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American Psycho (2000)

Eine Kritik von (Bewertung des Films: 8 / 10)
eingetragen am 17.08.2006, seitdem 825 Mal gelesen



Als Bret Easton Ellis seinen Roman „American Psycho“ veröffentlichte gab es quer durch sämtliche Gesellschaftsschichten Aufschreie der Empörung. Die Geschichte eines erfolgreichen Wallstreet-Yuppies, der sich zum psychopatischen Serienkiller entwickelt, war wahrlich nichts für schwache Nerven und wohl offensichtlich auch nichts, das die Jugendschutzbehörden erfreuen konnte: Ellis’ Roman landete auf dem Index! Zu detailliert erschienen die Beschreibungen der Morde, die die Hauptfigur Patrick Bateman beging. Aus eben diesem Grund galt „American Psycho“ auch lange Zeit als unverfilmbar. Bis sich schließlich Mary Hannon der Sache annahm und den Stoff verfilmte.

Hierbei verzichtet die Regisseurin zwar auf die genaue filmische Darstellung der Morde, wie sie in der literarischen Vorlage erfolgte, aber insgesamt hat sie nichtsdestotrotz gute Arbeit abgeliefert und alle „Unverfilmbar“-Schreier Lügen gestraft. Sie legte es nicht primär auf die schockierenden Szenen an, die die Vorlage ausmachten, sondern fing den mitunter recht sarkastischen Unterton des Romans ein, um so eine Studie über einen Mann zu erschaffen, der gelangweilt von seinem erfolgreichen Leben den Ausweg in sinnlose Sex- und Gewaltorgien sucht. Christian Bale verkörpert diesen Yuppie – Patrick Bateman – wirklich hervorragend. Er ist der kühle, emotional abgeflachte Karrieremann, der ruhige und doch impulsive Mittelpunkt dieses Filmes. Rund um diesen Mtitelpunkt kreiert Mary Hannon das Bild einer Gesellschaftsschicht, zu der die wenigsten Zugang erhalten: die gesellschaftliche Oberschicht. Doch das Bild wird bei weitem nicht so gezeichnet, wie es sich diejenigen, die dieser Schicht entgegenstreben, vorstellen: es ist ein soziales Geflecht aus Neid, übermäßigem Ehrgeiz und vor allen Dingen: ermüdender Langeweile.

Dabei spielt die Regisseurin geschickt mit Kontrasten: das „Tag-Leben“ des Anti-Helden dieses Sozial-Thrillers hüllt sich in kühle, sterile Weiß-Töne, das nächtliche, mordende Ich Batemans kommt mit einer ungleich wärmeren Farbe in Berührung: Rot. Das Rot des Bluts seiner Opfer – mal ist es ein Obdachloser, dann eine Prostituierte oder einfach ein Arbeitskollege, der erfolgreicher erscheint als er selbst. Bei und nach seinen Morden merkt man Bateman regelrecht an, dass er sich hier bedeutend wohler fühlt als in der abgekühlten Welt der Wallstreet. Ein Verdienst Bales, der in dieser Rolle förmlich aufgeht. In seinen späteren Rollen (in jüngerer Vergangenheit unter anderem in „The Machinist“ und „Batman Begins“) legt er eine ähnliche darstellerische Intensität an den Tag, doch mit seiner Rolle als Pat Bateman wird er wohl bis an sein Karriere-Ende (positiv) in Verbindung gebracht werden. Unvergessen werden seine rituell wirkenden Monologe über die Musik der 80er Jahre sein, mit denen er seine Morde „einläutet“ und die durch eine gelungene Mischung aus informativer Musikhistorie und einer gewissen dramatischen, ja schon fast morbiden Situationskomik überzeugen. Die Liebe, die Bateman zur Musik entwickelt hat, verbindet er nun mit seinem neuen Hobby, dem Morden.

Letztlich kann es dann dazu kommen, dass man sich als Zuschauer nicht so ganz sicher ist, welche Gefühle man dem Psychopathen entgegenbringen soll: angeekelte Verachtung oder doch ein gewissermaßen peinlich berührtes Verständnis für den Menschen, der aus seinem Gefängnis des Alltags-Einheits-Breis auszubrechen versucht? Aufgrund der grausamen Taten Batemans, die (leider… oder doch glücklicherweise?) nicht die Tragweite der literarischen Vorlage entwickeln, wird wohl bei den meisten die angeekelte Verachtung die Überhand gewinnen.

Gerade der visuelle, charakterliche und dramaturgische Reichtum an Kontrasten und die intensive Darstellung Christian Bales machen Mary Hannons Verfilmung des Ellis-Romans zu einem sehenswerten Thriller, der nicht mit der Härte seiner Vorlage aufwartet, aber dafür mit einem latenten gesellschaftskritischen Sarkasmus, den man unter Umständen erst beim zweiten Anschauen so richtig bemerkt. 8/10


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