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Shadow und der Fluch des Khan (1994)

Eine Kritik von (Bewertung des Films: 7 / 10)
eingetragen am 18.06.2005, seitdem 1498 Mal gelesen



Regisseur Russell Mulcahy („Highlander“, „Silent Trigger“) hatte seinerzeit schon fast seinen gesamten Kredit in Hollywood verspielt. Umso verwunderlicher ist es darum, dass er sich auf so ein Risikoprojekt einlie├č. Obwohl die Comicadaptionen 1994 schon erste, durchaus erfolgreiche, Gehversuche machten, war „The Shadow“ von vorn herein eine Totgeburt. Dem Radiohelden beziehungsweise sp├Ąter der Comicfigur fehlte es an Bekanntheit und einer Fanbase, die einen Kinofilm rechtfertigen w├╝rden. Der Film ist, f├╝r sich gesehen, gar nicht mal schlecht, nur leider mangelte es ihm an Unterst├╝tzung.

Doch das ist nur ein Grund, warum der Film bis heute nur ein Mauerbl├╝mchendasein fristet. Mulcahy inszeniert auch hier wieder tadellos. „The Shadow“ zeigt ├╝brigens beispielhaft auf, wie visuell versiert der Mann sein kann, wenn man ihn denn l├Ąsst.
Der Fehler liegt im Drehbuch und damit bei Autor David Koepp („Jurassic Park“, „War of the Worlds“). Entweder hatte sich der Schreiberling seinerzeit nur oberfl├Ąchlich mit der Vorlage besch├Ąftigt, oder einfach darauf vertraut, dass ein einfacher Gut-B├Âse-Konflikt mit etwas Hokuspokus, mysteri├Âsen Kr├Ąften und obligatorischer Love Interest f├╝r den schnellen Konsum ausreichen m├╝ssten.

Daf├╝r reicht es auch tats├Ąchlich aus, denn die von Mulcahy kreierte Welt, sieht optisch klasse aus. Ich pers├Ânlich stehe total auf diesen nostalgisch anmutenden Retrostyle der Drei├čiger. Wir befinden uns hier durchaus in einer Fantasywelt (New York), in der sich Effekte die Klinke in die Hand geben, doch sie sehen erstaunlich oldschool aus und das wirkt jedenfalls auf mich ungeheuer charmant.

In dieser Welt lebt The Shadow alias Lamont Cranston (Alec Baldwin, „The Hunt for Red October”, „The Edge”). Der ehemals b├Âse Drogenverchecker wurde flugs auf spirituelle Art und Weise umgepolt und zieht jetzt durch die Welt, um der Dunkelheit Einhalt zu gebieten. Schon dieser Beginn knarzt gewaltig. Die flotte Einf├╝hrung von Comiccharakteren ist allerdings seit jeher problematisch, weil ein Film einfach nicht die Geduld vom Zuschauer erwarten kann, den ganzen, ausschweifenden Unterbau zu schlucken. Comics haben es da eben einfacher, weil sie die M├Âglichkeit besitzen die Figuren ├╝ber mehrere Abenteuer Konturen annehmen zu lassen. Als Zuschauer akzeptiert man es also und weiter geht’s.

Nach einigen einf├╝hrenden Shortys gegen b├Âse Buben, die vom Shadow (Cranston kann sich unsichtbar machen, Gedanken beeinflussen etc.) kurzerhand mit einem d├Ąmonischen Lachen, zwei flink gezogenen Pistolen und mahnenden Worten abgefertigt werden, wird der Enemy Number One, Shiwan Khan (ein zufriedenstellender Mongolenstereotyp: John Lone, „Iceman“, „The Last Emperor“), der letzte lebende Nachfahre des Dschingis Khan, eingef├╝hrt. Ebenfalls etwas aus der Luft gegriffen, mit einem doch etwas zu gr├Â├čenwahnsinnigen Plan versehen und dann zun├Ąchst wieder komplett aus der Handlung entfernt, weil die Rekrutierung von Shadow, der sich vorz├╝glich als Partner eignen w├╝rde, misslingt.

Und zwar zugunsten der ebenfalls mit nicht unerheblichen F├Ąhigkeiten ausgestatteten Margo Lane (Penelope Ann Miller, „The Relic“), die das Interesse von Cranston weckt. Mulcahy knabbert ├╝ber die gesamte Filmdistanz t├╝chtig an dieser Beziehung und muss sie auch viel zu ausf├╝hrlich breit trampeln. Damit nimmt er den Schwung aus der Geschichte und w├Ąren da nicht einige kauzige Helfer wie sein Taxifahrer Moe Shrevnitz (Peter Boyle, „Outland“), der bald sehr wichtige Professor Dr. Reinhardt Lane (Ian McKellen, „X-Men“, „The Lord of the Rings“), sowie ein in seiner Standardrolle wieder bestens aufgelegter Tim Curry als verr├Ąterischer, schleimiger Farley Claymore, w├╝rde die Chose b├Âse baden gehen.

In Folge spult sich lediglich, wie eigentlich auch in zu vielen aktuellen Marvel-Adaptionen, ein repetiver Kampf zwischen Held und Handlangern des B├Âsen ab, der mit dem gro├čen, knalligen Endfight, der die Heldenfigur dann auch endlich mal fordert, endet. Dazwischen bleibt nicht viel und obwohl Mulcahy sich alle M├╝he gibt mit seiner zweifellos atmosph├Ąrischen, d├╝steren Inszenierung, die fehlende, inhaltliche Substanz zu kaschieren, bleibt ein Gef├╝hl der Belanglosigkeit. Da fehlt einfach der Zugriff auf die Figur, das Mitfiebern. Die Atmosph├Ąre ist da, nur derjenige, der uns mitrei├čt der fehlt. Alec Baldwin, als Superheld trotz d├╝sterer Seiten etwas ungl├╝cklich gecastet, tr├Ągt seinen Teil dazu auch bei. Reichlich undurchschaubar ist er, dabei leider allerdings auch unnahbar.

So bleibt es eigentlich jedem Zuschauer selbst ├╝berlassen, ob er sich mit „The Shadow“ anfreunden kann. Angesichts der souver├Ąnen Inszenierung mit gut gemachter Action, tollen, gar nicht mal protzigen, sondern dem Film dienlichen, oft sparsamen und passiven statt plakativen Effekten, kann man sich hier jedenfalls ganz problemlos drin versinken lassen. Etwas f├╝rs Auge ist es allemal. Daf├╝r sorgt Mulcahy dann schon.

Anderseits sind die Defizite einfach nicht wegzuleugnen: Plot, mangelhafter Unterbau der Hauptcharaktere und Oberfl├Ąchlichkeit der Nebenfiguren. „The Shadow“ erz├Ąhlt sich, wie uninspiriert mit der hei├čen Nadel gestrickt – ohne Innovationen und eigene Ideen. Vor allem Margo Lane versandet diesbez├╝glich famos.


Fazit:
Ein immerhin soweit zufriedenstellender Fantasystreifen, der ganz auf Russell Mulcahys Inszenierung setzen kann. F├╝r ihn bedeutete „The Shadow“ trotzdem der Abstieg in die B-Liga. Dank David Koepps lustlosem Skript, das schlampig mit seinem Helden umgeht, eine ├Ąu├čerst formelhafte Story wiedergibt und dabei noch interessante Nebencharaktere verschenkt, soll es f├╝r den guten Durchschnitt reichen.


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