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Geister, die ich rief..., Die (1988)

Eine Kritik von (Bewertung des Films: 6 / 10)
eingetragen am 26.12.2010, seitdem 887 Mal gelesen



1988 versuchte sich Richard Donner an seiner ganz eigenen Version der Weihnachtsgeschichte, die mit einem der populärsten Komiker des Jahrzehnts in der Hauptrolle aufwartete.
In „Scrooged“ geht es um den TV-Produzenten Francis Xavier Cross (Bill Murray), oder kurz: Frank Cross, wie der telling name des Protagonisten lautet. Denn Frank ist tatsächlich „cross“ (übersetzt soviel wie „dagegen“ oder „im Streit mit“) diversen Leuten, da der hartherzige Produzent jedwede Sentimentalität für nicht tolerabel hält. Selbst der eigene Bruder kriegt nur ein Geschäftsweihnachtsgeschenk von der Stange (steuerlich absetzbar), zu warmherzige Mitarbeiter werden einen Tag vor Weihnachten gefeuert und das Fest ist für Frank eh nur ein Mittel um Quote zu machen. Das gibt Raum für einige Fieslichkeiten, nix mit Weihnachtsidylle, sondern schön hämisch druff aufs Fest der Liebe.
Das fängt bereits bei Franks Programmplänen an: Ein Ballerschinken, in dem Lee Majors den Weihnachtsmann vor Terroristen rettet, und ähnliche Scherze, als Herzstück eine Live-Verfilmung von Charles Dickens’ „A Christmas Carol“, die auch dem Zeitgeist angepasst werden soll: Mäuse mit Plüschgeweihen, eine Artistin als Tiny Tim usw. Kapitalismuskritik war schon mal subtiler, aber immerhin ist die Darstellung der Ausschlachtung von Weihnachten echt ganz amüsant gestaltet.

Doch wie in der Vorlage erscheint Frank zuerst ein toter Geschäftspartner, der ihm die Besuche dreier Geister, denen der vergangenen, gegenwärtigen und der zukünftigen Weihnacht ankündigen. Diese nehmen Frank auf eine verrückte Reise zur Selbsterkenntnis…
Heissa, da gibt es die klassische Literatur also im Gewand der 80er-Komödie, doch „Scrooged“ gehört zu den zahlreichen Exemplaren, die man wahlweise als schlecht gealtert oder von Fans nostalgisch verklärt bezeichnen kann. Nicht, dass „Scrooged“ ein wirklich schlechter Film wäre, doch über weite Strecken fällt der Humor überraschend platt und simpel aus – und ist dabei leider auch nur mäßig vom Timing her. Gerade der Running Gag des Geistes der gegenwärtigen Weihnacht, der Frank andauernd einen auf die Moppe oder ins Zentralmassiv verpasst, wirkt doch reichlich stumpf und wenig lustig.
Obendrauf gibt es einen vollkommen von der Leine gelassenen Bill Murray, der den Film über weite Strecken an sich reißt, was „Scrooged“ über weite Strecken ganz gut bekommt. Gelegentlich nervt der Hang zum Overacting, dafür ist manche Slapstickeinlage grandios gespielt, gerade die „Is that a shotgun or are just happy to see me?“-Szene ist ein wahrer Brüller. Daneben muss das Nebendarstellerensemble zurückstecken: Karen Allen ist charmant, aber austauschbar, Bobcat Goldthwait gibt mal wieder den labilen Schwächling, das Auftauchen von Robert Mitchum und John Forsythe kann als markige Randerscheinung abgebucht werden, sodass lediglich Alfre Woodard als Franks Assistentin noch ein paar Akzente setzen kann.

Zudem ist „Scrooged“ als Metatext zu „A Christmas Carol“ nicht ganz so smart wie er es gerne wäre. Die Geister werden für mehr oder minder zeitgemäße Gags verbraucht (gerade beim Geist der zukünftigen Weihnacht lassen „Ghostbusters“ und „Gremlins“ schön grüßen), wobei den Drehbuchschreibern noch am meisten zum ersten Geist eingefallen ist, der als ruppiger Taxifahrer auch direkt als potentieller Publikumsliebling konzipiert ist – mit seinen schnoddrigen Sprüchen aber auch noch die besten Szenen hat. In Verbindung mit dem amüsanten Auftakt und Bill Murrays One-Man-Show blödelt es sich dann überraschend solide über knapp zwei Drittel des Films, unterstützt von urigen Handmade-FX bei den Geisterauftritten – bis dann das dicke Ende kommt.
Ein kurzzeitiger Amoklauf im Sender zeigt kurz anarchisches Potential, doch die Chose endet dann in einer rund 10minütigen Weltverbessererrede, welche die Moral gleich mit der ganz dicken Keule einbläuen will – am Ende spricht sogar der zuvor stumme Sohn von Franks Assistentin (der unwürdige Ersatz für Tiny Tim in diesem Film) dann mal wieder ein paar Worte. Ein Toter ist mittlerweile zum Engel geworden, da fällt es dann gar nicht auf, dass Frank kaum wirklich geholfen hat, im Gegensatz zu Scrooge mit seiner Freigiebigkeit im Original: Eine triefige Rede, eine Wiedereinstellung bei doppeltem Gehalt und die längst überfällige Gehaltserhöhung der Assistentin, das war es dann auch. Sicher, da mag in der Zukunft mehr kommen, doch das zeigt der Film nicht, sondern kleistert sein Finale leider mit Puderzuckerkitsch der widerlichen Sorte zu.

Insofern bleibt ein durchaus launiges 80er-Jahre-Vergnügen, das vor allem durch seinen Hauptdarsteller, den bissigen Auftakt und die Sprüche des ersten Geistes zu überzeugen weiß – leider verkommt „Scrooged“ gegen Ende zum biederen Rührstück und als postmoderne Interpretation von „A Christmas Carol“ könnte er durchaus etwas intelligenter vorgehen.


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