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23 (1998)

Eine Kritik von (Bewertung des Films: 9 / 10)
eingetragen am 21.11.2004, seitdem 522 Mal gelesen



Karl ist jung und setzt sich analog der 68er-Bewegung in den 80er Jahren für Werte außerhalb des Kapitalismus ein. Zunächst liegt seine Motivation in der ablehnenden Haltung seinem erzkonservativen Vater gegenüber begründet, nach dessen Tod allerdings verfällt er zunehmend den Lockrufen des sozialistischen Blocks. Am Anfang stand die Zahl 23, eine für Karl magische Zahl, geschürt durch ein Buch von Wilson. "Die Illuminaten" prägen seine Jugend, die Sage vom Geheimbund der die Welt lenkt und deren Widersacher Hagbard Celine beschwingt ihn.

Zunächst will Karl lediglich hinter das Geheimnis der 23 kommen und erkennt nicht, wie sehr er sich in ein Märchen verstrickt. Wenn man etwas gezielt sucht, wird man fündig und findet weitere Bestätigung - und Ausnahmen bestätigen die Regel. "Kennedy wurde an einem 22. erschossen, Oswald am 24. Dazwischen liegt die 23." Das sind Logiken, die Karl prägen. Erheiternd: "Brockhaus, das gesammelte Wissen in 23 Bänden." - "Es sind 24." - "Schade."

Erst am Ende steht die Erkenntnis: "Es ist doch nur ein Spiel mit dieser beschissenen 23!" doch bis dorthin ist es ein weiter Weg. Um dieser Zahl auf die Spur und somit an die Illuminaten zu kommen legt sich Karl einen Rechner zu. Schnell lernt er David kennen und tut sich mit ihm zusammen. Der russische Geheimdienst mischt bald mit, denn die beiden unbedarften idealistischen Jungs sind leicht zu beeinflussen. Gnadenlos werden sie für deren Zwecke mißbraucht. Ebenso die Medien halten sich nicht schadlos, einer spannenden Story ist man schließlich immer auf der Spur.

Irgendwann kann sich Karl nur noch mit Drogen über Wasser halten, verstrickt sich in Wahnvorstellungen, sein Leben endet in einem finanziellen Desaster, was ihn dazu nötigt immer tiefer in seine Spionagewelt einzutauchen anstatt derer zu entfliehen. Er erkennt nicht, wie zerstörerisch alles auf ihn wirkt. Und er will es auch nicht erkennen, denn sonst müßte er sich eingestehen, daß die "Verschwörung der 23" lediglich ein Hirngespinst ist.

August Diehl und Fabian Busch agieren als jugendliche Hacker glaubwürdig und passend naiv - Dieter Landuris als Dealer und Jan Gregor Kremp als Agent ergänzen das Quartett auf gutem Niveau. Der Film ist insgesamt recht gelungen, er hält sich weitgehend an die zugrundeliegenden Tatsachen, die Hinzudichtungen sind glaubwürdig und visualisieren die undurchsichtigen Machenschaften und Verstrickungen der Beteiligten absolut passend und fördern das unwohlige Gefühl des "da könnte halt doch was dran sein". Insbesondere die undurchsichtige Figur des Weber (Burghart Klaußner) bleibt bis zuletzt ungeklärt. Arbeitet er für die Russen? Oder für den Verfassungsschutz? Spielt er nur zufällig Tennis mit dem Topagent? Wieso setzt er sich so für seinen lausigen freien Mitarbeiter ein, oder für Karl - alles nur wegen einer guten Story?

Vieles gibt einem zu denken, der Film fördert ein mulmiges, zweideutiges Gefühl. So ganz klar ist das alles dann doch nicht, sicher scheint nur eines: Karl lebte zuletzt in einer selbst erschaffenen Traumwelt, blieb auf seinen Drogen hängen. Sein Versuch in die Realität zurückzukehren scheitert, wer auch immer daran Schuld sein mag - und auch das "Ergebnis" blieb tatsächlich bis heute ungeklärt. Karl verbrannte in seinem Auto. Natürlich, an einem 23. Doch bis heute gibt es glaubhafte Zweifel an seinem Selbstmord.

Nun denn - der Film bewegt. Künstlerisch auf hohem Niveau mit durchweg guten Schauspielern ist er ein ernstzunehmender Kandidat für die Hitliste der besten deutschen Thriller. Das Drehbuch kennt keine Schwächen, nur manche Szene wirkt dann doch etwas unglaubwürdig. Vielleicht bleiben zu viele Dinge ungeklärt, zu viele Andeutungen im Raum stehen. Das bewußte Unbeantwortetlassen aufkeimender Fragen führt zu einem packenden Filmerlebnis.

(9/10)


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