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Wrestler - Ruhm. Liebe. Schmerz., The (2008)

Eine Kritik von (Bewertung des Films: 8 / 10)
eingetragen am 01.06.2009, seitdem 488 Mal gelesen



Beschränkt auf einen eng gefassten Kern ist The Wrestler ein Sportler- und Loser-Drama, wie es schon viele gab und geben wird. Entfächert man jedoch diesen Kern und weitet ihn zur vollen Größe aus, offenbart sich durch die frontale, fast schon schmerzlich direkte Konfrontation mit Story und Charakteren, in die der Film den Zuschauer drängt, etwas ganz Eigenes und Besonderes.
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Randy 'The Ram' Robinson war in der 80er Jahren DER große Star der amerikanischen Wrestlingszene. Seine Kämpfe beigeisterten ein Millionenpublikum. 20 Jahre später ist vom Glanz alter Tage wenig geblieben, Randy tingelt mit dem Kämpfertross durch miefig-kleine Hallen, kann kaum Geld für die Miete aufbringen, wird von seiner Tochter gehasst. Alles, was ihm bleibt, ist das Wrestling. Doch ein Herzinfarkt zwingt ihn, sein bisheriges Leben zu überdenken...
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Wie in seinem Meisterwerk, dem bildgewordenen Drogentrip mit anschließendem kalten Entzug Requiem for a Dream, scheut Darren Aronofsky nicht davor zurück, seinen Protagonisten bis aufs Letzte fertig zu machen. Im Gegenteil, der Regisseur lässt seinen Randy ‚The Ram‘ Robinson einen harten und ungeschönten Weg zurücklegen, an dessen Ende immer nur die vier Ecken des Rings auf ihn warten. Wo Aronofsky in seinen bisherigen Regiearbeiten mit optischen Extravaganzen und metaphorischen Bilderreigen glänzte, ist The Wrestler visuell auf die minimalst mögliche Distanz zu den Darstellern reduziert. Sein optisches Highlight sind weder spektakuläre Kamerafahrten, noch Special Effect Shots. Nein, es ist der geschundene Körper und das verquollene Gesicht des Mickey Rourke. Ganz allein an ihm tobt Aronofsky seinen Gestaltungsdrang aus und portraitiert dabei in der Schonungslosigkeit des vollständigen Niederganges einen Mann, der in seinem Leben den Punkt verpasst hat, an dem es darauf angekommen wäre, mehr als nur das zu können, was zu leisten er am Besten im Stande ist. Der Ring ist Randys Wohnzimmer, das Publikum (wenn auch nicht mehr so zahlreich, wie zu seinen Glanzzeiten) ist seine Familie, für sie würde er alles tun. Der Mikrokosmos der unterklassigen Wrestlingveranstaltungen, der weitab von dem Glamour und der Öffentlichkeit der in der Titelmontage rekapitulierten Erfolge Randys stattfindet, begegnet ihm mit viel Respekt und Zuneigung. Der Nachwuchs bittet ihn um Rat, die alten Recken begrüßen ihn als einen der Größten ihrer Zunft.
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Doch außerhalb dieses von vielen als „Scheinsport" verschrieenen Showgewerbes steht Randy vor dem Abgrund. Bei aller Popularität hat er es weder zu nachhaltigem Reichtum, noch zu einem Familienleben geschafft. Aronofsky gestattet Randy hier nicht mehr, als das gelegentliche Aufkeimen eines Hoffnungsschimmers, nur um ihn dann wieder und wieder auf die Art auf dem Gesicht landen zu lassen, die er nicht einfach wegstecken und selbst zum Gegenschlag ausholen kann. Der Regisseur geht dabei um einiges weiter, als es für das Genre üblich ist und manchmal sogar weiter, als es dem Film gut tut. Die vielen Momentaufnahmen, die aufgrund ihrer technischen Umsetzung weniger inszeniert, sondern vielmehr wie zufällig entstanden wirken, liefern Randy oft reiner Lächerlichkeit aus, treiben ihn so weit in die Ecke des abgewrackten Verlierers, dass es teils arg schwer fällt auf emotionaler und nicht bloß voyeuristischer Ebene an seinem Schicksal teil zu haben. Zwar wird hierdurch bravourös vermieden, dass der Film sich in den zahlreichen Klischeefallen des Genres verliert und ein beispielhafter, dokumentarisch anmutender Umgang mit dem puren Abbilden des Schicksals geboten. Dadurch desensibilisiert einen der Film aber auch recht schnell hinsichtlich des Gezeigten. Außerdem versieht Aronofsky, abgesehen von der angesprochenen Titelsequenz, in der Zeitungsartikel und Kommentatoren Auskunft darüber geben, wer dieser Randy ‚The Ram‘ einmal war, den Film mit einer stringenten Gegenwärtigkeit, in der man über den genaueren Werdegang des Menschen Robin Ramzinski (so sein wirklicher Name, den Randy, wie wohl die gesammte damit verbundene Identität, abgelegt hat) nichts konkretes erfährt. Man wird unumwunden Zeuge seines Niedergangs, was in Kombination mit dem Wrestling-Setting, in dessen Mechanismen sich wohl nicht jeder wird hineinversetzen können, den Zugang zum Hauptcharakter erschwert, wenn auch natürlich nicht komplett verbaut. Dazu sei darüberhinaus auf die deutsche Synchronfassung hingewiesen, in der es Rourkes Sprecher Claude-Oliver Rudolph leider nicht zur Genüge gelingt, dessen packendes Schauspiel stimmlich zu unterlegen. Dies geht in einigen wichtigen Szenen ganz klar auf Kosten der Emotionalität und des empathischen Empfindens.
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Die vielfach preisgekrönte Leistung des Mickey Rourke, der von Aronofsky lange gebeten werden musste, die Rolle überhaupt anzunehmen, ist sicher eine der zu vorderst zu nennenden Komponenten, die The Wrestler aus der Allgemeingültigkeit eines Sportlerdramas hebt. Man kann sich zwar fragen, wo Rourke hier tatsächlich Schauspiel bietet, und wo Aronofsky und sein Kameramann Maryse Alberti ihn einfach nur in eine selbstreflexive Eigendarstellung zwingen, doch letztlich würde beides eine ausgiebige Würdigung verdienen. Mickey Rourke blutet, schwitzt, atmet und lebt diesen Charakter, bewahrt dabei in jedem Moment Aufrichtigkeit, ob heroische Posen einnehmend, mit einer Stripperin flirtend, oder beim Entfernen von Glassplittern nach dem Kampf aus seinem Rücken. Marisa Tomei, die in den Lobeshymen für Rourke etwas untergeht, liefert ebenfalls eine tolle Performance als strippende Herzdame, die kaum weniger als Randy mit ihrem Alter und mangelndem öffentlichen Interesse zu kämpfen hat. Nur in einer ihrer letzten Szenen wird Tomei etwas zur stereotyp um Leib und Wohl besorgten Stichwortgeberin, die den Zuschauer auf eher überflüssige Art vor Randys abschließendem Kampf noch einmal daran erinnert, worum es für ihn geht.
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Worum es für Randy ‚The Ram‘ Robinson am Ende geht, was er hatte und was ihm bleibt, das fängt Aronofsky wahrhaft großartig ein. Mit dem Schlussbild widersetzt er sich nicht vollends dem im Genre unausweichlichen Triumpf gegen alle Widerstände, doch Aronofsky weiß ihn in brillianter Bitterkeit zu variieren.
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