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Rampage - Rache ist unbarmherzig (2009)

Eine Kritik von (Bewertung des Films: 8 / 10)
eingetragen am 10.06.2011, seitdem 527 Mal gelesen



Uwe Boll, der alte Trickser hat es mal wieder geschafft! Unabhängig von den ganzen Schmährufen, die dem provokanten und wohl polarisierendsten Regisseur der Jetztzeit entgegenwehen, hat er mal wieder einen kleinen und feinen Film geschaffen, der nicht nur mit den Erwartungen des Publikums spielt, sondern auch irgendwie mit dem Ruf des Filmemachers selbst.

Man kann zu den Werken von Uwe Boll stehen, wie man will, viele der Filme haben aber eine Radikalität gemein, die sich nicht selten in der Darstellung brutaler Gewalt manifestiert. Dies gilt zum Beispiel für den hervorragenden „Darfur“, der die Situation im Sudan schonungslos zeigt und dabei (richtigerweise) mit brutalen Bildern nicht geizt. „Darfur“ wurde allerdings nicht so reißerisch beworben, wie „Rampage“, dies würde dem ebenso brisanten wie tragischen Thema nicht gerecht werden. Wenn man sich unvoreingenommen mit „Rampage“ beschäftigt, dann kann man nach Sichtung der Trailer meinen, dass Boll hier eine zweite und viel grimmigere Version von „Postal“ gedreht hat, denn es geht um einen Amokläufer. Zumindest macht der Trailer diesen Eindruck. Ausstaffiert mit einem Körperpanzer und bewaffnet bis zu den Zähnen geht Bill Williamson (Brendan Fletcher) auf eine Killing Spree, die dem „Postal Dude“ gerecht werden würde. Man könnte nach Betrachtung der Trailer auf die Idee kommen, dass Boll hier Gewalt nur der Gewalt willen zeigt und zelebriert (ganz im Gegensatz zu dem eben erwähnten „Darfur“) und eben genau das tut, dass ihm von vielen seiner Kritiker vorgeworfen wird.

So lässt der Film den Zuschauer auch weiter in diesem Glauben. Im Leben des Protagonisten läuft nicht viel richtig. Er lebt noch bei seinen Eltern, wird in seinem Job als Mechaniker geknechtet und man erahnt schnell, dass er nur eine geringe Toleranzschwelle hat, was Aggression angeht. So dient z.B. eine Szene in einem Coffeshop dazu, zu demonstrieren, dass Bill ein Pulverfass ist, der sich über einen falsch servierten Kaffee so stark aufregt, dass er sich lautstark mit dem Ladeninhaber anlegt. Mit dem vermeintlichen Wissen um den Plot und angeregt durch den eindeutigen Filmtitel geht scheinbar alles unaufhaltsam seinen Gang. Und irgendwann ist es soweit, der Amoklauf beginnt mit einem großen Knall. Nachdem die Polizeistation mit einer großen Menge an Sprengstoff in die Luft gejagt wird, geht Bill in voller Panzerung auf eine unaufhaltsame und rücksichtlose Tötungsmission. Dabei werden die Tötungen oft sehr kaltblütig dargestellt und Boll erreicht das, was er will: der Zuschauer fragt sich erst, was das soll, findet sich aber im weiteren Filmverlauf damit ab, dass „Rampage“ ein scheinbar sinnloser filmischer Amoklauf ist. Bei aller Grimmigkeit, die der Film dabei verströmt, baut Boll immer wieder augenzwinkernde Momente ein (wie z.B. der Auftritt in der Bingo-Halle), die in dem Kontext durchaus verstörend wirken können.

So weit, so gut. Nachdem Boll den Zuschauer auf diese zermürbende und offensichlich sinnlose Zerstörungsorgie mitgenommen hat und so langsam die Frage aufkommt, wie denn der Film enden kann, zieht Boll sein Kaninchen aus dem Hut:
*ACHTUNG SPOILER*
Der gezeigte Amoklauf war nämlich überhaupt nicht sinnlos. Es geht dem Protagonisten nämlich nur um TROMMELWIRBEL: Geld. Der Amoklauf ist nur die Durchführung eines perfekten Verbrechens und zwar in letzter Konsequenz, so dient er dazu eine solche Verwüstung zu stiften und die amerikanische Kleinstadtpolizei so sehr zu schwächen und zu beschäftigen, dass er mit einem einfachen Bankraub davonkommt. Eine weitere (zunächst ebenfalls sinnlos erscheinende) Rahmenhandlung verhilft ihm endgültig dazu, mit dem Verbrechen davonzukommen. Und ja, er kommt davon! Amokläufer hin, skrupelloser Bankräuber her, „Rampage“ beschreibt ein grausames, wie erfolgreiches Verbrechen, könnte dabei aber nicht weiter von harmlosen „Heist“-Filmen, wie „Ocean's Eleven“ entfernt sein.
*SPOILER ENDE*

So garstig „Rampage“ auch ist, der Film ist intelligent, hat einen wirklich überraschenden Story-Twist und ist mit seinem kleinen Budget sehr effektiv inszeniert. Die Darsteller speisen sich aus Bolls Stammbesetzung. So überzeugt Brendan Fletcher in seiner Hauptrolle voll und auch die Nebendarsteller erledigen ihre Aufgaben durchweg überdurchschnittlich. Auch die Spezial-Effekte können überzeugen, nur ganz selten scheint man die Eingeschränktheit des kleinen Budgets erahnen zu können. Uwe Boll dreht mittlerweile viele überzeugende Low Budget – Filme und mischt nur noch selten anspruchsloses (aber dennoch meist unterhaltsames) Videothekenfutter dazwischen. Man kann erahnen, dass er dies tut, um die Filme zu finanzieren, die ihm am Herzen liegen. Ein Beispiel ist „Darfur“, der aufgrund des Sujets sicherlich nicht zu Bolls rentabelsten Werken gehört. Dennoch hat ihn der clevere Geschäftsmann Boll umgesetzt, um seinen Kommentar zu diesem Thema abzugeben.

Auch bei Bolls Kritikern scheint ganz langsam ein Umdenken stattzufinden, so liest man mittlerweile öfter, dass ein Boll-Film „überraschend gut“ war. Es bleibt ihm zu wünschen, dass der Trend anhält, denn Uwe Boll ist wohl der am meisten unterschätzte Filmemacher von heute, der nicht nur enorm produktiv und effektiv arbeitet, sondern auch gradlinig ist, sich nicht verbiegen lässt und trotz aller Schelte auch überzeugende Filme dreht. Ein solch überzeugender Film ist auch „Rampage“, der mehr ist, als der Trickser Boll seinen Zuschauern zunächst vorgaukelt. Aber davon sollte man sich am Besten selbst überzeugen, einfach mal über seinen Schatten springen, die Vorurteile über Bord werfen und dem Film eine Chance geben. Er hat es definitv verdient!

FAZIT:

8 / 10


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