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Spawn (1997)

Eine Kritik von (Bewertung des Films: 3 / 10)
eingetragen am 09.07.2007, seitdem 464 Mal gelesen



Als Spawn-Banause bin ich ja eigentlich in der idealen Position, um der sowieso nicht gerade als Highlight angesehenen Comicverfilmung dennoch etwas abzugewinnen und nicht st√§ndig auf irgendwelche Umsetzungsfehler oder mangelhafte Plotk√ľrzungen zu schielen. Wie also sieht's ohne das Kultcomic im R√ľcken aus? Nicht gar so pr√§chtig, tut mir leid...

Das f√§ngt bereits bei den Charakteren an. Diese sind (comictypisch) reichlich √ľberzogen, jedoch zum gr√∂√üten Teil dilettantisch gespielt (sorry, Martin Sheen) und lassen kaum Atmosph√§re aufkommen. Spawn selbst stagniert irgendwo im Mittelfeld, kommt nie wirklich verzweifelt, innerlich zerrissen oder gef√§hrlich r√ľber, wie es seiner Rolle als Antiheld entsprechen w√ľrde, wirkt immerhin aber auch nur selten l√§cherlich. Das ist auch sehr wichtig, schlie√ülich hat er nicht wirklich Grund zum Spa√üen: Al Simmons, wie er vor seiner beruflichen Neuorientierung hei√üt, ist Agent f√ľr einen dubiosen Konzern und f√ľhrt allerhand illegale Aktionen dadurch. Er ist f√§hig, leider sogar zu f√§hig, und deshalb entschlie√üt sich sein finsterer Boss kurzerhand dazu, ihn per Express direkt zum Satan pers√∂nlich zu schicken, um bei dessen Bewerbungsgespr√§ch teilzunehmen. Nach Simmons' feurigem Tod (er wird daraufhin liebevoll "Bratwurst" betitelt) nimmt der Arme den Job auch tats√§chlich an, denn der bitterb√∂se Teufel stellt ihm in Aussicht, seine Liebste wiederzusehen. Gesagt, getan, Simmons ist jetzt Spawn und hat als solcher die eindrucksvoll klingende Aufgabe, die H√∂llenarmee anzuf√ľhren.
Apropos H√∂lle: Hier zeigt sich der Film von seiner h√§sslichen Kehrseite. Die Unterwelt samt Armee und ihres satanischen F√ľrsten sowie fast alle Sfx sind n√§mlich CGIs. Wir schielen kurz auf's Erscheinungsjahr. Nun gut, The Frighteners ist ein Jahr fr√ľher erschienen ('96) und hatte f√ľr seine Zeit Topeffekte, die heute nat√ľrlich etwas veraltet erscheinen, aber immerhin stimmungsvoll und mit einem geschickten H√§ndchen eingesetzt wurden. Sollte es da nicht ein Jahr sp√§ter noch etwas besser klappen? Nein! Erstens sind die Effekte schlicht dilettantisch gemacht. Zweitens sind sie im √úberma√ü eingesetzt worden. Anstatt, dass sie sich brav in den real gedrehten Rest einf√ľgen, wenn sie schon nicht gerade eine Pracht vor dem Herrn sind, werden sie h√§ufig absichtlich zur Hauptsache gemacht und springen dem geschockten Zuschauer in all ihren matschigen Texturen, minimaler Ploygonanzahl und mauer Animation entgegen. Das Cape Spawns ist ja teilweise sogar noch recht ansprechend gelungen, aber seht euch doch bitte einmal Satan an. Ich bin fast in Lachkr√§mpfe ausgebrochen, als ich diese j√§mmerliche Entschuldigung f√ľr den H√∂llenf√ľrsten erblickte. Dieser Mopp mit Z√§hnen? Nein danke!

Nun, zum Gl√ľck spielt der gr√∂√üte Teil des Films auf der Erdkruste und nicht darunter, was uns zwar nicht vor gr√§uslichen Spezialeffekten, aber immerhin vor deren verkorkster Kulminierung sch√ľtzt. W√§re da nicht Spawns ehemaliger, gar finsterer Boss. Dieser passt ohne weiteres in einen dieser gesichtslosen 80er Actiontitel der B- oder C-Kategorie - ein Abziehbildchen der untersten Schublade. Nun ist eindimensional in einem Actionfilmchen ja nicht wirklich ein Problem, nur dann bitte doch wenigstens richtig b√∂se, Herr Oberfinsterich! Aber nein, Martin Sheen hat merklich wenig Lust an seiner Rolle. Und dann sieht das Drehbuch f√ľr ihn auch noch einen IQ unter Zimmertemperatur vor. Denn nat√ľrlich ist er auch nur eine Marionette im Spiel des Teufels, bekommt aber nicht das Geringste von dem mit, was sich unter seiner weichlichen Nasenspitze abspielt.
Da macht es der Clown schon weit besser. Genaugenommen ist er der einzige H√∂hepunkt, der einzige Lichtblick in diesem zweifelhaften Streifen. Er ist sozusagen Spawns Kinderm√§dchen und passt sch√∂n auf, dass der nicht aus der Reihe tanzt (schlie√ülich will dieser immer noch zu seiner Liebsten). Da muss er ihn nat√ľrlich schon mal in seine Schranken weisen und ihm in D√§monengestalt zeigen, wo der Hammer h√§ngt. Zwar h√§tte man auch hier einiges mehr aus dieser Zwangsbeziehung rausholen k√∂nnen, denn Konfliktmaterial ist reichlich vorhanden. Aber das tats√§chlich Gezeigte kann sich auch sehen lassen und weist sogar eine Spur Originalit√§t auf. So rei√üt der Clown zum Beispiel eine grottigen Witz nach dem anderen. Zwar geht der Gro√üteil daneben, daf√ľr gibt's auch ein paar richtig gelungene Spr√ľche (zum Beispiel, als Spawn ob seines Schicksal den obligatorischen Schrei in den Himmel ausst√∂√üt, ihn der Clown daraufhin auslacht und ihm zeigt, wie man's richtig macht - sehr gute Auflockerung der extrem hohen Klischeedichte dieses Films). Zudem suhlt sich die √ľbergewichtige, widerw√§rtige Gestalt liebend gern in ihrer Widerw√§rtigkeit. Da wird eine vor Maden wimmelnde Pizza verspeist, gefurzt, der eigene Kopf gesprengt usw. Der Clown erinnert teilweise fast an eine Mischung aus Cryptkeeper und Freddy, ohne nat√ľrlich je an den zweifelhaften Kultstatus des ersteren und die Klasse des letzteren herankommen zu k√∂nnen. Dennoch vermag er es gerade wegen seiner Trashigkeit, den Film halbwegs am Laufen zu halten.

Und sonst? Standard, wohin man schaut. Story passt schon, Musik ist in Ordnung, die Settings sind auch recht professionell gestaltet, allerdings auch immer wieder stimmungslos. Nichts, was diese Verfilmung retten k√∂nnte, kein Grund f√ľr eine Empfehlung, auch die Originalit√§t fehlt √ľber weiteste Strecken. Regisseur Dipp√© hatte bei diesem Film wenig Gesp√ľr f√ľr die Atmosph√§re; offensichtlich wusste er selbst nicht so genau, was genau er eigentlich machen wollte. Dann fehlte auch noch das Budget, das die Effekte ben√∂tigt h√§tten und macht den Abgrund noch ein wenig tiefer. Ach so, sie Gewalt, die man allein angesichts des Rufes des zugrunde liegenden Comics erwarten w√ľrde, bleibt g√§nzlich aus (die um eine gute Minute gek√ľrzte Kinofassung geh√∂rt gar den h√§ufig unr√ľhmlichen PG-13-Vertretern an). Eine 18er Freigabe ist da v√∂llig fehl am Platz. Nun gut, aber wenn man sich ihn dann trotzdem antun will, womit darf man rechnen? Einigen ordentlichen Actionszenen, einer Handvoll schaler Atmosph√§re und dem Clown. Es tut mir leid; das d√ľstere Grundsetting h√§tte mich an und f√ľr sich sehr gereizt, aber dieses Machwerk ist nicht gerade eine finstere Geburt der lichtlosen Tiefen, sondern geh√∂rt vielmehr dahin, wo keine Sonne scheint.


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