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Spawn (1997)

Eine Kritik von (Bewertung des Films: 7 / 10)
eingetragen am 26.10.2008, seitdem 815 Mal gelesen



Hellspawn on earth 

Vorweg: Die folgende Kritik bezieht sich auf die amerikanische Director‘s Cut Version von „Spawn“ und nicht auf die schlecht synchronisierte deutsche Kinoversion (basierend auf der amerikanischen PG-13 Fassung). Wer sich an dieser Stelle fragt was hierbei genau der Unterschied sein soll, der sollte sich unbedingt einmal die DC Version dieses köstlichen 90er Jahre B-Movies gönnen. Die jeweilige Meinung dem Film gegenüber wird sich sicherlich nicht komplett wandeln aber deutlich verbessern da die Langfassung im O-Ton einige schmerzhafte Schwächen der normalen Version (schlechte Schnitte, miese Synchronisation, absolute Gewaltarmut) gekonnt ausmerzt und den Film somit zumindest teilweise merklich aufwertet. 
 

Al Simmons (Michael Jai White aus „Exit Wounds“ und „Undisputed 2“), ein amerikanischer Topagent fürs Grobe, beschließt nach einem Auftrag bei dem Zivilisten zu Schaden gekommen sind endgültig den Job an den Nagel zu hängen. Sein Chef Jason Wynn (Martin Sheen unter anderem genial in “Apocalypse Now“ und „Wall Street“ ) überredet ihn jedoch, auf Geheiß eines mysteriösen Clowns (der komplett unkenntlich gemachte John Leguizamo – „Undefeated“ und „The Happening“), noch einen letzten Auftrag auszuführen. Es kommt wie es kommen muss. Der Auftrag stellt sich als Falle heraus, Simmons wird betrogen und schlussendlich verbrannt - womit er auch gleich direkt zur Hölle fährt. Ende der Geschichte?! Nein, natürlich nicht. Denn erst nachdem ihn die Hölle wieder ausgespuckt hat und er mit neuen Kräften ausgestattet auf einen Rachefeldzug gehen kann läuft der Actionmotor so richtig an.
 

„Spawn“ ist die Realverfilmung einer der bekanntesten und meistverkauften Comicserien der Welt und hat mit Comicgenie Todd MC Farlane als Produzenten auch gleich den Spawn-Erfinder mit an Bord. Von eben jenem kam auch die Idee den Comic nach einer Animated Serie und einer Spielzeugreihe einen Schritt weiter zu bringen und auf die große Leinwand zu hieven. MC Farlane strebte dabei von Anfang an eine PG-13 Veröffentlichung seines Films an, scheiterte damit aber in den 90ern an der amerikanischen Zensurbehörde. Die Verbindung aus Hölle, Teufel, Rache und ständiger Dunkelheit stieß auf wenig Gegenliebe und musste an die Zielgruppe angepasst werden. Somit schaffte es der Streifen in dieser Freigabe nur gekürzt ins Kino wobei in den deutschen Lichtspielhäusern noch verstärkend eine miese beziehungsweise oft einfach falsche Synchronisation dazu kam und den negativen Eindruck perfekt machte.
 

Dabei tut man „Spawn“ mit vernichtenden Kritiken und Verrissen Unrecht. Bereits Mitte der 90er erschienen, markiert der Film nämlich quasi den Startpunkt der düsteren Superheldenstreifen. Vor „Spawn“ gab es grundsätzlich nur „Batman“ und „Superman“, die man wohl beide eher in den Bereich Durchschnittshelden mit begrenztem Gewaltpotential einordnen kann. Somit war ein Spross der Hölle, der in einer maroden Welt auf Rachefeldzug geht und trotzdem die einzige Identifikationsfigur für das (jugendliche) Publikum bietet eine gewagte Mission.
 

In den Kinos spielte „Spawn“ gerade eben so seine Kosten wieder ein um auf Video und später DVD einen Gewinn einzuheimsen. Nicht genug um eine Fortsetzung nach sich zu ziehen, aber genug um kein Flop zu werden.
 

Die Charaktere bleiben platt wie in so vielen anderen Comicverfilmungen auch, wobei überaschenderweise den Bösewichtern etwas mehr Platz zur Entfaltung geboten wird als unserem Helden selbst. Diese schmeißen mit sarkastischen Sprüchen um sich und gefallen auch sonst durch absolut asoziales Verhalten. Hervorzuheben ist hier vor allem der Clown aka Violator mit dem man auch gleich den perfekten Bösewicht auf Lager hat. Klein, fett, eklig, zynisch, sexistisch und ein Abgesandter des Teufels persönlich. Einfach eine geniale Rolle, die von John Leguizamo perfekt ausgefüllt wird. Vor allem die Verwandlung vom Clown zum Violator ist überaus gelungen. Natürlich kranken auch in dieser Szene die Effekte an allen Ecken und Enden und regen (wie in etlichen anderen Sequenzen auch) zum Lachen an. Alles in allem aber fügen sie sich perfekt in die comiceske Grundstimmung von „Spawn“ ein.
Der Hauptheld wiederum ist mir (speziell zu Beginn) etwas zu unglaubwürdig und glatt geraten, fällt aber so oder so bereits nach 20 min den Flammen zum Opfer und überzeugt in Maske und Cape dann umso mehr. 

Die Grundgeschichte ist zwar nicht das Gelbe vom Ei aber dank Todds Vorlage (die schon in Comicform mehr durch ihre geniale Optik als durch ihre innovativen Story-Kniffe von sich reden machte) zumindest innovativ genug, um sich von anderen Produktionen abzuheben. 
 

Die Effekte sind aus heutiger Sicht (und wenn man ehrlich ist teilweise auch aus damaliger) betrachtet richtig billig und zeigen wie sehr sich die Blue- bzw. Greenscreen-Technik seit Mitte der 90er Jahre entwickelt hat. Trotzdem treffen sowohl die Figuren als auch die Umsetzung und der einzigartige Look die Comicvorlage ziemlich genau, was wohl an Farlanes enger Zusammenarbeit liegen mag. 
 

Die Filmmusik wiederum rockt (wie in den 90ern üblich) aus vollem Rohr und treibt den Puls nach oben. 
 

Fazit
Eine sehr zeitweilige und unterhaltsame Fantasyhorrorfarce mit etwas zu weichem Ende, etlichen tollen Lachern und herrlich nostalgischen Effekten. In der 18er DC Fassung ist „Spawn“ schlussendlich auch noch um einige brutale Szenen erweitert und endlich so wie Regisseur Mark A.Z. Dippé, der mir vor knapp 2 Jahren durch den genialen „Frankenfish“ positiv aufgefallen ist und Produzent Todd MC Farlane ihn immer haben wollten. 

Sicherlich nicht jedem uneingeschränkt zu empfehlen bietet „Spawn" mehr als nur einen Angriffspunkt für vernichtende Kritiken, macht aber gleichzeitig einfach unglaublichen Spaß beim Ansehen und überzeugt vor allem in der längeren Fassung durch düstere und brutale Szenen. Ein nostalgischer Ausflug in die 90er ohne Anspruch aber mit vielen Lachern und coolen Ideen. Eine vor allem im englischen Original genießbare und empfehlenswerte DVD.


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