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Chihiros Reise ins Zauberland (2001)

Eine Kritik von (Bewertung des Films: 8 / 10)
eingetragen am 28.11.2014, seitdem 299 Mal gelesen



"Ich muss aufwachen!"

Von dem Umzug in ein neues Heim in einem Vorort von Tokio ist die zehnjährige Chihiro garnicht begeistert. Während der Fahrt dorthin schmollt sie auf dem Rücksitz. Kurz vor der Ankunft verpasst der Vater von ihr eine Ausfahrt und die Familie landet an einem seltsamen Tunnel. Von Neugier getrieben steigen sie aus dem Wagen und gehen durch den Tunnel hindurch. Dahinter befindet sich ein heruntergekommener Vergnügungspark. Trotz seines verlassenen Zustands scheint er jedoch nicht unbewohnt zu sein, denn überall duftet es verführerisch nach köstlichen Speisen. An einem Stand mit Delikatessen schlagen sich Chihiro's Eltern den Bauch voll, nichtwissend, dass sie sich in einem verzauberten Reich befinden. Schnell wird es dunkler und geisterhafte Gestalten erwachen in den Buden. Chihiro entdeckt den Jungen Haku, der ihr zur Flucht verhelfen will. Es ist aber bereits zu spät. Der Rückweg ist versperrt und Chihiro's Eltern haben sich in Schweine verwandelt. Die einzige, die dies rückgängig machen kann, ist die böse Hexe Yubaba, die ein anliegendes Badehaus für Götter führt. Also gliedert sich Chihiro ein und sucht in diesem Haus nach Arbeit.

Studio Ghibli und Regisseur Hayao Miyazaki ("Prinzessin Mononoke", "Mein Nachbar Totoro") sind feste Größen in der Anime-Szene Japans. Besonders mit seinen aussagekräftigen Öko-Dramen gewannen das Studio und der Regisseur Beachtung und Anerkennung. "Chihiros Reise ins Zauberland" setzt in deren Laufbahn einen ganz besonderen Meilenstein. Das Märchen über fernöstliche Götter- und Fabelwesen in einer surrealen und magischen Welt war ein internationaler Erfolg, der erstmals einen Oscar nach sich zog.

"Chihiros Reise ins Zauberland" ist trotz seiner überwiegenden, naiven Stimmung weder ein Kinderfilm noch für ein Massenpublikum tauglich. Die erstaunlich komplexen Elemente, die eine Parabel über das moderne Japan und die Werte von Industriestaaten bilden, entziehen sich einfachen Erklärungen und zielen eher auf die Vorstellungskraft des Publikums. Die Blockade durch die fernöstliche Mythologie sowie sperrigen Göttern und Sagenfiguren, deren Bedeutung in der japanischen Kultur hierzulande den Wenigsten klar sein dürfte, wird sicher einige abschrecken. Dennoch ist der Zauber dieses Märchens ein besonderer.

Neben einer sehr sanften Liebesgeschichte beinhaltet der Anime eine Parabel über Gier und Verlangen, Rivalitäten durch gegensätzliche Lebensstile, übervorsichtige Behandlung des Nachwuchses sowie den üblichen Apell über die Verunreinigung der Umwelt. Die Protagonistin ist entweder direkt betroffen oder streift diese Themen, ohne dass sie jemals ausgesprochen werden. Ein erzählerischer Kniff, der viel der eigenen Fantasie überlässt aber auch nur mühsam Spannung entstehen lässt.

So wie in vielen Filmen japanischer Herkunft ist die Zuordnung zwischen Gut und Böse nicht vorhanden. Viele Charaktere unterliegen einer Grauzeichnung, stets irgendwo zwischen gutmütiger und bösartiger Absicht. Diese nicht-stereotypen Figuren verwirren ebenso die Augen, denn ihr Aussehen ist gerade für das westliche Publikum sperrig.

Studio Ghibli beweist mit "Chihiros Reise ins Zauberland", dass sie ihr Handwerk verstehen. Der Grad an Detailverliebtheit in der Animation ist unglaublich beeindruckend. Dies gilt für die Innenausstattungen des Badehauses genauso, wie für die üppigen Landschaftsbilder. Die Übergänge zwischen Handzeichnungen und digitaler Effekte sind fließend und harmonisch. Trotz zahlreicher schauriger Figuren überwiegen die farbenprächtigen Bilder bei weitem.

Das charismatische Märchen stellt in vielerlei Hinsicht etwas Besonderes dar. Nicht nur durch die Auszeichnungen und die internationale Anerkennung. Der Inhalt ist ungewöhnlich vielfältig und die Animation unglaublich liebevoll. Dennoch ist es schwer "Chihiros Reise ins Zauberland" einzuordnen. Am ehesten wohl in der Nähe von Lewis Carroll's "Alice im Wunderland", dass ähnlich ausgefallene Figuren beinhaltet. Einen größeren Fokus hätte der Anime aber doch noch auf sein Tempo legen müssen, denn das komplexe Spannungsfeld um eine Welt zwischen modernem und traditionellem Japan, versumpft des Öfteren in langwieriger Selbstbeweihräucherung.

8 / 10


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