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Wrestler - Ruhm. Liebe. Schmerz., The (2008)

Eine Kritik von (Bewertung des Films: 9 / 10)
eingetragen am 05.03.2009, seitdem 819 Mal gelesen



Randy „The Ram" Robinson (Mickey Rourke) lebt in zwei Welten. In der einen ist er ein stets von Geldsorgen geplagter Supermarkt-Angestellter, dessen Karriere als Profiwrestler schon seit 20 Jahren ihren Zenit überschritten hat, hat Probleme mit seiner Tochter, die nichts von ihm wissen will und versucht seine menschliche Einsamkeit zu überwinden, indem er die Nähe der spröden Stripperin Cassidy (Marisa Tomei) sucht. In der anderen ist er eine Legende des Wrestling, schart Wochenende für Wochenende eine Horde von aufgeheizten Fans um sich, die von ihm - wie vor 20 Jahren - eine gute Show geboten bekommen wollen. In der zweiten Welt, die allerdings zwangsläufig an die erste gekoppelt ist, fühlt sich Randy eher zuhause. 

Noch ahnt er nicht, dass beide Welten Trümmerhaufen sind, weil er selbst aus Trümmern besteht. Er war nie ein guter Vater, eher ein egoistischer Zirkusartist der für seine Kunst lebte und lebt, weswegen er es - wie er in einer Szene weinend eingesteht - verdient hat, allein zu sein. Sein Körper ist gezeichnet vom jahrzehntelangen Training und der Einnahme von den Muskelaufbau fördernden Substanzen, Randy trägt ein Hörgerät. Sein Herz ist hinüber und wenn er während einer Autogrammstunde seiner ge-lebten Kunstfigur Randy „The Ram" Robinson sich bei all den ebenso abgewrackten, aber sehr viel mehr abgestumpften Kollegen so umsieht, die Autogramme verteilen, während ihnen Urin aus Blasenkathetern rinnt, so kann er nur zur Einsicht kommen, dass er diese Figur über-lebt hat. Er hat den Zeitpunkt überschritten, an dem es sinnvoll gewesen wäre, auszusteigen, das Wrestlen an den Nagel zu hängen und ein vergleichsweise normales Leben mit Frau und Kind zu führen. Doch seine Passion hat gesiegt und selbst das zwischenzeitliche Intermezzo, „seriös" zu werden, sich aufgrund eines wohlmöglich irgendwann tödlichen Herzleidens vom professionellen Show-Kampf zu verabschieden, ging schief. Seine Tochter verachtet ihn nach vorheriger, zaghafter Annäherung noch mehr, für seine potenzielle neue Liebe Cassidy scheint er nur ein Kunde zu sein, der für ihre Dienste zahlt und mit dem sie sich nicht einlässt.

Darren Aronofsky hat gewagt und gewonnen. Er hielt sich bei seiner subtilen Inszenierung sehr zurück, gibt Mickey Rourke sehr viel Raum, seine grob wirkende, aber hochsympathisch wirkende Figur mit Leben zu füllen und angesichts Rourkes Karriere als Amateurboxer vermag man nicht klar herauszustellen, wo Method Acting in dieser Figur des Randy endet und an welchem Punkt große Schauspielkunst beginnt. Wir folgen Randy auf Schritt und Tritt, fast schon als Stalker, mit einer wackeligen Handkamera in der Third Person-Perspektive beinahe überall hin. Wir leiden mit ihm, wenn er vom Arzt gebeten wird, seine Laufbahn als Profi-Wrestler für seine Gesundheit sein zu lassen. Und wir hören, wenn er sich durch das Übernehmen von Überstunden in der Feinkostabteilung des Supermarkts (beim Versuch, dies zu beherzigen) vor dem Betreten seines neuen Arbeitsplatzes die tobende Menge herbeiwünscht, sein Publikum, das ihn bejubelt. Der Verzicht auf diesen Ruhm, oder besser: das letzte Rühmliche in seinem Leben fällt ihm sichtlich schwer. Mickey Rourke kann das zeigen, kann uns in die Psyche dieses Menschen, der mit einem Kind aus der Nachbarschaft ein Game für NES mit ihm als virtueller Spielfigur spielt und damit noch stärker als in anderen Momenten der eigenen Vergangenheit als besserer Zeit nachtrauert, ganz tief eindringen lassen.

Doch Randy, dieser harte und etwas grobe Brocken, lebt ein hartes Leben. Wir bekommen auch einen Einblick in den Alltag von Wrestlern, wenn eine Kameradschaft herrscht, aber auch harte Kämpfe geführt werden, die auch schon mal blutige Wunden verursachen. Für das Publikum ist das nur eine große Show (und nichts Anderes wollen die Wrestler abliefern), doch für die Gegner ist es harte Arbeit und eben auch eine andere Welt, wenn sie sich während eines Kampfes leise gegenseitig fragen, ob der Andere oder der Ablauf ok ist. Diese Welt ist in sich geschlossen, funktioniert autonom von der des Publikums, endet aber just in dem Moment, als der Kampf vorbei, die Show zuende, der Star den Schauplatz, die Manege verlassen hat. Diese Welt in der Welt, diese Subkultur ist bevölkert von Leuten, die zusammenhalten, von Freunden, die gesundheitlich am Limit leben, auch wenn die Brutalität im Kampf zum Teil gespielt ist.

Intime Einblicke werden uns von Kameramann Maryse Alberti geliefert, die auch vor Blut, Wunden und nackter Haut nicht zurückschrecken, ja, sie regelrecht exponieren in ihrem realistischen Look, und selten auch jene Bilderstürme, wie wir sie aus The Fountain kennen, wenn der Glamour des Profiwrestlens kurz auflebt, um dann wieder seine Kehrseiten mit geringer Bezahlung, Alltag im Trailerpark und irgendwie gescheiterten Existenzen zu offenbaren. The Wrestler ist ein intensives Drama um Ruhm, Liebe und Schmerz - so verspricht es schon der deutsche Untertitel, der dieses Mal treffender wohl nicht sein könnte. Marisa Tomei und Mickey Rourke haben einen entscheidenden Anteil daran, dass dieses menschliche Drama funktioniert und die zwei Welten, die aufeinanderprallen, mehr Anknüpfpunkte aufweisen als zunächst angenommen. Der emotionale Trümmerhaufen kann schließlich ohne den körperlichen auch nicht leben. Hart, intim und brillant gespielt ohne Pathos (9/10).       


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