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Australia (2008)

Eine Kritik von (Bewertung des Films: 6 / 10)
eingetragen am 27.12.2008, seitdem 1163 Mal gelesen



Erinnern Sie sich noch an die Coca-Cola-Werbung anno 2000? Einige Bürohühner sitzen um halb 1 in ihren Stühlen und warten auf diesen einen Augenblick: der Fensterputzer fährt auf ihre Etage und man sieht diesen perfekt durchtrainierten und dazu entblößten Oberkörper. Für die geifernden Damen ist dies das Highlight des Tages, der Sabber ist beinahe greifbar. Eine nahezu identische Situation ist also einer der rar gesäten iconic moments in Baz Luhrmanns Australien-Epos. Anstelle der Sekretärinnen haben wir eine verklemmte Adelige (Nicole Kidman), die überwältigt Zeuge des Sich-Entkleidens von dem "Drover" (Hugh Jackman) wird. Mit welchem Aufwand sich Luhrmann der Inszenierung der Szene widmet, lässt sofort jedwede Hoffnung auf eine ironische Brechung des Ganzen im Keim ersticken. So lautet einer der Kernbefunde nach dem Film: der Streifen nimmt sich über weite Strecken so unendlich ernst, will ambitioniert die Sehnsucht nach einem filmischen Australien-Mythos befriedigen, und krankt dabei auf halber Strecke an seiner Blutleere.

Die ersten 20 Minuten findet der Film noch nicht so recht seine Tonlage, doch dann ist die Konstellation für die erste Hälfte des Streifens klar, die biedere Weiße und der wilde Viehtreiber aus dem Outback müssen sich finden und lieben. Selten ließ eine Lovestory eines Films dieser Dimensionierung einen so kalt wie hier. Eine Romanze ohne magische Romantik; zwei Stars spulen hier ihr Programm ab, ohne dass man auch nur eine Sekunde in Zweifel kommt, ob die Grenzen zwischen Fiktion und Set verschwimmen. Die Einstellungen und Dialoge sind schon zu oft gehört und gesehen worden, und so sucht man abseits dieser einfallslosen Falling-in-Love-Choreographie sehenswerte Momente. Mit dem Willen zur political correctness lässt also die Geschichte um einen Mischlingsjungen, der seine Identität zwischen der Adoption durch die englische Lady und seinem Großvater, dem Aborigine-"Schamanen" finden muss, interessiert aufhorchen. Geradezu unfreiwillig komisch und ein verletzender Griff ins Ethno-Klo in diesem Zusammenhang ist das in Szene setzen dieses alten weisen Mannes, man glaubt ein Versatzstück des Mandrills Rafiki aus dem "König der Löwen" vor sich zu haben.

Luhrmann bemüht sich sichtlich, dem Epos eine persönliche Note zu verpassen. Wir sehen digital verfremdete Himmel (die Farbgebung ist ein Plagiat aus "Vanilla Sky"), häufige Close-Ups auf unter- und überforderte Schauspieler, das sinnfrei anmutende Spiel mit Schärfeeinstellungen sowie abermals der überbordende Einsatz von Werbeästhetik, wenn der Drover bei seinen Fangspielen mit dem Seil in Zeitlupe alle Marlboro-Männer vor Neid erblassen lässt. Traurig macht es, wenn die Landschaften Australiens für die voyeuristischen Blicke der Touristen ausgeschlachtet und missbraucht werden, und das eigentliche Drama dann erst im letzten Drittel vermag, einen emotional mit auf die Reise nehmen, dann wenn der 2. Weltkrieg die Insel der Glückseligen einholt und man um das Schicksal der nun von einander getrennten Protagonisten mitfiebert. Letztlich bleibt von dem als Meisterwerk angepriesenen Film nicht mehr als ein nur zum Ende hin unterhaltender Streifen übrig, der gewiss mit seinem Postkarten-Flair zu überzeugen vermag, aber schon bald in Vergessenheit geraten wird.


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