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Wrestler - Ruhm. Liebe. Schmerz., The (2008)

Eine Kritik von (Bewertung des Films: 9 / 10)
eingetragen am 26.09.2016, seitdem 74 Mal gelesen



Heute bei meinem spontanen Besuch in das DVD-Land, stoß ich auf einen Film, der mich für garnicht viel Geld, voller Liebe ansah und sagte: ''Du magst diesen Typ kein Stück. Aber der Film bekommt doch so viel tolle Kritik. Preise hat er auch gewonnen. Wie wäre Mickey Rourke wohl in so einer Rolle? Als Schauspieler? In einer Rolle, mit der er selbst sich nur zu gut identifizieren kann und die Abgründe authentisch und verständnisvoll darstellen könnte? Was fällt dir ein, ihn dir nicht einfach anzuschauen, statt ihn hinter dir herzuschieben. Irgendwann wirst du ihn dir ja trotzdem anschauen !^^''

Und so kam ich heute in den puren Genuss von ''The Wrestler'' mit einem authentischen, überraschenden, starken und bewundernswerten Mickey Rourke in der Rolle seines Lebens.
Was macht wohl das Leben aus einem Menschen, der seit so vielen Jahren seine Aufmerksamkeit und seine Bestätigung aus etwas zieht, zu dem wir wohl zum Großteil sagen würden:'' Sach mal, wie krank, wie arm, wie lebensmüde kann man eigentlich sein?'' oder ''Klar zusehen ist okay, auch wenns natürlich trotzdem nicht in meinen Verstand passen will, dass es immernoch Menschen gibt, die so ihr Geld verdienen müssen''.
Und tatsächlich...Viele von euch werden ''Der Gladiator'' mit Russel Crowe kennen. Wie hieß es da noch? ''Brot und Spiele''. Klar beim Wrestling muss keiner sterben, passieren könnte es trotzdem. Und wozu? Weil Menschen so sind. Weil Menschen darin eine Belustigung sehen. Weil Menschen vielleicht im eigenen Leben frustriert zurückblicken müssen und es gerne sehen, wie Menschen sich gegenseitig, wenn auch oft abgesprochen, ihre Körper zermalmen. Und da gibt es natürlich diejenigen, die es einfach geil finden.

Dies ist warlich und unumstritten das Werk eines Darren Aronofski (Und sowieso ein Stoff, ein Kraftakt eines Dramas, dem sich Aronofski mit Leichtfertigkeit hingeben kann). Woran man das unwiderruflich erkennen kann? Spontan gesagt, an der Kamera. Wer Black Swan gesehen hat wird über das Folgende wohl ein Liedchen singen können. Die Kamera, die über die Schulter und generell immer auf kürzester Distanz zum Protagonisten bleibt, ihn anvisiert und ihn ''verfolgt''. Das ist so dermaßen stark in Szene gesetzt, dass es sich manchmal wie eine regelrechte Verfolgung anfühlt. Aus Gründen, die ich nicht Recht in Worte fassen kann, muss ich sagen, diese Kameraführung beeindruckt mich jedes mal auf ein Neues. Was Aronofski in alt gewohnter Manier ebenfalls gekonnt einsetzt sind die Farben. Von dunkel, für ''traurig, depressiv und auch auf der Suche nach Zweisamkeit mit der Stripperin Cassidy (Pam)'' bis hin zu grellen Farben, für ''ex- und implodieren der Hauptperson, sowie auch die Zerissenheit und Verzweiflung von Randy the Ram Robinson''. Deutlich wird dies dargestellt und deutlich in den Kampf-Sequenzen. Hier lässt Aronofski Blut, Schweiß und Tränen fließen. In Sachen Brutalität verkennt ein Aronofski sein Handwerk nicht und stellt es nicht harmlos und beschönigend, sondern gewusst (und bewusst) überspitzt und brutal dar. In diesen Szenen wird deutlich, wie brutal das ist, was viele schlicht lustig, bei Popcorn und Bier, genießen. Sicher, das ist meist nicht so schlimm, wie es aussieht, Das sagt uns der Film auch. Die Kämpfe sind zum Großteil abgesprochen, jeder kennt die ''Moves'' und die Choreographie. Untereinander haben sie ihre ''Special-Moves'', die jeder gerne macht. Andere haben auch krasse Vorlieben und so kommt es, dass nicht nur manchmal auch echtes Blut mit in die Show ''fließt''.

Was das mit einem Menschen macht, sehen wir in der Figur selbst. Er hat seine Tochter verlassen, sich dem Ruhm hingegeben, gekämpft, Spaß gehabt und nicht mehr zwischen allem, was richtig und falsch ist unterschieden. Jetzt ist er ein abgehalfteter Looser und Versager, wie ihn nur das Leben selbst schreiben kann. Geliebt, solange er die Menschen unterhält, vergessen, als er alt und gebrochen ist. Voralllem nach seinem Herzanfall mit Beipass-OP. Was soll ein Mensch dann tun. Er versucht sich durch minderwertige Arbeit über Wasser zu halten, ''The Ram'' verliebt sich in eine Stripperin, er versucht noch einmal ein Verhätnis zu seiner Tochter aufzubauen..... All das gelingt ihm nicht. Er ist fertig und kaputt. Dieses Jahre lange Tische, Stühle und Schläge auf den Kopf bekommen und Stacheldraht zwischen die Rippen, hinterlässt körperlich, also physisch und psychisch seine Spuren. Wie soll ein Mensch damit zurecht kommen? Wie?

Das es schlicht nicht geht, wird allerspätestens in der Szene deutlich, in der Randy sich letzlich doch nicht mehr selbst unterdrücken kann. Sein einstiger Ruhm, der dazu führt, dass ihn ständig Leute wiedererkennen und er einfach nicht damit abschließen kann , führt erst zur Implosion und dann zur Explosion. Er kann sich nicht mehr halten und kann letzendlich auch nichts anderes machen, als er kennt. Und er kennt den Ring. Hier bekommt er die Bestätigung, die er zum Leben braucht...Die er im echten und kalten Leben dort draußen nicht bekommen kann. Er begibt sich auf seinen (vermutlich) letzten Tanz in den Ring und verabschiedet sich mit dem Bild seines (vermutlich) letzten Sprung im Ring, in einer Perspektive, die man für das Ende des Films nicht besser hätte auswählen können.

Alles in allem ist dies ein Film über einen verlorenen gegangen Menschen, der außerhalb des Rings keine Liebe, Zuneigung oder Bestätigung mehr bekommt. Niemand, der ihn liebt. Es gibt zwar jemanden, die er liebt, Cassidy. Aber sie nimmt ihn nicht richtig wahr. Ihm bleibt kein Ausweg. Er muss zurück. Er muss in seinem Ring tanzen. Danke Darren Aronofski für dieses Kampf-Drama der Extraklasse!
9/10.


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