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G.I. Joe - Geheimauftrag Cobra (2009)

Eine Kritik von (Bewertung des Films: 8 / 10)
eingetragen am 29.08.2009, seitdem 1156 Mal gelesen



Es gibt Comicverfilmungen und es gibt Comicverfilmungen. Die einen unterhalten Familien, die anderen - zumindest der offiziellen Verlautbarung nach - Erwachsene. Da sind vielleicht die Spidermans und Batmans, die von wahren KoryphĂ€en auf dem Regiestuhl in den Kampf gegen die Schurken und Irren dieser Welt ins Rennen geschickt werden, und da sind etwa die Spartaner, die WĂ€chter oder die Einwohner der Stadt der SĂŒnde, die von nicht minder fĂ€higen Filmemachern dem eingefleischten Fan von Comicverfilmungen das Leben versĂŒĂŸen. Und dann gibt es noch andere Comicverfilmungen. Und zwar solche, die nicht von Meistern der Regie inszeniert werden und die sich auf Anhieb irgendwie nicht so recht einordnen lassen wollen. Und da vor allem das amerikanische Kinopublikum regelrecht nach Comicverfilmungen lechzt, besteht an nachgeschobenen, mit schwindelerregenden Budgets in die Kinos katapultierten Superhelden kein Mangel. Und genau in diese dritte Kategorie Comicverfilmung ließe sich Stephen Sommers' "G.I. Joe - Geheimauftrag Cobra" einordnen. Und so viel sei jetzt schon verraten: Der ziemlich dĂ€mliche Name des Films ist hier Programm.

Eine Wunderwaffe, die Granaten verschießt, die die Welt auffressen, wird dem Konvoi unter der FĂŒhrung Captain Dukes (Channing Tatum) und seines Kumpels Ripcord (Marlon Wayans) beinahe abgeluchst, wĂ€re nicht die Spezialeinheit "G.I. Joe" unter ihrem General Hawk (Dennis Quaid) in letzter Sekunde den arg zusammengeschossenen Mannen zur Seite gesprungen. Doch die Spitzbuben, deren interessantes Ziel es ist, "dass wirklich jeder Mann und jedes Kind auf der ganzen Welt Angst vor uns hat", lassen freilich nicht locker, die Waffen in ihren Besitz zu kriegen und attackieren die völlig geheime unter dem WĂŒstenstand Ägyptens, natĂŒrlich in der NĂ€he der touristenĂŒberschwemmten Pyramiden gelegene, unterirdische, großstadtgroße militĂ€rische Einrichtung der Joes. Doch damit ist der KomplexitĂ€t der Story keineswegs GenĂŒge getan: Rechte Hand des Oberbösewichts (der an dieser Stelle noch nicht verraten werden soll) ist die schöne Ana (Sienna Miller), die, wie es der Zufall - der hier wahrhaft PurzelbĂ€ume schlĂ€gt - will, die Exfreundin Dukes ist. Diese prekĂ€re Konstellation bietet den Auftakt zu einer CGI-Schlacht, die sich gewaschen hat. Der Kampf wird zunĂ€chst in die malerische französische Hauptstadt hineingetragen und schließlich, denkmalschonender, unter das Eis der Arktis verlegt, wo sich die böse Organisation mit dem völlig beknackten Namen "Cobra" so eine Art New York unter Wasser gebaut hat - dem Wesen echter Profis gemĂ€ĂŸ, unbemerkt.

Stephen Sommers erfreute uns bisher vor allem mit auferstandenen Mumien und dem berĂŒhmten DraculajĂ€ger Van Helsing. Diese der Gothic Literatur entliehenen Gestalten durften unter der Ägide Sommers mit ein/zwei flachen SprĂŒchen auf den Lippen Ă€ußerst jugendfreundlich das unbedingt anspruchslose Publikum entspannt unterhalten. Der routiniertere (Comic-)Filmfan fragte sich hier allerdings schon das ein oder andere Mal, ob denn die dauerreanimierte Mumie aufgrund der doch etwas zu bemĂŒht witzigen Dialoge und der tolpatschigen, vor allem Kinder belustigenden Albernheiten ihrer menschlichen JĂ€ger nicht doch zu sehr Tortur der ohnehin in diesem Genre oftmals beleidigten Intelligenz sein könnte - von Hugh Jackman als VampirjĂ€ger an dieser Stelle ganz zu schweigen. Doch diese Zeiten hat Stephen Sommers hinter sich gelassen. Es ist offiziell: Mit seinem neusten Streich "G.I. Joe - Geheimauftrag Cobra" muss man sich beim Lachen im Sommerschen Kino nicht mehr schĂ€men. Auch hier sind die Dialoge zwar aus der erstbesten MĂŒlltonne gefischt, das Drehbuch besoffen im LSD-Rausch geschrieben und jeglicher Sinn eine Glasmurmel, auf die völlig von Sinnen mit dem Vorschlaghammer eingedroschen wird; Aber hier, und das unterscheidet die "Joes" von der Konkurrenz und ihren VorgĂ€ngern, hat der Blödsinn System. Es hat tatsĂ€chlich den Anschein, als seien die Milliarden Logikfehler und die bisweilen geistesschwachen Dialoge nicht dem Rundschliff des Prototyps eines massentauglichen Jugendfilms geschuldet, sondern beabsichtigt. Die DĂ€mlichkeit der im Film versuchten Kommunikation erreicht hier Dimensionen, die es nahelegen zu meinen, dass bei all dem millionenschweren CGI-Geballere und hemmungslosen StĂ€dte-Verschrotten ein - man traut es sich kaum sagen - subtiler Humor spĂŒrbar wird. Denn im Gegensatz zum pekuniĂ€r vergleichbaren und ein Ă€hnliches Zielpublikum anvisierenden "Transformers 2" Michael Bays, der ebenfalls Hasbro Spielzeug zum Leben erweckt, sich dabei aber nicht entblödet, seinem Werk einen streckenweise ernsten, gar selbstverliebt panegyrischen Anstrich zu verleihen, wirkt "G.I. Joe" wie eine Persiflage auf das in diesem Genre oftmals vorherrschende niedrige Niveau. Dass das dem ĂŒberwiegenden Großteil des Publikums verborgen bleiben wird, liegt ebenso in der Natur der Sache wie die diesbezĂŒgliche Ambition des "Drehbuchs", mit Anlauf in jedes möglichst tiefe Logikloch zu hĂŒpfen und die Darsteller auf dem Niveau von SiebenjĂ€hrigen kommunizieren zu lassen.

FĂŒr alle an Explosionen, Stunts, Computereffekten und Dauerballereien Interessierten sei hier ausdrĂŒcklich gesagt: Anschauen! Effekte, Budget, Farbenpracht und virtuelles Gehopse sind mustergĂŒltig. Stephen Sommers lĂ€ĂŸt hier garnichts anbrennen und eifert der Comicvorlage ohne Scheu vor Aufwand gewissenhaft nach. Die in Deutschland dem Film angeheftete FSK 16 Freigabe resultiert aus dem ein oder anderen Toten, der allerdings ohne (viel) Blut mit allen möglichen Fantasiewaffen durch die Wand geblasen wird. Die Amerikaner sind da wie ĂŒblich weniger prĂŒde und erlauben auch 13-jĂ€hrigen der von Sommers losgetretenen Materialschlacht beizuwohnen. Aber da die Freiwillige Selbstkontrolle der Filmwirtschaft die von ihr verliehenen Altersfreigaben des Öfteren zu wĂŒrfeln scheint, fragt man besser gar nicht weiter nach.

Ob Stephen Sommers' "G.I. Joe" gefĂ€llt oder nicht, hĂ€ngt maßgeblich von der Erwartungshaltung ab, mit der man sich dem Streifen nĂ€hert. Sowohl solche, die epische Budgetvernichtungsorgien im Stile Michael Bays lieben, werden vortrefflich unterhalten werden, als auch solche, die einfach mal das Hirn ausschalten und adrette - allerdings stark computergestĂŒtzte - Action sehen wollen. Das Ganze wird zudem vom Gastauftritt Brendan Frasers gezuckert und einmal mehr vom Score Alan Silvestris getragen, der unter anderem fĂŒr John McTiernans Predator (1987) Meisterhaftes ins Werk setzte. Womöglich hĂŒpft auch hier wieder einmal Peter aus dem GebĂŒsch und klagt bitterlich, dass das National Training Center der US-StreitkrĂ€fte fĂŒr die Dreharbeiten genutzt werden durfte. Jedoch sei gesagt, dass das Zutun der Army bei Sommers' Projekt in keinem VerhĂ€ltnis etwa zum Schaffen Michael Bays steht. Und selbst dort sollte der Finanzier fĂŒr einen ideologisch unvorbelasteten Filmfan natĂŒrlich keine Rolle spielen, solange das filmische Produkt ansich stimmig ist.

Ganz dringend ans Herz gelegt werden sollte Stephen Sommers' "G.I. Joe - Geheimauftrag Cobra" alles andere beiseite schiebend nun aber vor allem jenen, die einfach mal wieder mit einem guten Kumpel ordentlich Party machen wollen. Warum nicht mal das Wochenende genießen, die MĂ€dels zu Hause lassen und mit einem lecker Bierchen in der Hand sich nicht um langweilige Feuilletonistenmeinungen scheren? Die Welt ist gar nicht so trist. Es gibt so viele GrĂŒnde sich pudelwohl zu fĂŒhlen. Und einer davon ist der Spaß, den man hat, wenn man einen zum Heulen dĂ€mlichen (und hier ist ein Fragezeichen zu setzen!) Film wie Sommers' neuesten Streich konsumiert und dabei freilich nicht hochtrabend mit irgendwelchen hier völlig deplatzierten objektiven Filmanalysen um sich wirft. Eine Runde weniger ernst ob dieses liebenswerten Blödsinns!

Stephen Sommers' "G.I. Joe - Geheimauftrag Cobra" ist ein Sonderfall des sich auf Comics berufenden Actionkinos. Er ist teuer und auf Hochglanz geputzt, gibt dem Actionfreund, wonach er trachtet und dem Comicfan, wovon er trĂ€umt. Und er ist saudĂ€mlich - aber gar nicht so doof. Ripcords Anmerkung "Mann, sehen wir gut aus" beim gemeinsamen Aus-dem-Bild-treten der Helden legt die wahre Marschrichtung Sommers offen. Auch ein ultrateurer, auf jugendliche KinogĂ€nger schielender Blockbuster muss nicht in seinem Wesen von seinem eigentlichen Zielpublikum zur GĂ€nze erfasst werden können. Die gerade bei den dĂŒmmlichsten Dialogen doch sehr sporadischen Lacher im Kinosaal belegen das. Selbstpersiflage ist kein Vorrecht intelligenter Filmemacher. Jungs und MĂ€dels, ja, ihr seht gut aus!


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