Ansicht eines Reviews

Rampage - Rache ist unbarmherzig (2009)

Eine Kritik von (Bewertung des Films: 7 / 10)
eingetragen am 25.12.2010, seitdem 1390 Mal gelesen



Uwe Boll ist nicht gerade bekannt für seine einfühlsamen Geschichten, so stellt er sich eine etwas radikalere Form der Bevölkerungskontrolle ziemlich blutig vor, indem ein junger Mann schwer bewaffnet durch seinen Heimatort tingelt, um möglichst viele Zivilisten zu töten.
Tatsächlich hat man außerhalb eines Kriegsfilms lange nicht mehr so viele Menschen sterben sehen, wobei etwas mehr Background durchaus wünschenswert gewesen wäre.

Denn so erscheint nicht wirklich nachvollziehbar, warum der 23jährige Bill in Tenderville ein Blutbad anrichtet. Augenscheinlich jobbt er in einer Autowerkstatt, trifft sich ab und an mit Kumpel Evan, der ein radikales Weltbild vertritt und wird von seinen Eltern zum baldigen Auszug und einer deutlichen Lebensperspektive ermahnt.
Als die letzte Waffenlieferung komplett ist, beginnt der gut organisierte Bill, auf alles zu ballern, was sich in irgendeiner Form bewegt…

Die phasenweise hektische Handkamera geht leider bereits nach kurzer Zeit auf die Nerven, - da hätte Boll besser auf die semidokumentarische Sicht der Dinge verzichtet und ruhige Bilder bei erhöhtem Tempo geliefert.
Ansonsten ist die Geschichte gut besetzt, mit Erfolg um authentische Rahmenbedingungen bemüht und triste Alltags-Sets einbindend, welche der Glaubwürdigkeit der Szenerie zugute kommen.

Rund eine halbe Stunde benötigt es, bis Bill sich mit einer Metallrüstung und Gasmaske ausstattet und wild um sich ballert. Angefangen von einem ferngesteuerten Van, der im Polizeirevier explodiert, über die Exekutierung der Anwesenden in einem Frisiersalon bis hin zu den Stationen, an denen Bill meinte Unrecht erfahren zu haben, wie einem Diner und einem Burger-Laden.
Einige krachige Explosionen kommen durchaus mit Drive, da auf Computereffekte weitgehend verzeichnet wird und auch die unzähligen Einschüsse sehen nach ordentlicher Maske aus.

Zu Beginn verengt sich gewissermaßen die Konsequenz des Vorlaufes: Inserts des Amoklaufs werden eingestreut, dazu kommen Ausschnitte einer Videoaufzeichnung und mittendrin ein scheinbar ganz normaler junger Mann, der zwar ab und an provoziert, jedoch zielstrebig und aufgeräumt erscheint und kaum wie einer, der am nächsten Tag ein Massaker mit Dutzenden von Toten anrichten wird.
Leider versäumt das Skript eine tiefer gehende Analyse des Amokläufers: War Bill schon seit einiger Zeit abgestumpft und konnte er diese Tatsache erfolgreich vor seinen Eltern verbergen oder war diese Tat eine eher spontane Aktion?
Die genaue technische Planung spricht definitiv eine andere Sprache, was nicht unbedingt zu den Gesprächen mit seinem Kumpel passt, auch wenn ein finaler Twist eine deutliche Stellung bezieht.

So fliegen Polizeiautos in die Luft, eine Bingo-Veranstaltung sorgt für gesellschaftskritisches Schmunzeln, es erfolgt ein Bankraub, viele negative Nachrichten in Fernsehen und Radio werden eingestreut und bei alledem wirkt der Killer noch nicht einmal verabscheuungswürdig, weil man von Begin an eine Nähe zu ihm aufgebaut hat und die wenigen Argumente seiner radikalen Vorgehensweise im weitesten Sinne nachvollziehbar erscheinen, ohne auch nur eine Aktion des Psychopathen rechtfertigen zu wollen.
Er dreht halt durch und hat Mittel und Wege gefunden, seinen Plan in die Tat umzusetzen, - traurig genug, aber nicht ganz unwahrscheinlich im Kontext der sozialen Situation.

Insofern ist Boll ein heftiges und gleichermaßen sozialkritisches Werk über einen jungen Amokläufer gelungen, welches an Hintergründen und sauberer Kamera spart, dafür aber soundtechnisch exzellent ausgestattet und mit soliden Darstellern besetzt ist, welche durch die Bank glaubhaft agieren.
Unbarmherzig, zynisch und im Gesamtbild vielleicht nicht sonderlich erfinderisch, bietet „Rampage“ einen treffenden Beitrag für all jene, die sämtliche Negativ-Ereignisse gnadenlos in sich hineinfressen und irgendwann nicht mehr wissen, wohin damit.
Schlicht, aber auf seine Art durchaus effektiv…
7 von 10


Surprise me!
"Surprise me!" BETA
Lassen Sie sich überraschen! Wir führen Sie zu einem zufälligen Treffer zu einem Thema Ihrer Wahl... Wollen Sie eine andere Kritik von "Maichklang" lesen? Oder ein anderes Review zu "Rampage - Rache ist unbarmherzig (2009)"?


Zur Übersichtsseite des Films
Liste aller lokalen Reviews von Maichklang

Zurück


Copyright © 1999-2017 OFDb.de - Die Online-Filmdatenbank
Alle Rechte vorbehalten.
Nutzungsbedingungen · Werben · Impressum
Hosted by Net-Build



Quicksearch






User-Center

Benutzername: 
Paßwort:
Login nur für diese Sitzung:

·

492 Besucher online


SSL  SSL-gesicherte
Verbindung aktiv


Abonnement


Abonnement - Bitte erst anmelden
Melden Sie sich bitte an, um Abonnements vornehmen zu können



Neue Reviews


Barry Seal - Only in America (2017)
Mother! (2017)
Gefesselt - Wake in Fear (2016)
Mother! (2017)
Rick and Morty [TV-Serie] (2013)



News


Unser News-Bereich wurde überarbeitet und wird in Kürze weiter ausgebaut werden, damit Sie stets aktuell über alle Neuigkeiten rund um die Welt des Films informiert sind.

» Zum neuen News-Bereich