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Gran Torino (2008)

Eine Kritik von (Bewertung des Films: 10 / 10)
eingetragen am 13.09.2017, seitdem 104 Mal gelesen



Ein Einzelgänger durchbricht den Teufelskreis der Gewalt 


"Gran Torino" geht in Eastwoods erhabener Karriere sowohl regietechnisch wie schauspielerisch leicht und leider oft unter. Doch das geht den dezenteren Spätwerken einiger der größten Regisseuren der Welt ebenso, von Kurasawa bis Bergmann. "Gran Torino" handelt von einem mürrischen, ausländerfeindlichen und verwitwerten Kriegsveteran in Detroit, der sich unerwartet mit einer asiatischen Familie anfreundet, Vorurteile abbaut und sich mit einer Strassengang anlegt... Eigentlich eine so simple, reduzierte und austauschbare Geschichte, dass man sie eher auf einem der deutschen öffentlich-rechtlichen Sender erwartet als in Hollywood an der Hand eines der größten US-Patrioten und Machos der Filmgeschichte. Und gerade dies verleiht dem Film einen doppelt und dreifach bemerkenswerten Boden. Mit ruhiger Hand und unerschöpflicher Geduld führt Eastwood sich selbst (und nachträglich fast alle seine Figuren) hiermit zu einer späten Katharsis und noch größeren Legendenstatus als ihm ohnehin schon längst inne war.


Melodramatisch, kitschig, vorhersehbar - lasse ich alles gelten. Interessiert oder zieht mich in diesem Fall allerdings kein bisschen runter. Denn wenn das Herz eines Film so laut am rechten Fleck klopft, dann genießt man einfach das Gefühlschaos und die Empathie die er in einem auslöst. Und in Zeiten von Multi-Kulti-Kritikern, Sozialpessimisten, Einwanderungsproblematik und der rechten New-Hate-Welle, die schockierenderweise gerade über die westliche Welt schwappt, ist ein Film wie "Gran Torino" Gold wert. Und vielleicht hören seine Fans ja eher auf Dirty Harry als auf unglaubwürdige Politiker oder gar miese Wirtschaftsbosse. Detroit hätte als zerfallende Stadt kaum besser ausgewählt werden können und die gemächlich aufkeimende Freundschaft zwischen Eastwoods Charakter Walt und der koreanischen Nachbarsfamilie ist nachvollziehbar und überzeugend. Wenige von Eastwoods Figuren hatten jemals solch eine Entwicklung und einen Storybogen. "Gran Torino" ist zudem ein Statement aus der Spirale der Gewalt auszusteigen und somit das Gegenstück zum doch überraschend arg patriotisch-blinden "American Sniper", den ich der schweigsamen Legende hier nach gar nicht mehr zugetraut hätte. Doch selbst wenn er meine Weltanschauung und politische wie humane Denkweise nicht getroffen hätte, ist "Gran Torino" ein massiv besserer Film als das Scharfschützen-Biopic. Berührend, belehrend, besser machend. 


Fazit: Eastwoods "Ikiru" - zutiefst human, aktuell und zeitlos zugleich. Die erlösende Antithese zu seinen namenlosen Revolverhelden oder Dirty Harry. Ein altersweises und befreiendes Meisterwerk. 


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