Ansicht eines Reviews

Rampage - Rache ist unbarmherzig (2009)

Eine Kritik von (Bewertung des Films: 8 / 10)
eingetragen am 15.07.2010, seitdem 4105 Mal gelesen



Uwe Boll – einer der wenigen deutschen Regisseure, die den Sprung über den großen Teich geschafft haben, und gleichzeitig der Mann, gegen den eine Internet-Petition läuft, die das Ziel hat ihm das Recht auf das Filmemachen zu entziehen – mit seinem neuen Actionreißer. Einem Actionreißer über das Amoklaufen. Die Themen Massenvernichtung und Amok sind dem Boll wohl vertraut, wie 2007 an „Postal“ und 2003 an „Heart of America“ ganz gut zu ersehen war. Bereits einer seiner Erstlinge („Amoklauf“, 1992) behandelte besagtes Thema, allerdings noch im amateurhaften Rahmen und auch ohne einschlägigen Erfolg.
Nun also versucht sich Meister Boll mit RAMPAGE [zu Deutsch: Amoklauf, herumtoben, randalieren] erneut an dem in heutiger Zeit leider stets aktuellen Thema.

Die Story:
Bill (Brendan Fletcher, „Freddy Vs. Jason“, „Tideland“) ist ein junger Mann Anfang 20. Er ist beschäftigungslos und wohnt noch bei seinen Eltern, die ihm aber gehörig Dampf machen, langsam in die Spur zu kommen und sich einen Job zu suchen. Bill vertreibt sich die Zeit mit seinem Freund Evan. Beide sind sie Außenseiter und schieben gehörig Frust auf die gesellschaftlichen Missstände. Eines Morgens, nachdem seine Eltern auf Arbeit sind, streift sich Bill einen Kampfanzug über und setzt einen lange erarbeiteten Plan in die Tat um…

Was uns Uwe Boll mit RAMPAGE vorsetzt, ist grob gesagt ein Schlag ins Gesicht. RAMPAGE schockiert, paralysiert, verschlägt einem die Sprache. Was einem hier den Atem raubt, sind aber nicht die ausgeklügelten Einblicke in seelische Abgründe, die Zurschaustellung der inneren Zerrissenheit unseres Protagonisten und auch nicht das emotionale Martyrium der Opfer, für die Sekunden zu Stunden werden, in denen sie um ihr Leben bangen – keines dieser Dinge wird in diesem Film behandelt.
Was einem hier so hart aufstößt, was einen an die Grenzen des Erträglichen treibt, ist der Umstand, wie hier mit dem Thema Amok umgegangen wird. RAMPAGE vermengt Elemente, die nicht zusammen gehören. Er macht aus einem Amok-Drama einen Actionfilm mit vielen Explosionen, blutigen Einschüssen und Zeitlupenästhetik. Wo man in Filmen wie „Falling Down“ und „Amok – He Was A Quiet Man“ auf Emotionen und Charakterstudie setzt, wird hier mit Dauerfeuer draufgehalten.

Der Amoklauf an sich kann im Grunde nur als blutrünstig, abartig und niederträchtig beschrieben werden und dürfte selbst Splatterfreunden den Atem rauben. Bill verrichtet sein Werk mit zwei Uzis, denen nie die Patronen ausgehen. Er schreitet durch die Kleinstadt in einem selbstgebastelten Kampfanzug, der selbst Kugeln standhält. Er ist vollkommen willkürlich in seiner Wahl der Opfer, an welche er oft noch ein paar sarkastische Worte richtet, bevor er sie abballert.
Was das schlimme ist: die wackelnde Kamera verleiht dem Massaker unheimlich viel Authentizität, so dass man sich als Zuschauer mitten im Geschehen fühlt.

RAMPAGE als moralisch fragwürdig zu bezeichnen, wäre stark untertrieben. Dieser Film wird auf dem Index landen, das ist so sicher wie das Amen in der Kirche, weil man meinen wird, dass viele psychisch labile Jugendliche ihn sich zum Vorbild machen könnten, und dass eventuell sogar zurecht.
Der Streifen ist wie der feuchte Traum eines jeden Amokläufers: alles läuft wie am Schnürchen, die Polizei kann einen nicht stoppen… Im Grunde hat Boll durchaus Fantasie bewiesen, denn mit dem reellen Ablauf eines Amoklaufs hat RAMPAGE nicht wirklich viel gemein: Bill verspürt keinerlei Angst, ist nicht einmal ansatzweise aufgeregt, es läuft nichts schief, Bill schießt nie daneben, trifft stets auf was er zielt… Dann noch die krasse Action: das Polizeirevier fliegt in die Luft, es hagelt blutige Einschüsse, für ein paar coole Sprüche ist zwischendurch auch noch Zeit…

Die Motive, die Bill zum Amokläufer werden ließen, sind schleierhaft, was man dem Film positive anrechnen muss. Angedeutet wird just der permanente Druck, dem Bill von Seiten der Eltern, der Gesellschaft, der Medien ausgesetzt ist. Dann hasst er mitanzusehen, mit was für Nichtigkeiten seine Mitmenschen die Zeit verplempern, die Gleichgültigkeit der Leute geht ihm auf den Senken, ansonsten bleiben seine Beweggründe aber nebulös, was absolut gut so ist.

Erschreckend deutlich wird hier, was für ein psychologischer Grobmotoriker Boll doch ist. Doch dem Uwe ging es bei RAMPAGE gewiss nicht um Psychoanalyse oder Aufarbeitung eines Amerikanischen Traumatas. Im Gegenteil: Der Uwe will doch nur, dass es scheppert und kracht, möglichst viele Leute sterben und ein Haufen Plunder in Schutt und Asche zerfällt. Ferner bekommt man auch hier auf subtile Weise wieder eine gehörige Prise von Bolls fast schon fanatischem Anti-Amerikanismus unter die Nase gerieben. Der Uwe hasst dieses Land, das ihn am Leben erhält, halt einfach von Herzen.


Mitleid: 0% – „Lauf Forrest!“ *Peng! Peng! Peng!*
Action: 70% – KRACH! SCHEPPER! KAWUMM!
Brutalität: 100% – Blutstau bis zum Kotzkoma


Fazit:
Definitiv mehr beinharter Actionfilm als feinfühliges Amok-Drama. Ein König in Sachen Menschenverachtung. Ein Amok-Drama für die Splattergemeinde, wenn man so will. Schafft man es persönlich jegliche Moral über Bord zu werfen, die Realität auszuklammern und auf persönliche Einzelschicksale zu scheißen, kann man gewiss seine Freunde an RAMPAGE haben, ein gelungener Actionfilm ist er nämlich auf jeden Fall.
Ein Film, der zweifelsfrei polarisiert. Muss ich mich jetzt eigentlich schämen derartig perverse Gewaltverherrlichung gut zu finden? Vielleicht gehört ja auch nur die ganze Welt mal ordentlich durchtherapiert…


Surprise me!
"Surprise me!" BETA
Lassen Sie sich überraschen! Wir führen Sie zu einem zufälligen Treffer zu einem Thema Ihrer Wahl... Wollen Sie eine andere Kritik von "GhostShit" lesen? Oder ein anderes Review zu "Rampage - Rache ist unbarmherzig (2009)"?


Zur Übersichtsseite des Films
Liste aller lokalen Reviews von GhostShit

Zurück


Copyright © 1999-2017 OFDb.de - Die Online-Filmdatenbank
Alle Rechte vorbehalten.
Nutzungsbedingungen · Werben · Impressum
Hosted by Net-Build



Quicksearch






User-Center

Benutzername: 
Paßwort:
Login nur für diese Sitzung:

·

873 Besucher online


SSL  SSL-gesicherte
Verbindung aktiv


Abonnement


Abonnement - Bitte erst anmelden
Melden Sie sich bitte an, um Abonnements vornehmen zu können



Neue Reviews


Zing [Kurzfilm] (2011)
Besuch, Der [Kurzfilm] (2010)
Fritten zum Mittag [Kurzfilm] (2012)
Beinahe [Kurzfilm] (2011)
Elektriker Horst [Kurzfilm] (2007)



News


Unser News-Bereich wurde überarbeitet und wird in Kürze weiter ausgebaut werden, damit Sie stets aktuell über alle Neuigkeiten rund um die Welt des Films informiert sind.

» Zum neuen News-Bereich