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Harry Brown (2009)

Eine Kritik von (Bewertung des Films: 8 / 10)
eingetragen am 26.10.2010, seitdem 456 Mal gelesen



Daniel Barber beschäftigt sich in seinem Regiedebüt mit der heiklen "Gewalt gegen Gewalt" Thematik, viellen mag das sofort Rotseher Charles Bronson in Erinnerung rufen. Doch "Harry Brown" beschäftigt sich in keinster Weise mit der üblichen Schwarz-Weiß-Malerei und ist dadurch auch überzeugender als zum Beispiel der Genrekollege "Die Fremde in dir". Beim Namen Gary Young dürfte es zumindest bei den Actionfans klingeln, denn er schrieb auch das Drehbuch zu "The Tournament".

Der Rentner Harry Brown (Michael Caine) lebt in einer heruntergekommenen Plattenbausiedlung, seine Frau ist vor kurzem verstorben. Doch nun erwischt es auch noch seinen einzigen Freund Leonard Atwell (David Bradley), welcher von der Jugendgang um Noel Winters (Ben Drew) zu Tode geprügelt wird. D.I. Alice Frampton (Emily Mortimer) und ihr Partner Terry Hicock (Charlie Creed-Miles) werden mit diesem Mordfall betraut. Doch Harry erinnert sich an alte Zeiten, wo er bei den Royale Marines diente. Kurzerhand besorgt er sich eine Waffe, um Leonards Mörder zur Strecke zu bringen. Doch seine brutalen Methoden bringen ihn bald in Gefahr und auch Frampton ahnt schnell wer der selbsternannte Rächer ist.

Wer hier ein reißerisches Selbstjustizspektakel a la "Death Wish" erwartet, ist mehr als schief gewickelt. "Harry Brown" ist sehr realitätsnah inszeniert, man braucht nur mal in die Nachrichten schauen. Bei uns könnte man als Beispiel die brutalen U-Bahn Schläger aufführen, doch in England ist die Situation noch ein ganzes Stück schlimmer. Viele mögen die hier präsentierte Bande als Klischee ansehen. Mit ihren weiten Klamotten verkaufen sie Drogen, schüchtern besonders ältere Leute ein, um Schutzgeld zu erpressen. Ich will mich hier gar nicht in irgendwelche Erklärungen verzetteln, in wie weit die gezeigte Jugendkriminalität hier der Wahrheit entspricht, aber "Harry Brown" trifft einen wunden Punkt. Die Polizei ist hier nicht unfähig, sondern kurzerhand machtlos. Unsere Hauptfigur Harry hat nach dem Tod von Leonard nichts mehr zu verlieren. Er führte schon vorher ein tristes Leben. Seine Wohnung befindet sich in einer üblen Gegend, seine Frau liegt im Krankenhaus, nur das Schachspiel mit Leonard in der Stammkneipe war für Harry ein fröhlicher Moment. Dies zeigt Barber in gewollt tristen und düsteren Bildern. Sein Erzählstil ist sehr gediegen, der Score ertönt stets im Hintergrund. So bekommen wir den Tod von Harrys Frau mit, das Gewaltverbrechen an Leonard bekommt der Zuschauer nicht zu sehen.

Mit plakativen Gewaltszenen hält man sich eher bedeckt und es dauert eine Weile, bis Harry zur Tat schreitet. Neben den vielen Einblicken in Harrys Leben, gibt es immer wieder einen Schwenk zu Alice Frampton, die Leonards Mörder nicht überführen kann, wegen Mangel an Beweisen. Auch sollte man jetzt keine Actionszenen erwarten und der Bodycount bleibt sehr niedrig. Aber allein die Szene, als Harry sich eine Waffe bei den Drogensüchtigen besorgt hat es in sich. Natürlich braucht man seitens der Story keine Überraschungen mehr zu erwarten. Framptons Suche nach dem selbsternannten Rächer beschränkt sich auf ein Minimum, sie hat von Anfang an schon eine Ahnung. Vielleicht ist Harrys sicherer Umgang mit den Schusswaffen ein bisschen übertrieben dargestellt, denn seine Dienste bei den Royale Marines liegen schon lange zurück. Trotzdem wirkt Harrys Rachefeldzug in keiner Weise unglaubwürdig, auch wenn er seine Brutalität kaum hinterfragt, doch besonders sein zwischenzeitliches Zusammenbrechen wegen eines Lungenemphysems unterstreicht die Glaubwürdigkeit. Gegen Ende darf es doch noch eine kleine Überraschung geben, zudem kommt es zu richtigen Ausschreitungen zwischen der Polizei und den Gangs. Der 76 jährige Michael Caine (Get Carter, The Dark Knight) ringt sich hier eine tolle und glaubwürdige Leistung ab, aber auch der Rest des Feldes um Emily Mortimer (Shutter Island, Transsiberian) vermag durchweg zu überzeugen.

Es ist die übliche Story, verpackt in einen glaubwürdigen Rahmen. "Harry Brown" orientiert sich deutlich an der heutigen Brutalität der Jugendgangs, die leider vor nichts mehr zurückschrecken. Man sollte sich immer selbst die Frage stellen, wie man in Harrys Fall handeln würde. Das Thema "Gewalt gegen Gewalt" hält Barber in gewollt monotonen Bildern fest, komplett humorlos und sehr realistisch.


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