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American Psycho (2000)

Eine Kritik von (Bewertung des Films: 9 / 10)
eingetragen am 02.10.2004, seitdem 699 Mal gelesen



Patrick Bateman (Christian Bale) ist ganz der typische Yuppie der 80er Jahre. Stets in Anzug und Krawatte weiß er bestens Bescheid über alles, was Lifestyle und "in" ist. Sein Appartement ähnelt einem Bild aus einer Werbebroschüre: alles perfekt, sauber, teuer - vom allerfeinsten. Ebenso kümmert er sich um seinen Körper: Fitness und Körperpflege bestimmen seinen Tagesablauf.

Natürlich muß so ein richtiger Yuppie auch Stil haben. Aussehen ist ja nicht alles. Also sind allgemeingültige Floskeln zu weltbewegenden Themen, aufgeschnappt aus den Medien, wichtiges Bildungsgut, das notwendig erscheint anderen mitzuteilen. Bateman hat zu allem eine Meinung, die er in einer an Blasiertheit nicht zu überbietenden Ausdrucksweise darzustellen vermag. Eingebildeter Schnösel, das denkt man von der ersten Sekunde an.

Seine Freunde und Kollegen sind nicht anders. Oberflächlichkeit, Geld, Angeberei - typische Attribute dieser Gesellschaft. Deutlich wird dies durch Ellistypische Promiskuität, belangloses Aneinander-Vorbeigerede, Desinteresse am Menschlichen, aufgesetztes Gockelgehabe.

Mary Harron zeigt uns in erster Linie diesen Aspekt des Buches. Sie verwendet viel Zeit auf die Herausarbeitung ihrer Charaktere und bringt so die Romanvorlage vom brutalen Schlächterschocker in Richtung psychologische Hintergründe. Während der ganzen Zeit fragt man sich: Was tut dieser Bateman eigentlich den ganzen Tag, was ist sein Job? Was nie beantwortet wird. Er sitzt im leeren Büro mit leerem Terminkalender, das einzig geschäftliche sind die Verabredungen zum Lunch. So wird der Plot stärker zu Gunsten des Psychologischen gewichtet, was der Aussage gut tut und vorallem deutlich macht: Bateman bist Du, ein bißchen Bateman steckt in jedem von uns.

Bateman ist einer, der dazugehören will. Ein Mitläufer, der analog zum später entstandenen, aber populären Fight-Club-Charakter, ein Gesellschaftsmilieu-Fanatiker darstellt. Und daran langsam aber sicher zerbricht.

Was nicht paßt, wird ignoriert - getreu diesem Motto kann der Protagonist tun und lassen was er will, alles bleibt ungesühnt. Es fällt gar nicht weiter auf, man will es gar nicht wahrnehmen. Selbst das spätere Geständnis wird nicht ernst genommen. Jeder Charakter ist beliebig und austauschbar, was uns besonders bewußt wird bei der Ermittlungsarbeit des Privatdetektivs: Jeder Befragte verwechselt jeden mit jedem und hat keine Ahnung, wann er wen wo gesehen hat - die einzig bleibende Erinnerung sind die Lokalitäten, in denen man speiste. Der Mensch als Individuum ist unwichtig.

Der schwarze Humor von Ellis Romanvorlage stand deutlich im Vordergrund bei der Verfilmung, auf blutrünstige Szenen wurde bewußt verzichtet und doch werden die notwendigen Stellen angedeutet. Aber selbst während dieser Szenen verliert Bateman nie die Contenance, bestes Beispiel als er die beiden Nutten vögelt und dabei nur eines im Sinn hat: Seine Frisur im Spiegel zu kontrollieren.

Genügend legendäre Szenen bestimmen American Psycho: die Visitenkarten-Angeberei-Szene mit dem Looser, der halt erst ein paar Tage später den längst erkalteten Kaffee aufwärmen will (Synonym für die Kurzlebigkeit unserer Gesellschaft), oder die völlig unpassenden Monologe zu Musikinterpreten (Huey Lewis, Phil Collins), hauptsache er kann mit Halbwissen glänzen, egal bei wem - die Frage drängt sich auf, für was er die "Hostessen" bezahlte: nur für Sex, oder auch dafür, daß er ein dankbares Auditorium bekommt.

Unterm Strich bleibt eine völlig durchgeknallte, von der Gesellschaft zerstörte Persönlichkeit übrig. Es bleibt ihm gar nichts anderes übrig, als durchzudrehen und alles zu meucheln, was ihm in den Weg kommt. Selbst als er begreift was er tut, kann er nicht aus seiner Haut heraus und fügt sich schlußendlich wieder brav in die Szene ein, ergibt sich seinem Schicksal als Yuppie, auch wenn sein Innerstes sich vor diesem sträubt.

Einige Handlungen und Personen wurden nicht bis in die letzte Konsequenz umgesetzt, was dem Film nicht schadet, aber die Vergabe der Höchstpunktzahl verhindert: Was wird aus seiner Verlobten? Wie geht es mit den Ermittlungen um Allens Verschwinden weiter? Was ist mit der leichenübersäten und blutüberströmten Wohnung wirklich passiert? Schade, diese zwei drei Minuten mehr hätten dem Film gut getan, soviel Zeit hätte sein müssen.

(9/10)


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