Ansicht eines Reviews

American Psycho (2000)

Eine Kritik von (Bewertung des Films: 9 / 10)
eingetragen am 09.04.2006, seitdem 799 Mal gelesen



Der 27- jährige Patrick Bateman (Christian Bale) sitzt mit einigen seiner oberflächlichen Freunde in einem teuren Restaurant und die „Freunde“ führen, nachdem sie ihr Mahl beendet haben, eine furchtbar dekadente Unterhaltung, die Sexismus genauso beinhaltet, wie Antisemitismus und Chauvinismus. Danach gehen sie in eine Diskothek, um sich dort Einen anzutrinken und Koks einzunehmen, da sie im eben verlassenen Restaurant keine Toilette, die als Zufluchtsort dafür dienen könnte, gefunden haben. (Sauerei sowas !)
Als Patrick am nächsten Morgen erwacht, scheint er es alles andere als eilig zu haben, um zur Arbeit zu kommen. Darum unterzieht er seinen wertvollen Körper, nach einigen ausgewogenen sportlichen Bewegungen, gemächlich einer Pflegeprozedur, welche aus der Anwendung jeder Menge verschiedener Salben und Lotionen besteht.
Danach begibt er sich entspannt ins Büro, wo er zur Begrüßung von einem Kollegen mit „Guten Morgen Hamilton. Schön braun.“ angesprochen wird, was er aber sowieso nicht registriert, da er einen „Walkman“ trägt. (soviel zum Thema Oberflächlichkeit)
Seine Sekretärin Jean (Chloe Sevigny, bekannt aus „Kids“) bekommt, nachdem sie ihm einige unwichtige Termine vorgelesen hat, den Auftrag, zwei Tisch- Bestellung in speziellen Restaurants durchzuführen, in dem Patrick gern essen gehen will.
Auf dem Heimweg im Taxi führt Patrick eine Unterhaltung mit seiner „angeblichen“ (Zitat) Verlobten Evelyn (Reese Witherspoon), obwohl man dies kaum als glückliche Liason bezeichnen kann, trägt Patrick doch wieder seinen „Walkman“, wohingegen Evelyn unentwegt ins Leere nörgelt und aber doch von Heirat spricht. (so etwas nennt man dann „aneinander vorbeireden)
Sie fahren in ein teures Restaurant, wo Patrick beim Eintreffen den Tränen nahe ist, da er befürchtet, keinen anständigen Tisch mehr zu bekommen. (Wem ging das noch nicht so...) Glücklicherweise aber warten bereits Evelyns Cousine Vanden, ihr Freund Stash und Patricks oberflächlicher Freund Timothy Bryce (Justin Theroux), von dem Patrick sicher ist, daß er eine Affäre mit Evelyn hat, an einem Tisch.
Das Treffen an sich ist sehr unspannend und Patrick freut sich innerlich eher darüber, daß er eine Affäre mir der ständig unter verschiedensten Drogen stehenden Courtney Rawlinson (), ihres Zeichens beste Freundin von Evelyn, hat. Ob Evelyn dies weiß, ist ihm dabei egal.
Eines Abends hat Patrick wieder eine aufreizende Verabredung mit Courtney, die erneut heftig unter Drogen steht. Deswegen bekommt sie auch kaum mit, daß sie sich im „Dorsia“ befinden. Das „Dorsia“ ist in Batemans Kreisen nämlich das wohl interessanteste, beliebteste Restaurant. (Und erfährt im Lauf des Films eine fast mythische Aufwertung.)
Patrick befindet sich zur Abwechslung mal in seinem Büro, wo man unter „Freunden“ eine Unterhaltung über das Aussehen und das daraus resultierende Erscheinungsbild der individuellen Visitenkarten führt. Patrick ist verärgert darüber, daß er nicht die schönste hat (obwohl die Grundfarbe „Knochen“ heißt !, „That´s bone.“) und bekommt in der Folge einen regelrechten Schweißausbruch.
Auf dem einsamen Weg nach Hause trifft Patrick in einer Seitenstraße auf einen Penner, der mit seinem Köter verdreckt am Straßenrand kauert. Nach einem philosophischen Exkurs tötet Patrick den Mann brutal. (kein Vergleich mit dem Buh, aber was soll´s...)
Dies ist erst der Anfang Patricks seelischen Abstiegs in eigene Abgründe und der Beginn einer Mordserie, der nicht nur Paul Allen (Jared Leto), hier ist Neid das Motiv, zum Opfer fällt.
Der clevere und smarte Detektiv Donald Kimball (Willem Dafoe, wie fast immer: grandios) kommt Patrick zwar auf die Spur, findet aber keine Beweise gegen ihn.


Wie man schon sieht ist es keine leichte Aufgabe, die Handlung an sich widerzugeben.
Doch sind die Kernaussagen (Verrohung und Blindheit und Dekadenz der Gesellschaft, im übrigen auch brillant durch die Wohnungssäuberung „hinter vorgehaltener Hand“ verkörpert) des Werkes wie auch immer ersichtlich.
An den Film kann man kaum objektiv treten und Vergleiche zur literarischen Vorlage auslassen, denn wer den Bret Easton Ellis- Roman, in dem der "Held" mit Werkzeugen wie einem Bolzenschußgerät, einer Kettensäge und gar einem Grill handtiert, kennt, der weiß warum. Nicht umsonst hielt man eine Verfilmung des lange Zeit auf sämtlichen Indexlisten notierten Buches bis dato für unmöglich.
Wer glaubt, wenn er eine Adaption, respektive genanntem, überhaupt für möglich hält, einen extrem harten, Ekel ausstellenden Über- Schocker, der selbstzufrieden in Kübeln von Blut watet und sich so beim zahlenden Publikum anbiedert, zu sehen zu kriegen, irrt und hat den Roman als solches vielleicht nicht verstanden.
Man darf annehmen, daß es ähnlich plump gekommen wäre, hätte Leonardo DiCaprio (!), wie geplant, die Hauptrolle übernommen, was ein großes Produktionsstudio quasi bedingt hätte. (Ich meine auf keinen Fall, daß das Buch plump vorgeht.) Da sein Sprecher aus taktischen Gründen abriet, kniff das „Titanic“- Milchgesicht, ebenso wie Oliver Stone, der Interesse an der Regie bekundete. (Für die Auslotung der psychologischen Potentiale wäre er sicher nicht der Falscheste gewesen.)
Frau Harron, die zuvor den gefeierten, halb- dokumentarischen "I Shot Andy Warhol" drehte und dafür viel Lob abbekam, tat das einzig Richtige und wählte für das unglaubliche Projekt, das schon vor Drehbeginn für reichlich Furore und Proteststürme aus diversen Richtungen (vor allem von Frauenrechtsgruppen !) erntete, einen anderen Ansatz, als die unfaßbar abgründige, vor Ekelhaftigkeiten strotzende Vorlage.
Konträr steht in der Adaption nämlich Patrick Batemans Psyche im Vordergrund, die klare Aussage und nicht das Objektdetail (einzig wirklich in der morgentlichen Toilettenprozedur Batemans mit all ihren Pasten und Emulgatoren visualisiert), daß Szenen jenseits des Machbaren (hier sei nur die Eisenrohr- Ratte- Applikation des Romans erwähnt !) erfordert hätte.
Produziert wurde der Film von Edward R.Pressman, der ja nun wahrlich schon Einiges auf dem Kerbholz hat. (einige Oliver Stone- Filme, Werke Brian DePalmas oder den Übersee- Vertrieb von Wolfgang Petersens „Das Boot“...)
Diszipliniert, kontrolliert und mit unübersehbarem Respekt vor der Literatur bis in nahezu jede Feinheit, gelang es insgesamt, die Stimmung und die komplexe(n) Aussage(n) zu erfassen und in Bilder umzusetzen, die wirklich bewegen. Die Blutrunst der Romanfigur, die an Umschreibungsfreude eigentlich über jedes Maß hinausgeht, findet sich im Film nur im Ansatz, doch gilt dies nur für die Sichtbarkeit solcher.
Das Geschehen bleibt brutal, eiskalt, pervers und überzeugend, auch ohne die überschwengliche Handwerkskunst einschlägiger Make- Up- Effektleute.
Die latente Unberechenbarkeit, die plötzlichen, wie gesagt, im Vergleich zum Roman, geradezu subtilen Grausamkeiten und die Konsequenz der filmisch untypischen, unkommerziellen Erzählweise sind oft atemberaubend Auch die mitunter eingesetzte Beiläufigkeit der Präsentation fällt ins Auge. (etwa dann, wenn Patrick mit einer Haarlocke spielt, oder ein Dessert aus dem Kühlschrank holt, in dem er auch einen Kopf aufbewahrt)
Auch ist es die emotionale Kälte und bizarre Auffassung von Dingen des Lebens, die schockiert. Im speziellen sei die Szene genannt, in der Patrick mit zwei Huren Sex hat. Die Szenerie ist mit großen Spiegeln ausgekleidet, in denen sich Patrick folgend, wohl abseits der sexuellen Befriedigung durch den Akt, als einsamer „star“ inszeniert, eitel in die Kamera posiert (im doppelten Sinn, denn er schneidet das Ganze zudem auf Video mit) und letztlich wohl eher onaniert, denn „richtigen Sex“ hat.
Die Befremdlichkeit, die beispielsweise von dieser Passage ausgeht, ist schon ziemlich verstörend.
Das Drehbuch, co- verfaßt von Regisseurin Harron, bietet sogar Eigenheiten und ist letztlich lediglich eine, natürlich komprimierte, Version, wodurch es der Film schwer haben wird, sich bei den Verehrern des Buches Gut zu stellen. Insgesamt trifft sie aber genau den Ton dessen.
Wenn Patrick die Hure durch den Hausflur hetzt, zum Roman leicht verändert, ist das von hoher Intensität, handwerklich brillant inszeniert und atmosphärisch äußerst stimmig.
Die gesamte Darstellerriege agierte, bis auf winzige Ausnahmemomente, großartig und pointiert.
Besonderes Augenmerk gilt natürlich auf Christian Bale in der Rolle des Patrick Bateman. Ich für mich muß zugeben, daß es mir anfangs nicht ganz leicht viel, den vielschichtigen Charakter in Herrn Bale zu erkennen. Doch dauerte es wirklich nicht lange, bis er durch seine akzentuierte Mimik und Gestik (da fällt spontan die Szene in der Wäscherei ein, an deren Ende Bales Gesichtsausdruck schlagartig von erfreut auf ernst schaltet) unbedingt mit der Rolle (in meinem Kopf) verschmolz. In der Tat könnte er mit seinem sterilen, famosen Grinse- Spiel (Film-) Geschichte schreiben. (Ein Beispiel von Geschichte: Anthony Perkins als Norman Bates in „Psycho“, 1960, wobei die Namensähnlichkeit zu beachten ist.)

Fazit

An diesem spannenden, sehr eigenwilligen Film wird wohl niemand vorbeikommen (wollen), denn schon allein das Mitreden zwingt. Den Roman sollte aber deswegen keiner verschmähen.


Surprise me!
"Surprise me!" BETA
Lassen Sie sich überraschen! Wir führen Sie zu einem zufälligen Treffer zu einem Thema Ihrer Wahl... Wollen Sie eine andere Kritik von "lionel_cosgrove" lesen? Oder ein anderes Review zu "American Psycho (2000)"?


Zur Übersichtsseite des Films
Liste aller lokalen Reviews von lionel_cosgrove

Zurück


Copyright © 1999-2018 OFDb.de - Die Online-Filmdatenbank
Alle Rechte vorbehalten.
Nutzungsbedingungen · Werben · Impressum
Hosted by Net-Build



Quicksearch






User-Center

Benutzername: 
Paßwort:
Login nur für diese Sitzung:

·

448 Besucher online


SSL  SSL-gesicherte
Verbindung aktiv


Abonnement


Abonnement - Bitte erst anmelden
Melden Sie sich bitte an, um Abonnements vornehmen zu können



Neue Reviews


Schlacht um Midway (1976)
Wizard of Lies, The (2017)
Boone - Der Kopfgeldjäger (2017)
Shape of Water, The (2017)
Endless, The (2017)



News


Unser News-Bereich wurde überarbeitet und wird in Kürze weiter ausgebaut werden, damit Sie stets aktuell über alle Neuigkeiten rund um die Welt des Films informiert sind.

» Zum neuen News-Bereich