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American Psycho (2000)

Eine Kritik von (Bewertung des Films: 6 / 10)
eingetragen am 31.08.2006, seitdem 1584 Mal gelesen



Normalerweise sollte man Buchverfilmungen ja möglichst unabhängig von der Vorlage sehen, da es schwer ist, einen umfangreicheren Roman ohne größere Kürzungen oder Änderungen in 90 oder auch 120 Minuten zu quetschen, doch bei „American Psycho“ fällt dies wirklich schwer.
So galt Bret Easton Ellis’ dicker Roman lange Zeit als unverfilmbar und ist es in seiner Urform sicher auch. Er schildert das Leben des Yuppies Patrick Bateman, der aus Langeweile zum Serienmörder wird, weil ihm Sex und Drogenexzesse nicht mehr reichen. Im Buch beschreibt Bateman alles was er tut in haarkleinen Details – egal ob er ins Bad geht, Visitenkarten vergleicht, über Popmusik referiert oder jemanden auf grausige Art dahinmetzelt. Mit diesem Stil, vor allem durch die ausgedehnten Sätze, wird die Langeweile Batemans immer wieder überdeutlich.
Mary Harrons Adaption steht nun vor der Misere einerseits dieses Buch verfilmen zu wollen, obwohl der Stil kaum ins Filmische zu übertragen ist, andrerseits als Film auch unterhalten zu wollen. Leider ist „American Psycho“ dadurch weder Fisch noch Fleisch, kann aber trotzdem noch zu einem gewissen Grad punkten, wobei die Verfilmung allerdings haushoch gegen den Roman verliert.

Dabei ist „American Psycho“ vom Cast her sehr gelungen; vor allem Christian Bale als Patrick Bateman ist wirklich eine Idealbesetzung. Er gibt den trainierten, gelangweilten Yuppie wirklich sehr überzeugend, verkörpert den Charakter total im Sinne des Romans und bringt auch den nötigen hintergründigen Witz ein. Die Nebendarsteller müssen da zurückstecken, doch auch Willem Dafoe als Detektiv und Reese Witherspoon als Verlobte ragen noch heraus. Der Rest (u.a. Josh Lucas, Jared Leto und Justin Theroux) ist gut, nur Chloe Sevigny wirkt in ihrer Rolle viel zu blass und kann kaum Akzente setzen.
Den Versuch einen Spannungsbogen aufzubauen, versiebt „American Psycho“ als Film leider. Zwar fokussiert sich die Geschichte auf den Mord an Paul Allen (Jared Leto), den der Detektiv Donald Kimball (Willem Dafoe) aufklären möchte, Bateman immer wieder verunsichert, aber ihm letztendlich doch nichts anhaben kann. Zwischendurch verfolgt „American Psycho“ immer wieder Batemans Laufbahn als Serienmörder, hält sich im Gegensatz zur Vorlage mit blutigen Details zurück, aber eine werkgetreue Verfilmung könnte man kaum an der MPAA vorbeiwuchten und Filmstudios wollen nun mal das R-Rating. Leider wird dieser Faden abgebrochen, im letzten Drittel verliert Kimballs Aufklärarbeit fast jede Bedeutung und verläuft im Sande. Das liegt auch daran, dass „American Psycho“ das offene Ende des Buches übernimmt, das einfach abbricht, ohne dass Bateman irgendwie ans Aufhören denken würde oder in Gefahr käme geschnappt zu werden.

So wirkt der Film wie eine Aneinanderreihung der Best of Szenen des Buches, darunter der Mord an Paul Allen, sein Amoklauf unter Drogeneinfluss und das Vergleichen der Visitenkarten. Dabei bemüht sich Mary Harron den Ton des Buches beizubehalten und deutet wie in der Vorlage an, dass sich Bateman seine Serienkillereskapaden nur einbildet. An vielen anderen Stellen erkennt man diese Absicht als Kenner des Buches, doch aus Gründen der Kürze wirken diese Szenen kaum: Bateman schwafelt über an sich bedeutungslose Musik, doch was im Buch zig Seiten einnahm, sind hier nur einige Dialogzeilen, Bateman beschreibt den Inhalt seines Badezimmerschranks, doch deutlich kürzer und Markennamen nennt der Film aus rechtlichen Gründen auch nicht – dabei war das Einflechten von möglichst elitären Markennamen ein wichtiger Aspekt der Vorlage.
In seinen besten Szenen hingegen kann „American Psycho“ den Humor der Vorlage wirklich treffend wiedergeben, z.B. wenn eine simple Visitenkarte Bateman zu einem Mordversuch reizt, weil sie besser aussieht als seine. Zu einer wirklich bissigen Satire sind die Witze dann zu dünn gesät und stellenweise zu simpel (z.B. Batemans Betrachtungen im Spiegel beim Sex), doch immer wieder gibt es gelungene Szenen. Auch sehr amüsant die Darstellung der Yuppie-Clique: Sie alle tragen den Titel Vizepräsident, sodass dieser rein gar nichts mehr bedeutet, arbeiten aber so gut wie gar nicht.

So ist „American Psycho“ ganz nett geworden, kann aber leider keinen echten Spannungsbogen aufbauen oder wirklich mitreißen. Als Versuch das Unverfilmbare zu verfilmen aber durchaus achtbar, da er in vielen Szenen den Ton der Vorlage wirklich äußerst treffend wiedergibt.


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