber Aronofski ist eben mehr als moderner, stilsicherer Filmemacher. Er ist ebenfalls ein hervorragender Schauspielerregisseur. Und „The Wrestler“ ist ein weiterer Beweis hierfür. Aronofski verzichtet auf die ästhetisierten Bilder von Matthew Libatique, mit dem er all seine Filme gemacht hat und setzt auf die Handkameraarbeit von Maryse Alberti. Nicht nur die Kamera, sondern das Zusammenspiel der Departements erschafft die Welt des Wrestlers Randy „The Ram“ Robinson. Und diese Rolle ist Mickey Rourke auf den Leib geschrieben, im wahrsten Sinne des Wortes. Der Schauspieler, selbst entstellt durch eine Mischung aus Schönheitsoperationen und Boxkämpfen, zieht einen in die Umkleideräume des Wrestlings, in die Kälte des Trailerparks, in die Einsamkeit und Ausweglosigkeit. Rourke verleiht ihm aber auch Humor und eine sehr weiche Seite. Die Schmerzen des geplagten Körpers spürt man in jeder Faser. Die morschen Knochen, die verhärteten Muskeln – nichts scheint sich mehr einzurenken. Symbolhaft für das Lebensgefühl der Hauptfigur. Alles was bleibt und was er versteht befindet sich irgendwo zwischen den Seilen. The Ram würde gern anders. Aber tragischen Figuren ist das Scheitern vorgeschrieben. Es sind nicht äußere Mächte, die ihn zwingen zu scheitern – es ist das eigene Seelenleben.
Auch wenn der klare Fokus auf dem Wrestler liegt, überzeugen die beiden weiblichen Darsteller in ihren Rollen. Vor allem Marisa Tomei als verständnisvolle Stripperin, Mutter, Freundin, deren Lebenswelt ebenso spannend erscheint wie die des Wrestlers. Ein kleines Manko ist vielleicht hierbei, die geringe Schnittmenge der Beiden – der nur kurze Fokus. Aber auch dies zeigt nur was vielleicht sein könnte und doch nicht möglich ist.
Aronofski zeigt Erzählkino. Zeigt einen Menschen, der mit der Welt nicht viel anfangen kann. Eine gebrochene Seele in einem Körper, der so sehr dem Schönheitsideal folgte, dass er nun entstellt ist.

Ein großartiger Film mit viel Feingefühl inszeniert, einem unglaublichen Mickey Rourke und daher

9 von 10 Punkten


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