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Wrestler - Ruhm. Liebe. Schmerz., The (2008)

Eine Kritik von (Bewertung des Films: 6 / 10)
eingetragen am 01.04.2009, seitdem 1134 Mal gelesen



Ob es wohl zu den überwiegend überschwänglichen Kritiken gereicht hätte, wenn, wie ursprünglich vorgesehen, Nicholas Cage die Rolle des Wrestlers übernommen hätte?
Sicher nicht. Denn Mickey Rourke spielt sich größtenteils selbst, mit viel Hingabe, vollem Körpereinsatz und jeder Menge Selbstironie.
Das ist durchaus spannend zu beobachten, wie die Kunst des Scheiterns mit einfachen Mitteln in Szene gesetzt wurde, doch die Geschichte wird zu berechnend verpackt, um am Ende wirklich mitzureißen.

Rourke hat die Höhen und Tiefen des Showbiz ebenso miterlebt wie seine Figur des alternden Wrestlers Randy `Ram´ Robinson, der in den Achtzigern gefeiert wurde und nun in einem Trailer haust und mit drittklassigen Kämpfen seinen Lebensunterhalt verdient.
Als er nach einem Kampf einen Herzinfarkt erleidet, scheint seine Karriere endgültig beendet…

…was man über Rourke auch einige Jahre dachte, nachdem er nach diversen Box – und Botox-Veranstaltungen für einige Zeit in der Versenkung verschwand.
Hier zeigt er als Schauspieler mit ungeheurer Präsenz, dass von dem Mann eventuell doch noch Einiges zu erwarten ist, auch wenn ihm Regisseur Darren Aronofsky hier offenbar alle Freiheiten gibt und die Handkamera nur selten von seiner breiten Schulter weicht.
Problemlos trägt er diese One-Man-Show und fasziniert teilweise schon aufgrund der inneren und äußeren Zerrissenheit und der damit verbundenen Glaubwürdigkeit.

Schade ist nur, dass seiner Welt keine interessanten Impulse beigefügt wurden, die sein Scheitern auf Raten interessanter erscheinen lassen.
Etwa seine einzige Vertraute Cassidy (Marisa Tomei), die als Stripperin im Nachtclub arbeitet, als gute Seele fungiert und letztlich dazu rät, den Kontakt zur Tochter (Evan Rachel Wood) wieder aufzubauen.
Gut sind zwar die ruhigen, emotionalen Momente, wie ein nostalgischer Tanz oder eine große Halle aus Kindheitstagen, doch der tatsächliche Einfluss beider Figuren beschränkt sich auf ein Minimum, was eben der Nachteil ist, wenn sich der Rest zu sehr um die Hauptfigur dreht.

Zwar unterstreicht die in die Jahre gekommene Stripperin die Körperlichkeit und zugleich die Härte, dass bestimmte Geschäfte kein Mitleid mit alternden Körpern haben, doch am Ende kristallisiert sich ihre Figur, genau wie die der Tochter, als notwendiges Beiwerk heraus ohne wirklich entscheidenden Einfluss auf die Hauptfigur auszuüben.

Es ist der Selbstzerstörungstrip einer Person, was aufheitert, wenn der Showman hinter der Fleischtheke mit seinen Kunden flachst oder sich von alten Omis drangsalieren lässt und genauso nachdenklich stimmt, wenn alternde Wrestler auf einer Convention kaum etwas verkaufen und ermüden, während sie ihre Zeit absitzen.
Und genauso zeigt sich die volle Härte des Showbiz Wrestling, wenn mit Klingen, Stacheldraht und Leiter gearbeitet wird und am Ende eines Kampfes schon mal blutbesudelte Körper ächzend den Ring verlassen.
Was den Sport an sich so greifbar macht, ist die Nähe zum Geschehen und die Natürlichkeit, mit der dieses schnörkellos eingefangen wird, - ob Steroide und Schmerzmittel an den Mann gebracht oder im Vorfeld Verlaufstaktiken des anstehenden Kampfes besprochen werden – hier entsteht kein verzerrtes Bild dieser Sportart.

Dennoch, so sehr Rourke auch bemüht ist, seiner Figur feine Nuancen zu verpassen und mit voller Hingabe eine wirklich tolle Leistung abliefert, so wenig fesselt die Geschichte mit Fortdauer der Entwicklung.
Sie unterhält zwar, weil sie das Innenleben des Wrestlers mit ordentlicher Tiefe versieht, doch die Welt um ihn herum scheint still zu stehen, - wie in den Achtzigern verharrt, den Glanzzeiten des Sportlers als auch des Schauspielers Rourke.
Als fast dokumentarisches Portrait grundlegend solide, als Drama hingegen zu farblos.
6,5 von 10


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