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Zwölf Runden (2009)

Eine Kritik von (Bewertung des Films: 7 / 10)
eingetragen am 25.10.2010, seitdem 391 Mal gelesen



Ein sichtbar abgespeckter John Cena kämpft sich mit vollem Körpereinsatz zu Lande und in der Luft durch ein 12 Runden umfassendes Katz- und Mausspiel mit einem hyperintelligenten Gegenspieler in einem Actionthriller gleichen Namens.

Im Vergleich zu John Cenas Schauspiel-Debut als "The Marine" verzichtet hier Regisseur Renny Harlins Film weitestgehend auf ironische Spitzen und augenzwinkernden Humor und hetzt seinen Hauptdarsteller in typischer "Speed"-Manier durch New Orleans und lässt ihn knifflige Aufgaben erfüllen um das Leben seiner entführten Frau zu retten.

Auf Teufel komm raus soll dem Zuschauer nach den teilweise niederschmetternden Kritiken zu "The Marine" mit "12 Runden" ein knallharter und vor allem ernster Actionfilm verkauft werden, der sich hier und da bei "Speed" und dem dritten Teil der "Stirb langsam"-Quadrology bedient, dabei aber weniger den Inszenierungsstil des Vorgängers verfolgt (also weniger übertriebene Action im Stil der 80er Jahre), sondern sich ganz klar an heutigen Maßstäben orientiert: schnelle Schnitttechnik, hektische Kamerafahrten und ständige Zooms sollen dem Zuschauer das Gefühl vermitteln, mitten im Geschehen zu sein.

Gleich zu Beginn drückt Harlin auf die Tube und sorgt mit sauber inszenierten Verfolgungsjagden und Explosionen für nonstop Action, teilweise kann er auch mit etwas Spannung und Dramatik überzeugen.

Mit Aiden Gillen als Miles Jackson steht John Cena ein charismatischer Gegenspieler gegenüber, der an Robert Patricks genialer Performance aus "The Marine" zwar nicht herankommt, dafür aber mit Genialität und einem perfiden Rachefeldzug überzeugen kann, wogegen Cena mit seiner minimalistischen Ausdruckskraft blass aussieht.
Komplett fehlbesetzt dagegen ist vor allem Gonzalo Menendez, eingefleischten Krimifans bestens als Horatio Caines Gegenspieler Clavo Cruz aus diversen "CSI: Miami"-Episoden bekannt, der rein äußerlich überhaupt nicht in die Rolle eines FBI Special Agents passt.

Vielmehr stößt allerdings bei "12 Runden" negativ auf, dass bis auf ein, zwei Anflüge von Humor die actionreiche Jagd quer durch New Orleans ohne die genretypischen Oneliner auskommen muss und dass bei all der Action - wobei auch die Szenen mit der Straßenbahn oder die brachiale Verschrottung von mehreren Dutzend Fahrzeugen  durch ein Feuerwehrauto aus Filmen wie "The Rock" oder "Red Heat" geklaut wurden - der Showdown zwar noch ein, zwei Stunteinlagen bietet, ansonsten aber im Vergleich zum Rest des Films relativ unspektakulär wirkt.

Letzten Endes entpuppt sich der angebliche Rachefeldzug in seinen Einzelheiten zwar als raffiniert inszeniertes Schurkenstück, dass sich aber mit der Auflösung des "12 Runden-Marathons" als eine unverschämt bei "Stirb langsam III" geklaute Räuberpistole entpuppt, denn um Rache allein geht es dem Bösewicht nicht. Hier wie da gilt es vielmehr, mit der spektakulären Schnitzeljagd vom eigentlichen Motiv - einem ordinären Raubüberfall - abzulenken, womit das "Die Hard"-Plagiat perfekt wäre.

Sieht man jedoch von dem bitteren Nachgeschmack dieses mehr als  dreisten Ideenklaus ab, bleibt unter dem Strich ein leidlich unterhaltsamer Actionfilm, der aber im Vergleich zu "The Marine" - mit wenig Abstand - der schlechtere von beiden ist.


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