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Chihiros Reise ins Zauberland (2001)

Eine Kritik von (Bewertung des Films: 8 / 10)
eingetragen am 01.02.2004, seitdem 1221 Mal gelesen



Mit "Chihiros Reise ins Zauberland" präsentiert uns Hayao Miyazaki erneut ein Anime-Highlight und führt uns nach "Prinzessin Mononoke" wiederum in eine fantasievolle Dimension, deren Uhrwerk seinen ganz eigenen Prinzipien folgt. Die 10-jährige Chihiro ist es, die wir in diese märchenhafte Welt begleiten werden. Mit ihren Eltern ist sie gerade auf dem Weg in eine neue Stadt, als sich ihr Vater verfährt und vor einem Tunnel halt macht. Die Neugier ist groß und so wandert die Familie in das geheimnisvolle Dunkel. Auf der anderen Seite treffen sie auf eine zunächst verlassen geglaubte Stadt, ein von ihnen erblicktes, frisches Büfett lässt daran allerdings zweifeln. Trotzdem langen Chihiros Eltern kräftig zu. Ihre Maßlosigkeit hat jedoch Folgen: Ehe sich Chihiro versieht, sind aus den esswütigen Eltern grunzende Schweine geworden - ihre Reise ins Zauberland hat begonnen.

Es gilt einen Weg zu finden, ihre Eltern wieder zurückzuverwandeln. Doch in einer fremden Welt mit sonderbaren Wesen, sprechenden Fröschen und lebenden Kohlestücken kann sich dies schon als äußerst schwierige Mission erweisen. Glücklicherweise trifft Chihiro auf Haku (in der deutschen Fassung passend von Tim Sander gesprochen), auf den ersten Blick scheinbar ein Mensch, der sie mit den wichtigsten Regeln der Welt vertraut macht. Eine besagt: Auf die Nichtarbeitenden wartet ebenfalls die Verwandlung in ein Tier, vollstreckt durch Yubaba, der über die Gegend herrschenden Hexe. Über Lin und dem Spinnenwesen Kamaji gelangt Chihiro höchstpersönlich zu Yubaba, um hartnäckig nach Arbeit zu bitten. Die mächtige Zauberin mit dem riesigen Kopf nimmt sie schließlich als Arbeiterin in ihr Badehaus auf; allerdings muss Chihiro im Gegenzug ihren alten Namen abgeben - sie wird zu Sen.

Es gilt für Sen viele kleine Abenteuer zumeist im Badehaus zu bewältigen, die in ihrer Ungewöhnlichkeit und Komplexität jedoch so weitreichend angelegt sind, dass eine Beschreibung diesen Rahmen hier sprengen würde. Nur soviel soll gesagt sein: Gegenüber üblichen Disney-Produktionen ist die inhaltliche Fülle selten wie ein Edelweiß, ein Unikat zeichnerischen Films; ohne Kitsch und Klischee - voller japanischer Mythologie, Ökologie und Kultur. "Chihiros Reise ins Zauberland" ist eine Rundfahrt in ein faszinierendes Universum. Passagenweise nur etwas zu gemächlich und allgemein an Aussagen nicht so nährreich wie beispielsweise die Studio Ghibli-Produktionen "Die letzten Glühwürmchen" oder eben auch Miyazakis "Prinzessin Mononoke". "Chihiros Reise" hingegen ist mehr eine pure Erfahrung, auch wenn Identitätswahrung oder Verführbarkeit mit verbundenem menschlichen Materialismus hier natürlich keine unbedeutenden Rollen spielen, jedoch auch nie wirklich ausgebaut werden. Die Charakterzeichnung ist da schon etwas tiefgründiger. Bemerkenswert ist einerseits die charakterliche Weiterentwicklung Chihiros, sowie im Gegensatz zu typisch oberflächlichen, westlichen Werken andererseits einmal mehr die allgemeine Neutralität der Figuren; auf eine sture Schwarz-Weiß-Klassifizierung wird nämlich verzichtet.

Nichtsdestotrotz hat Hayao Miyazaki seine Geschichte abermals brillant in Szene gesetzt. Feine Zeichnungen mit besonders detailreichen, realitätsbezogenen Landschaften, sowie wunderschöne, meist unterschwellige Klänge von Joe Hisaishi ermöglichen erst die im wahrsten Sinne des Wortes zauberhafte und magisch anmutende Atmosphäre. Bei der Vorstellung, dass in der deutschen Fassung die doch leicht durchgeknallte Nina Hagen eine Synchronstimme übernimmt, könnten bei dem einen oder anderen durchaus die Alarmglocken läuten, doch tatsächlich liefert sie wirklich eine überraschend gute Arbeit ab. Der Charakter der Yubaba mag sie wohl sehr angesprochen haben. Falls es tatsächlich Hexen geben sollte, dann ist Nina Hagen sowieso auf Garantie eine. Sidonie von Krosigk lieh Chihiro ihre Stimme; in meinen Augen nicht unbedingt die optimale Wahl, aber insgesamt immer noch akzeptabel.

"Chihiros Reise ins Zauberland" ist durch seine ausgesprochen blühende Fantasie eigentlich ein hinter einem anderen Horizont spielendes Märchen. Zwar stellenweise etwas abbauend und mit einem nicht so hohen Nährwert charakterisiert, trotzdem allerdings gerade für den westlichen Kulturkreis immer noch eine einzigartige Erfahrung.


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