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American Psycho (2000)

Eine Kritik von (Bewertung des Films: 8 / 10)
eingetragen am 17.10.2005, seitdem 1281 Mal gelesen



Brillante Verfilmung eines Skandalromans

"American Psycho" von Bret Easton Ellis ist der berüchtigste und umstrittenste Roman der modernen amerikanischen Literatur. Das Werk über den psychopathischen Börsenmakler Patrick Bateman wurde bereits vor der Veröffentlichung zum Skandalon.
Der US-Verlag weigerte sich, das Buch auf den Markt zu bringen, obwohl er dem Autor bereits einen´Vorschuß in Millionenhöhe bezahlt hatte. Schließlich nahm ein anderer Verleger den tückischen Roman unter seine Fittiche - und es kam in der Tat zu einem großen Skandalgewitter in der amerikanischen Öffentlichkeit.
Auch in Deutschland sorgte das literarische Blutbad für einigen Wirbel. Die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Schriften verbannte es unter den Ladentisch, obwohl es in zwei wissenschaftlichen Gutachten als Kunst eingestuft wurde. Kultmoderator Harald Schmidt veranstaltete hingegen öffentliche Lesungen aus "American Psycho".

Was ist nun tatsächlich von Ellis' Buch zu halten? Er enthält in der Tat minutöse Gewaltdarstellungen, die selbst für hartgesottene Leser an die Grenzen des Erträglichen gehen. Durch die Beimischung pornographischer Elemente kann es bei oberflächlicher Betrachtung durchaus als frauenfeindlich missverstanden werden. Andererseits ist die bissige Ironie, mit der Ellis zu Werke ging, kaum zu übersehen. Die oberflächliche Konsumgeilheit der achtziger Jahre wird sehr treffend karikiert. Leser, die lediglich nach Sex und Gewalt gieren, werden sich kaum durch die schier endlos scheinenden Schilderungen des öden Yuppie-Alltags durchkämpfen. Sie gehen in ihrer Langatmigkeit ganz bewusst an die Grenzen des Erträglichen.

Hollywood zeigte schnell Interesse an dem brissanten Roman, obwohl klar war, dass eine originalgetreue Verfilmung aus Zensurgründen völlig unmöglich ist. Ursprünglich war Leonardo Di Caprio ("Titanic") für die Rolle im Gespräch. "American Psycho" wurde dann aber erfreulicherweise doch nicht als Big-Budget-Projekt aufgezogen, was zu einer völlig kommerziellen Verwässerung geführt hätte. Auch Oliver Stone als ursprünglich vorgesehener Regiesseur sprang ab. Die Regie übernahm die noch relativ unbekannnte Mary Harron, die aber mit "I shot Andy Warhol" gute Kritiken bekam.
Inhaltlich folgt die Verfilmung dem Roman recht originalgetreu - aber ohne dessen sadistische und pornographische Details. Mary Harron spielt dabei recht gewitzt mit den Erwartungen des Publikums, extreme Brutalitäten zu sehen. Bereits während des Vorspanns werden rote Flüssigkeit und ein Messer gezeigt. Die Flüssigkeit entpuppt sich aber als rote Sauce und das Messer als Essbesteck.
Hauptfigur Patrick Bateman (Christian Bale) ist ein typischer Vertreter der Yuppie-Generation der achtziger Jahre. Ein erfolgreicher Börsenmakler, durchaus intelligent, aber ausschließlich an Oberflächlichkeiten interessiert. Teure Kleidermarken, Accessoires und In-Restaurants bestimmen sein Leben. Folgerichtig bevorzugt er musikalisch kommerzielle Popmusik und auch bei seinen Beziehungen zu Frauen interessieren ihn lediglich Äußerlichkeiten und schnelle Befriedigung.
Bateman hat aber noch eine andere Seite, die ihn noch ein wenig vom typischen Yuppie unterscheidet. Er ist ein sadistischer Psychopath. Aber die brutalen Morde passen im Grunde durchaus zu seinem Charakter. Sie dienen ihm ebenfalls dazu, seinen Narzißmus zu befriedigen, seine Macht zu demonstrieren. Hier hat er die Gelegenheit, sich nicht nur als finanziell oder geistig überlegen aufzuspielen. Er wird vielmehr zum Herrn über Leben und Tod. Nicht selten gesteht er seine Taten, aber niemand will etwas davon wissen...

Wer eine Splatterorgie oder nervenaufreibenden Thrill erwartet, wird von dem Streifen enttäuscht sein. Die filmische Umsetzung von "American Psycho" erinnert eher an David Finchers "Fight Club" als an William Lustigs "Maniac". Mary Harron stellt die gallig-satirischen Elemente des Romans in den Vordergrund. Wenn man den Film mit den richtigen Erwartungen angeht, ist das Ergebnis durchaus gelungen. Mary Harron hat einen aufregenden, vielschichtigen und sehr ironischen Film ohne die üblichen Serienkiller-Klischees gedreht. Es geht ihr weniger um die Morde und deren Aufklärung. Im Mittelpunkt steht vielmehr die Kritik an der sozialdarwinistischen Yuppie-Ideologie und die Frage, ob brutaler, rücksichtsloser Mord nicht deren logische Konsequenz ist. Um die Freude der besonders blutigen Details jedoch nicht ganz zu verprellen haben sich die Autoren etwas besonders einfallen lassen: Der Mörder führt ein Tagebuch, in das er Zeichnungen seiner Taten integriert. Und diese schockierenden Skizzen bekommt der Zuschauer dann doch zu sehen.

Christian Bale spielt in der Hauptrolle ausgezeichnet. Leonardo Di Caprio hätte in diese Rolle einfach nicht gepasst. Auch visuell ist "American Psycho" ein interessanter und eigenständiger Streifen. Dazu trägt vor allem Kameramann Andrzej Schula mit einer sehr passenden Achtziger-Jahre-Ästhetik bei.


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