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Wrestler - Ruhm. Liebe. Schmerz., The (2008)

Eine Kritik von (Bewertung des Films: 7 / 10)
eingetragen am 12.09.2012, seitdem 223 Mal gelesen



"Die Welt da draußen ist der einzige Ort, an dem ich verletzt werden kann."

Der Wrestler Randy "The Ram" Robinson (Mickey Rourke) hat seine Glanzzeiten längst hinter sich gelassen. Von dem in den 80er Jahren gefeierten Star ist 20 Jahre später nur noch ein abgewrackter, gealteter Sportler übrig, der sich an Wochenenden in Turnhallen mit ebenso gealterten Kollegen drittklassige Matches liefert. Um sich über Wasser zu halten arbeitet er während der Woche zusätzlich in einem Supermarkt. Durch seinen sozialen Verfall ist das Verhältnis zu seiner Tochter Stephanie (Evan Rachel Wood) verkümmert. Einzig zur Stripperin Cassidy (Marisa Tomei) hält er durch seine regelmäßigen Besuche in einem Stripclup regen Kontakt aufrecht.
Nach einem Wrestling Kampf mit Stacheldraht und Tacker kommt Randy blutüberströmt in die Kabine zurück und bricht nach ärztlicher Behandlung zusammen. Im Krankenhaus erhält er nach einer Bypass-Operation am Herzen vom behandelnden Arzt den Rat, seine sportlichen Aktivitäten zu beenden.

Immer wieder gern und gut aufgenommen sind Geschichten einer gefallenen oder nicht beachteten Person, die sich nach ihrem Abstieg besinnt und es nach ganz oben schafft. "The Wrestler" enthält ganz der Devise eines klassischen Sportlerdramas genau solch eine abgegriffenen Handlung. Im Gegensatz zu den meisten Ablegern des Genres besitzt "The Wrestler" jedoch keine offensive Präsentation, sondern erzählt seine Geschichte in einem schlichten, dokumentarischen Format, das teilweise ein wenig zu ruhig ist.

Darren Aronofsky ("Requiem for a Dream", "Black Swan") erreicht es seinem Film, mit einer rauhen und tristen Bildsprache eine Authentizität zu schenken, um so den Zuschauer noch näher als ohnehin schon am Geschehen sein zu lassen. Stets nah an der Hauptfigur wandelt die Kamera umher und präsentiert ihr vernarbtes, vom Leben gezeichnetes Gesicht zu einer ihr feindselig gewidmeten Welt. So ist schnell eine melancholisch-schwermütige angehauchte Atmosphäre erschaffen.

Im Gegensatz dazu stehen die sporadischen Kampfszenen. Stets rau, aggressiv und mit einer gewissen Härte inszeniert "The Wrestler" seine sportliche Disziplin, ohne dabei auf übermäßige Glorifizierung zurückzugreifen. Das Drama beleuchtet dieses Thema respektvoll und zeigt auch viele interessante Aspekte hinter den Kulissen. So wird nicht nur einmal mehr deutlich, dass der Sport einer gewissen Inszenierung unterliegt, sondern auch die für die Kontrahenten immensen Belastungen.

Der Sport steht jedoch nicht im Fokus. "The Wrestler" ist ein Charakterdrama, dessen gebrochene Hauptfigur nur langsam an Form gewinnt. Nicht nachvollziehbare Zeitsprünge und auch manches Klischee wirken ab und an störend auf den sonst authentischen Erzählfluss. Neben den Problemen auf der sozialen Ebene beschäftigt sich der Film auch mit gesellschaftlichen Schwierigkeiten und der Suche nach einem Platz im Leben.
Trotz tiefgründiger Themen ist "The Wrestler" ein wenig zu ruhig geworden. Geduld ist besonders in der ersten Hälfte gefragt, denn die emotionale Anbindung an die Figuren entsteht erst wenn die Hauptfigur ausgeprägt ist und die Interaktion mit den Nebenfiguren voran schreitet.

Mickey Rourke ("Sin City", "The Expendables") bietet eine beispiellose Darstellung seiner gebrochenen Figur. In erster Linie liegt das daran, dass er mit seinen Narben, seiner bulligen Erscheinung und dem gemarterten Gesicht wie ein gealterter Wrestler aussieht. Aber auch im übertragenen Sinne zu seiner persönlichen Geschichte des Aufstiegs, Absturzes und Rückkehrens als gefeierter Darsteller passt er wunderbar zu seinem ähnlich gestalteten Charakter.
Anschaulich aber eher zurückhaltend präsentieren sich Marisa Tomei ("The Ides of March - Tage des Verrats") sowie Evan Rachel Wood ("The Missing") in leider nicht ganz so ausgefüllten Nebenrollen.

"The Wrestler" ist ein sehr schlichtes Drama über einen gescheiterten Charakter, das eine gewisse Einarbeitungszeit benötigt. Erst nach ausgiebiger Vorstellung der Hauptfigur, ein paar hart umgesetzen sportlichen Szenen und Hintergrundinformationen sowie etwas Interaktion der Hauptfigur mit seiner kalten Umwelt, kommt die emotionale Komponente ins Spiel. Durch seine klassische Erzählung bietet der Film nur bedingt neue Facetten im Genre der Sportdramen. Dafür ist die schauspielerische Kraft des Hauptdarstellers eine echte Wucht, die wiederrum dem Film ein wenig fehlt. Zumindest ist der Abschluss trotz offenem Ende entsprechend kompromislos interpretierbar. Knappe ...

7 / 10


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