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American Psycho (2000)

Eine Kritik von (Bewertung des Films: 8 / 10)
eingetragen am 14.08.2012, seitdem 281 Mal gelesen



Realität und Wahn

Nach dem, meiner Meinung nach, brillanten Buch von Bret Easton Ellis verfilmt, in genialer, wenn auch nicht in 100%ig umgesetzter Art und Weise. (Nicht 100%ig, weil im Buch haarklein auf wirklich jedes oberflächliche Detail weitaus mehr eingegangen wird, ganze Sätze und Absätze verlieren sich in reinen Markennamen).

Was wir hier zu sehen bekommen, ist eine eiskalte Abrechnung mit den 80er Jahre Yuppies, die sich in Oberflächlichkeiten und Besitztümern suhlen und sich damit versuchen, von einer Masse abzuheben. Einer Masse, die keiner Oberschicht angehört, keine Valentino-Anzüge trägt. So sehr sich der Hauptprotagonist, dargestellt von Christian Bale - in seiner waren Rolle des Lebens, wie ich finde - darin suhlt, in seinem Markenfetischismus, in seiner Körperpflege, in Komplimenten, in, wie er glaubt, der Tiefgründigkeit seiner Lieblingsbands und Liedern. So sehr langweilt es ihn.

Schlichtweg ist dies alles zu wenig, geplagt und verfolgt von einer Leere, welche er zu füllen versucht. Ein Mensch, der augenscheinlich alles hat, über alle, für die Unter- und Mittelschicht, beneidenswerten Attribute verfügt, aber es keinen Funken Zufriedenheit mehr in ihm auslöst.

So führt er z.B. eine Beziehung mit einer attraktiven, ebenso oberflächlichen Frau, hat eine Affäre mit der (Schein)Freundin einer seiner Freunde, beide in gleicher Weise öberflächlich. Sein Freundeskreis, überwiegend bestehend aus Arbeitskollegen, oberflächlich. Er kauft sich Frauen, versucht Sex ebenfalls als Heilmittel für die Linderung seiner Qualen zu benutzen, er gibt Ihnen Namen, er hat Freude an seinem erniedrigenden Witz, ob die Straßennutte denn Visitenkarten annimmt, aber auch diese Form von Herabwürdigungen reichen ihm nicht mehr aus.

Seinen Stil stets bewahrend und die Fassung verlierend, sofern jemand das Layout einer anderen Visitenkarte vorzieht. Das Zurückgeben von DVD- Filmen als Synonym für schreckliche Dinge, die er tun wird/will. Für einen wirklich kurzen, gar winzigen Augenblick, scheint in dieser schönen Hülle von Mensch, in dieser von bösen Sehnsüchten geplagten Hülle, in seiner Welt voller Verschwendungen, voller Dekadenz, ein Mensch zu stecken.

Als er seine Sekretärin zu sich nach Hause einlädt und wiedersteht, dem wiedersteht, was seine Sehnsüchte erfüllen könnte.

Man wandelt also mit einer Figur durch eine Welt voller Stilfragen, voller Sinnfragen über Sinnloses, voller Nachjagen von Tischreservierungen in den besten Restaurants - und darüber ausgelacht werden, voller Wutausbrüche bei kleinsten Abweisungen und Versagen, wo Dekadenz nicht bloß ein Wort mit Bedeutung, sondern der Sinn des Lebens ist und landet in einer Verfolgungsjagd durchs Sein und Nichtsein, wahr und unwahr, geschehen und nie geschehen.


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