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G.I. Joe - Geheimauftrag Cobra (2009)

Eine Kritik von (Bewertung des Films: 8 / 10)
eingetragen am 29.08.2009, seitdem 1162 Mal gelesen



Es gibt Comicverfilmungen und es gibt Comicverfilmungen. Die einen unterhalten Familien, die anderen - zumindest der offiziellen Verlautbarung nach - Erwachsene. Da sind vielleicht die Spidermans und Batmans, die von wahren Koryph√§en auf dem Regiestuhl in den Kampf gegen die Schurken und Irren dieser Welt ins Rennen geschickt werden, und da sind etwa die Spartaner, die W√§chter oder die Einwohner der Stadt der S√ľnde, die von nicht minder f√§higen Filmemachern dem eingefleischten Fan von Comicverfilmungen das Leben vers√ľ√üen. Und dann gibt es noch andere Comicverfilmungen. Und zwar solche, die nicht von Meistern der Regie inszeniert werden und die sich auf Anhieb irgendwie nicht so recht einordnen lassen wollen. Und da vor allem das amerikanische Kinopublikum regelrecht nach Comicverfilmungen lechzt, besteht an nachgeschobenen, mit schwindelerregenden Budgets in die Kinos katapultierten Superhelden kein Mangel. Und genau in diese dritte Kategorie Comicverfilmung lie√üe sich Stephen Sommers' "G.I. Joe - Geheimauftrag Cobra" einordnen. Und so viel sei jetzt schon verraten: Der ziemlich d√§mliche Name des Films ist hier Programm.

Eine Wunderwaffe, die Granaten verschie√üt, die die Welt auffressen, wird dem Konvoi unter der F√ľhrung Captain Dukes (Channing Tatum) und seines Kumpels Ripcord (Marlon Wayans) beinahe abgeluchst, w√§re nicht die Spezialeinheit "G.I. Joe" unter ihrem General Hawk (Dennis Quaid) in letzter Sekunde den arg zusammengeschossenen Mannen zur Seite gesprungen. Doch die Spitzbuben, deren interessantes Ziel es ist, "dass wirklich jeder Mann und jedes Kind auf der ganzen Welt Angst vor uns hat", lassen freilich nicht locker, die Waffen in ihren Besitz zu kriegen und attackieren die v√∂llig geheime unter dem W√ľstenstand √Ągyptens, nat√ľrlich in der N√§he der touristen√ľberschwemmten Pyramiden gelegene, unterirdische, gro√üstadtgro√üe milit√§rische Einrichtung der Joes. Doch damit ist der Komplexit√§t der Story keineswegs Gen√ľge getan: Rechte Hand des Oberb√∂sewichts (der an dieser Stelle noch nicht verraten werden soll) ist die sch√∂ne Ana (Sienna Miller), die, wie es der Zufall - der hier wahrhaft Purzelb√§ume schl√§gt - will, die Exfreundin Dukes ist. Diese prek√§re Konstellation bietet den Auftakt zu einer CGI-Schlacht, die sich gewaschen hat. Der Kampf wird zun√§chst in die malerische franz√∂sische Hauptstadt hineingetragen und schlie√ülich, denkmalschonender, unter das Eis der Arktis verlegt, wo sich die b√∂se Organisation mit dem v√∂llig beknackten Namen "Cobra" so eine Art New York unter Wasser gebaut hat - dem Wesen echter Profis gem√§√ü, unbemerkt.

Stephen Sommers erfreute uns bisher vor allem mit auferstandenen Mumien und dem ber√ľhmten Draculaj√§ger Van Helsing. Diese der Gothic Literatur entliehenen Gestalten durften unter der √Ągide Sommers mit ein/zwei flachen Spr√ľchen auf den Lippen √§u√üerst jugendfreundlich das unbedingt anspruchslose Publikum entspannt unterhalten. Der routiniertere (Comic-)Filmfan fragte sich hier allerdings schon das ein oder andere Mal, ob denn die dauerreanimierte Mumie aufgrund der doch etwas zu bem√ľht witzigen Dialoge und der tolpatschigen, vor allem Kinder belustigenden Albernheiten ihrer menschlichen J√§ger nicht doch zu sehr Tortur der ohnehin in diesem Genre oftmals beleidigten Intelligenz sein k√∂nnte - von Hugh Jackman als Vampirj√§ger an dieser Stelle ganz zu schweigen. Doch diese Zeiten hat Stephen Sommers hinter sich gelassen. Es ist offiziell: Mit seinem neusten Streich "G.I. Joe - Geheimauftrag Cobra" muss man sich beim Lachen im Sommerschen Kino nicht mehr sch√§men. Auch hier sind die Dialoge zwar aus der erstbesten M√ľlltonne gefischt, das Drehbuch besoffen im LSD-Rausch geschrieben und jeglicher Sinn eine Glasmurmel, auf die v√∂llig von Sinnen mit dem Vorschlaghammer eingedroschen wird; Aber hier, und das unterscheidet die "Joes" von der Konkurrenz und ihren Vorg√§ngern, hat der Bl√∂dsinn System. Es hat tats√§chlich den Anschein, als seien die Milliarden Logikfehler und die bisweilen geistesschwachen Dialoge nicht dem Rundschliff des Prototyps eines massentauglichen Jugendfilms geschuldet, sondern beabsichtigt. Die D√§mlichkeit der im Film versuchten Kommunikation erreicht hier Dimensionen, die es nahelegen zu meinen, dass bei all dem millionenschweren CGI-Geballere und hemmungslosen St√§dte-Verschrotten ein - man traut es sich kaum sagen - subtiler Humor sp√ľrbar wird. Denn im Gegensatz zum pekuni√§r vergleichbaren und ein √§hnliches Zielpublikum anvisierenden "Transformers 2" Michael Bays, der ebenfalls Hasbro Spielzeug zum Leben erweckt, sich dabei aber nicht entbl√∂det, seinem Werk einen streckenweise ernsten, gar selbstverliebt panegyrischen Anstrich zu verleihen, wirkt "G.I. Joe" wie eine Persiflage auf das in diesem Genre oftmals vorherrschende niedrige Niveau. Dass das dem √ľberwiegenden Gro√üteil des Publikums verborgen bleiben wird, liegt ebenso in der Natur der Sache wie die diesbez√ľgliche Ambition des "Drehbuchs", mit Anlauf in jedes m√∂glichst tiefe Logikloch zu h√ľpfen und die Darsteller auf dem Niveau von Siebenj√§hrigen kommunizieren zu lassen.

F√ľr alle an Explosionen, Stunts, Computereffekten und Dauerballereien Interessierten sei hier ausdr√ľcklich gesagt: Anschauen! Effekte, Budget, Farbenpracht und virtuelles Gehopse sind musterg√ľltig. Stephen Sommers l√§√üt hier garnichts anbrennen und eifert der Comicvorlage ohne Scheu vor Aufwand gewissenhaft nach. Die in Deutschland dem Film angeheftete FSK 16 Freigabe resultiert aus dem ein oder anderen Toten, der allerdings ohne (viel) Blut mit allen m√∂glichen Fantasiewaffen durch die Wand geblasen wird. Die Amerikaner sind da wie √ľblich weniger pr√ľde und erlauben auch 13-j√§hrigen der von Sommers losgetretenen Materialschlacht beizuwohnen. Aber da die Freiwillige Selbstkontrolle der Filmwirtschaft die von ihr verliehenen Altersfreigaben des √Ėfteren zu w√ľrfeln scheint, fragt man besser gar nicht weiter nach.

Ob Stephen Sommers' "G.I. Joe" gef√§llt oder nicht, h√§ngt ma√ügeblich von der Erwartungshaltung ab, mit der man sich dem Streifen n√§hert. Sowohl solche, die epische Budgetvernichtungsorgien im Stile Michael Bays lieben, werden vortrefflich unterhalten werden, als auch solche, die einfach mal das Hirn ausschalten und adrette - allerdings stark computergest√ľtzte - Action sehen wollen. Das Ganze wird zudem vom Gastauftritt Brendan Frasers gezuckert und einmal mehr vom Score Alan Silvestris getragen, der unter anderem f√ľr John McTiernans Predator (1987) Meisterhaftes ins Werk setzte. Wom√∂glich h√ľpft auch hier wieder einmal Peter aus dem Geb√ľsch und klagt bitterlich, dass das National Training Center der US-Streitkr√§fte f√ľr die Dreharbeiten genutzt werden durfte. Jedoch sei gesagt, dass das Zutun der Army bei Sommers' Projekt in keinem Verh√§ltnis etwa zum Schaffen Michael Bays steht. Und selbst dort sollte der Finanzier f√ľr einen ideologisch unvorbelasteten Filmfan nat√ľrlich keine Rolle spielen, solange das filmische Produkt ansich stimmig ist.

Ganz dringend ans Herz gelegt werden sollte Stephen Sommers' "G.I. Joe - Geheimauftrag Cobra" alles andere beiseite schiebend nun aber vor allem jenen, die einfach mal wieder mit einem guten Kumpel ordentlich Party machen wollen. Warum nicht mal das Wochenende genie√üen, die M√§dels zu Hause lassen und mit einem lecker Bierchen in der Hand sich nicht um langweilige Feuilletonistenmeinungen scheren? Die Welt ist gar nicht so trist. Es gibt so viele Gr√ľnde sich pudelwohl zu f√ľhlen. Und einer davon ist der Spa√ü, den man hat, wenn man einen zum Heulen d√§mlichen (und hier ist ein Fragezeichen zu setzen!) Film wie Sommers' neuesten Streich konsumiert und dabei freilich nicht hochtrabend mit irgendwelchen hier v√∂llig deplatzierten objektiven Filmanalysen um sich wirft. Eine Runde weniger ernst ob dieses liebenswerten Bl√∂dsinns!

Stephen Sommers' "G.I. Joe - Geheimauftrag Cobra" ist ein Sonderfall des sich auf Comics berufenden Actionkinos. Er ist teuer und auf Hochglanz geputzt, gibt dem Actionfreund, wonach er trachtet und dem Comicfan, wovon er tr√§umt. Und er ist saud√§mlich - aber gar nicht so doof. Ripcords Anmerkung "Mann, sehen wir gut aus" beim gemeinsamen Aus-dem-Bild-treten der Helden legt die wahre Marschrichtung Sommers offen. Auch ein ultrateurer, auf jugendliche Kinog√§nger schielender Blockbuster muss nicht in seinem Wesen von seinem eigentlichen Zielpublikum zur G√§nze erfasst werden k√∂nnen. Die gerade bei den d√ľmmlichsten Dialogen doch sehr sporadischen Lacher im Kinosaal belegen das. Selbstpersiflage ist kein Vorrecht intelligenter Filmemacher. Jungs und M√§dels, ja, ihr seht gut aus!


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