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American Psycho (2000)

Eine Kritik von (Bewertung des Films: 9 / 10)
eingetragen am 17.12.2006, seitdem 770 Mal gelesen



Das Leben in zwei Welten. Ein Innenleben und das, was man nach außen repräsentiert. Patrick Bateman, verkörpert von Christian Bale, zeigt, welche Oberfläche als charismatisch definiert wird. Das, was man sieht, riecht nach Erfolg und Glück. Makellosigkeit. Dem gegenüber steht der Titel "American Psycho", als ein Drohgebärde, das dem Gesehenen entgegenwirkt.

Look closer. Ein junger, erfolgreicher Geschäftsmann, dementsprechend gekleidet. Die Wohnung ist pedantisch sauber, stilvoll angeordnet. Jeden Tag folgt der gleiche Ritus. Gesichtsmasken, das Duschen nach strengem Muster, Bauchmuskeltraining und oftmals das Solarium, damit die Haut das zeigt, was man als schön empfindet. Im Kreise der Freunde legt man wert auf das Äußere, Visitenkarten sind keine Staffage, sondern das richtige Design manövriert den eigenen Stellenwert nach oben. Nicht zu vergessen, die Frauen blicken ihm nach, weil er charmant und charismatisch wirkt. Bateman bekommt von Bale das Gesicht, was ihn zu einem Star macht. Das Mitglied der feinen Gesellschaft und mehr - er weiß, wie man sogar in diesen Kreisen raus sticht. Ist das Glück?

Die gezeigten Bilder deuten es an und hinterfragen das oberflächliche Glück. Wo sind die Fehler? In diesem Mikrokosmos glänzt alles derart, dass es steril wirkt. Leere im Inneren, weil alles so statisch scheint und alltägliche fetischistische Rituale ablaufen, wobei nichts den Makel heraufbeschwört, den man manchmal braucht, um zu sehen, dass man lebt. Das ist die zweite Seite der Medaille und hier gelingt Regisseurin Mary Harrons eine wirkungsvolle Bild-Inhalts-Komposition, so dass die Essenz von Bret Easton Ellis' Roman zum Ausdruck kommt.

Der US-Amerikaner ist bekannt für seine Satiren über die Oberschicht, den Yuppies, häufig, wie auch in diesem Fall, der 80er Jahre. New York vor dem Börsencrash 1987 - viele Batemans versuchten ihr Glück. Man muss Easton Ellis' Meinung nicht teilen. Schließlich impliziert seine Darstellung höchsten Moralismus, weil er gerne die Dekadenz dieser oberflächlichen Konsum- und Partygesellschaft darstellt. Sein Stilmittel, die Satire ist mitunter aber derart komisch und überzeichnet, dass man nur noch den Kern des Ganzen als Intention wahrnimmt.

Im Falle von Bateman erleben wir einen Serienkiller, der heimlich seine Sehnsüchte auslebt und in Oberflächlichkeit erstickt. Er mordet, präsentiert aber nach außen hin weiterhin das personifizierte Glück. Schizophrenie, der Befehl genauer hinzusehen, wenn etwas zu sehr glänzt.

Man könnte es aber auch als Appell verstehen, dass man nicht immer nach dem Streben sollte, was einem im Auge der Gesellschaft als erfolgreich erscheinen lässt. Das schließt aber auch mit ein, dass jeder selbst den Weg zum Glück finden muss. Jeder weiß selbst am besten, was ihn glücklich macht - und ja, das kann mitunter auch das Äußere sein. Bateman dagegen verzweifelt an Sterilität, den fehlenden Gefühlen im Sog der Oberflächlichkeit.

"American Psycho" ist eine facettenreiche Satire, die kunstvoll inszeniert ist. Daraus ergibt sich Spannung und Unterhaltungswert. Bale gibt Bateman die nahezu perfekte Hülle, jene Person, die man sich schon immer in Gedanken bei der Lesung von Bret Easton Ellis' Roman vorgestellt hat. Der britische Schauspieler vereint den äußeren Glanz mit der inneren Sterilität und gibt den beiden Gesichtern seines Charakters Ausdrucksstärke. Eine sehr überzeugende Ausleuchtung von Doppelwertigkeit, die in Bale verkörpert wird.

So wird "American Psycho" eine Überzeichnung der Dekadenz jener feinen Gesellschaft, die sich in Äußerlichkeiten badet. Das klingt moralisch, aber der satirische Charakter streut Facettenreichtum und im Filmformat übertragen bleibt eine optisch kunstvoll wirkende überzeugende Essenz der Romanvorlage Easton Ellis' übrig. (9/10)


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