Ansicht eines Reviews

Australia (2008)

Eine Kritik von (Bewertung des Films: 7 / 10)
eingetragen am 03.11.2009, seitdem 501 Mal gelesen



Darf man Baz Luhrmanns "Australia" zu den ganz großen (Pferde)Epen der Filmgeschichte zählen? Keine Frage, das unverbrauchte, exotische Szenario Australiens am Vorabend des Zweiten Weltkrieges ist mit Geschick gewählt und allein aufgrund seiner Bildgewalt bereits ein Must-See. Mit Hugh Jackman ("Wolverine") und Nicole Kidman ("The Others") ist zudem ein hochbezahltes Star-Liebespärchen mit an Bord, dass zwischen aufziehendem Krieg, darniederliegender Rinderfarm und diskriminierten Ureinwohnern recht schön schmachten darf.

Die breit angelegte Geschichte um eine britische Adelige wiederum, die sich in der rauen Outback-Natur Australiens beweisen muss und hierbei nicht nur in die Wirren des Weltkrieges gerät, sondern sich auch mit einem machthungrigen Viehbaron herumschlagen muss, entfaltet ihr Potenzial zumeist erfolgreich. Erfrischend wirkt sich vor allem die Eingebohrenenthematik aus, die das ansonsten wenig innovative und ab und an auch mal etwas langatmige Storygrundgerüst entscheidend aufpeppt und um eine zeitkritische Dimension bereichert. Zudem bemühten sich die Macher, den Film möglichst historisch angehaucht erscheinen zu lassen, was vor allem im Abspann auch schön zu sehen ist. Eigentlich alles wunderbar könnte man da meinen (auch wenn sich der geneigte Historiker sicherlich einen noch intensiveren Kontext gewünscht hätte) - wäre da nicht das für mein Empfinden doch etwas ungünstig gecastete Duo Kidman/Jackman...
Beide scheinen mir trotz aller schauspielerischen Klasse für einen Film diesen Kalibers ganz generell nicht die optimale Wahl zu sein. Zu kühl und unnahbar wirkt die Kidman (wieder einmal) und Jackman hängt sein "X-Men"-Image dann doch eine Idee zu sehr an. Kein Wunder also, dass die Sympathien des Zuschauers bei "Australia" eher den teils sehr schön gestalteten Nebencharakteren gelten.

Für die erste Liga vergleichbarer Kinomeilensteine vom Schlage eines "Vom Winde verweht" reicht es aber auch aus anderen Gründen nicht ganz. "Australia" scheitert kurz gesagt auf hohem, ja bisweilen höchstem Niveau - und das auch an einigen Nachlässigkeiten, die rückblickend teils leicht vermeidbar gewesen wären. Als da wären auf technischer Seite die wenig überzeugenden CGI-Effekte primär des letzten Filmdrittels, die im Angesicht der ansonsten tollen Bebilderung unangenehm deutlich hervorstechen. Auch fehlt es den Kriegsszenen am letzten Feinschliff, was die Dynamik und Choreographie betrifft. Der mittlerweile 6 Jahre alte "Pearl Harbor" aus dem Hause Bay hat hier technisch die Nase immer noch vorne.
Regisseur Luhrmann ("Moulin Rouge") entschied sich obendrein - im Sinne eines dem Szenario gemäß sichtlich gealtert wirkenden Looks - für recht intensive (Sepia)Farbfilter. Betroffen sind hier vor allem die Kriegsszenen. Wie immer dürfte diese Wahl die Meinung der Kinozuschauer spalten. Bei allem gebührenden Respekt für die Liebe zum Detail und die faszinierenden Landschaftsaufnahmen: Ich empfand die filterbedingt sehr künstlich wirkenden Bildkompositionen jedenfalls nicht als optimal.
Auch in akustischer Hinsicht muss leider Kritik geübt werden. Große Filme brauchen zwingend einen großen Soundtrack: Einen gleichermaßen eindringlichen wie ausgefeilten Geniestreich, der idealerweise noch Wochen nach dem Kinobesuch durch die Gehörgänge spukt. Leider kann "Australia" in dieser Hinsicht nicht spürbar punkten. Zwar gibt es einige genretypisch gefühlvolle Kompositionen, diese wirken in ihrer Unauffälligkeit jedoch bestenfalls für den Moment.

Nichtsdestrotz sollte man sich jedoch vergegenwärtigen, dass sich Australia hier Kritik auf hohem Niveau gefallen lassen muss. Ein spektakuläres Kinoerlebnis ist Luhrmanns 165-minütiges Leinwand-Epos in jedem Fall - und das ganz besonders in High Defintion! (auch wenn sich hier die Farbfilter einmal mehr negativ bemerkbar machen, was Detaildurchzeichung und Plastizität anbelangt).

Fazit: Nicht das erhoffte Meisterstück für die filmische Ewigkeit, für einen tollen Kinoabend reichts aber allein schon der wunderbaren Naturaufnahmen wegen allemal.


Surprise me!
"Surprise me!" BETA
Lassen Sie sich überraschen! Wir führen Sie zu einem zufälligen Treffer zu einem Thema Ihrer Wahl... Wollen Sie eine andere Kritik von "Onkel" lesen? Oder ein anderes Review zu "Australia (2008)"?


Zur Übersichtsseite des Films
Liste aller lokalen Reviews von Onkel

Zurück


Copyright © 1999-2018 OFDb.de - Die Online-Filmdatenbank
Alle Rechte vorbehalten.
Nutzungsbedingungen · Werben · Impressum
Hosted by Net-Build



Quicksearch






User-Center

Benutzername: 
Paßwort:
Login nur für diese Sitzung:

·

577 Besucher online


SSL  SSL-gesicherte
Verbindung aktiv


Abonnement


Abonnement - Bitte erst anmelden
Melden Sie sich bitte an, um Abonnements vornehmen zu können



Neue Reviews


Female Chivalry, The (1975)
Jungle (2017)
Dunkelste Stunde, Die (2017)
Nacht des Jägers, Die (1955)
High Spirits - Die Geister sind willig (1988)



News


Unser News-Bereich wurde überarbeitet und wird in Kürze weiter ausgebaut werden, damit Sie stets aktuell über alle Neuigkeiten rund um die Welt des Films informiert sind.

» Zum neuen News-Bereich